Torhüter

Glinker hütet zunächst das Union-Tor

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Michael Färber

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Eine leichte Entscheidung für Union-Trainer Uwe Neuhaus: Weil Marcel Höttecke immer noch verletzt ist, wird Jan Glinker gegen Aachen im Tor stehen. Die unumstrittene Nummer 1 ist er trotzdem nicht.

Er wollte sich lange Zeit mit einer Entscheidung lassen, viel Zeit. Irgendwann, so hatte es Uwe Neuhaus verkündet, wolle er die Torwartfrage beantworten. Auf keinen Fall wollte der Trainer des 1. FC Union aus dem Bauch heraus entscheiden, wer denn in der Rückrunde als Nummer eins beim Berliner Fußball-Zweitligisten zwischen den Pfosten stehen wird. Oder ob er den Kampf um die wichtige Position doch noch einmal eröffnet. Eine Antwort, ob der Coach nun Jan Glinker oder Marcel Höttecke für die kommenden 17 Spiele ins Tor stellen wird, bekommt man von ihm derzeit jedoch nicht. „Die Frage stellt sich doch im Moment gar nicht“, sagt Neuhaus.

Was natürlich, bei Auslegung der Fakten, sicher richtig ist. Glinker, trotz seiner erst 26 Jahre bereits ein Union-Urgestein, hat seine Grippe, wegen der er in der vergangenen Woche noch das Bett hüten musste, auskuriert. Gestern trainierte Unions Nummer 1 – das suggeriert zumindest die Rückennummer seines Trikots – auf dem Kunstrasenplatz hinter dem Stadion voll mit. Höttecke dagegen, erst zu Saisonbeginn von Borussia Dortmund II an die Alte Försterei gekommen, sucht man im noch jungen Jahr 2011 noch vergeblich auf dem Trainingsplatz. Wegen eines Muskelfaserrisses kämpft der 23-Jährige derzeit im Fitnessstudio um sein Comeback, vermutlich wird er erst Anfang nächster Woche wieder ins Training einsteigen können. Die erste Partie der Rückrunde gegen Alemannia Aachen (Freitag, 18 Uhr, Alte Försterei) ist da jedoch schon gespielt. Mit Glinker im Tor, sollte sich dieser in den ausstehenden Übungseinheiten nicht verletzen.

Glück im Unglück für Neuhaus

Keine Frage, das Unglück Hötteckes ist das Glück des Trainers, sich nicht festlegen zu müssen. Würde Neuhaus Jan Glinker das unbedingte Vertrauen als Nummer eins aussprechen, hätte Höttecke den nächsten Rückschlag zu verkraften. Schon im Sommer musste er trotz vollmundiger Ankündigung, nicht als Nummer zwei nach Berlin gekommen zu sein, zunächst lange Wochen auf der Ersatzbank Platz nehmen. Als dann endlich Hötteckes Zeit gekommen war, nicht zuletzt durch die folgenschweren Fehler Glinkers in drei Spielen hintereinander, war diese nach nur vier Partien auch schon wieder beendet. Auch wenn Höttecke dies zunächst nicht hatte wahr haben wollen.Hassröder

Spräche sich der Coach hingegen für den 1,99-Meter-Mann aus Westfalen als festen Bestandteil der Startformation aus und damit für die jetzt schon fest stehende Rückkehr Hötteckes nach dessen Genesung, werden die Unioner einen Jan Glinker erleben, der ohne Zweifel mit aller Macht beweisen will, dass er die bessere Wahl ist. Erneute Fehler aufgrund von Übermotivation sind absehbar. Und dass im Abstiegskampf Gegentore meist auch Punktverluste zur Folge haben, ist nicht erst seit wenigen Wochen bekannt.

Von der Möglichkeit, mit einer Entscheidung pro Glinker diesem den Rücken zu stärken, hält Neuhaus übrigens nichts. „Diese Entscheidung hängt sicher auch von den Leistungen ab.“ Sollte Glinker also nicht überzeugen und Höttecke wieder einsatzbereit sein, „dann geht die ganze Diskussion wieder von vorne los“, sagt Neuhaus. Eben dies möchte er unter allen Umständen vermeiden. Kritiker könnten dem Coach nun vorwerfen, dass er sich deshalb nicht klar für Glinker äußert, weil der Zweikampf durch dessen Patzer im Herbst ohnehin längst keiner mehr ist. Bleibt die Frage, wie viel Sinn es wirklich macht, nach wenigen Spielen die Personalie Torwart erneut zu ändern und damit wieder Unruhe in den Defensivverband zu bringen.

Pruschke noch keine Alternative

In der Mannschaft nimmt man die Torwartfrage gelassen zur Kenntnis. „Wir wissen, was Jan kann, und wir wissen, was Marcel kann. Beide genießen unser Vertrauen“, sagt Torsten Mattuschka. Dass Glinker also am Freitag hinter dem Union-Kapitän aufs Spielfeld laufen wird, ist klar. Auch weil mögliche andere Alternativen keine sind. Christoph Haker, dessen im Sommer auslaufender Vertrag nicht mehr verlängert wird, spielt nur im absoluten Notfall noch eine Rolle. Und A-Junior Kilian Pruschke, der sich im Härtetest gegen Teplice bravourös geschlagen hat, „merkt man schon noch an, dass er körperliche Defizite hat“, wie Trainer Neuhaus erklärte. Insofern steht fest: Jan Glinker ist die Nummer1 beim 1. FC Union. Zumindest vorläufig.