Dominic Peitz

Warum Union trotz Verletzungen siegen kann

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Marcel Stein

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Vor der Partie bei 1860 München am Sonntag plagen die Berliner Verletzungssorgen. Im Gespäch mit Morgenpost Online erklärt Mittelfeldspieler Dominic Peitz, warum Union trotzdem nicht chancenlos ist und sieht Parallelen zu Mainz 05.

Morgenpost Online: Vermutlich würden in München alle gern dieselbe Formation auf dem Platz sehen wie gegen Duisburg. Nur geht das nicht. Ruhe oder eher Kontinuität will bei Union nicht einziehen, oder?

Dominic Peitz: Wenn man erfolgreich war, wünscht man sich sicherlich, da weitermachen zu können. Allgemein gibt es aber immer Situationen, wo selbst im Erfolgsfall gewechselt wird. Aktuell sieht man das bei Mainz, wo der Herr Tuchel jedes Mal vier bis fünf Positionen ändert und damit richtigliegt. Bei uns kann der Trainer nicht dieselbe Mannschaft aufbieten, aber ich hoffe, dass die Mannschaft, die aufläuft, das einfach weiterführt, was wir gegen Duisburg begonnen haben.

Morgenpost Online: Im Erfolg mag es kein Problem sein zu rotieren. Aber wie schwierig ist es für eine Mannschaft, die noch nicht richtig weiß, wo sie steht, damit umzugehen?

Peitz: Es ist wieder ein kleiner Stolperstein. Aber ich weiß nicht, ob man das so extrem darstellen muss. Wir können nichts daran ändern, wie es ist. Dafür sind wir alle Profisportler und spielen in der Zweiten Bundesliga, dem müssen wir gerecht werden. Wer am Sonntag auf dem Platz stand, hat jetzt die Aufgabe, diejenigen, die neu reinkommen, zu integrieren und ihnen so zu helfen, dass wir eine ähnliche Leistung abliefern können. Wer hineinkommt, muss das so annehmen und darf nicht denken, er sei ein Lückenfüller.

Morgenpost Online: Sondern muss seine Chance sehen.

Peitz: Und die Leistung kompensieren. Aber das oberste Gebot ist, dass man sich nicht mit dem 2:0 gegen Duisburg zufriedengibt. Wir hatten das gerade erst, dass wir für das 1:1 gegen Hertha gelobt worden sind, als moralische Sieger bezeichnet wurden. Genau in diese Lethargie dürfen wir nicht verfallen. Das erste Anzeichen von Zufriedenheit ist schon wieder in Rückschritt. Wir müssen uns bewusst sein, dass wir noch nichts erreicht haben.

Morgenpost Online: Aber hat Union jetzt vielleicht den Anfang des richtigen Weges gefunden?

Peitz: Wir haben ein Mal gewonnen, das ist sicher ein wichtiges Gefühl, welches wir mitnehmen müssen. Aber nichts ist älter als der Sieg vom Sonntag.

Morgenpost Online: Klingt alles sehr vorsichtig. Fast so, als trauten Sie dem Frieden nicht. Warum?

Peitz: Wie gesagt, mich erinnert das ganz stark an die Situation nach dem Hertha-Spiel. Wir dürfen jetzt nicht nur propagieren, dass wir so wie gegen Duisburg weitermachen und mutig spielen wollen, sondern müssen das mit Leben füllen.

Morgenpost Online: So wie Sie? Zu Saisonbeginn war Ihr Platz auf der Bank, jetzt sind Sie eine feste Größe in der Startelf.

Peitz: Der Trainer hatte seine Vorstellungen. Da habe ich mich eingereiht, habe gewartet auf meine Möglichkeit. So wie es jeder unserer 27 Profis machen muss und sollte. Dann habe ich die Möglichkeit bekommen und das Vertrauen wiedergegeben.

Morgenpost Online: Erinnert Sie das ein bisschen an die vergangene Saison, als Sie lange draußen waren?

Peitz: Ich vergleiche das nicht. Vergangene Saison konnte ich meine Leistung in der Vorbereitung nicht abrufen, das ist Fakt. Dann kam die Verletzung hinzu. Letztlich habe ich vier Monate gewartet. Als unbedingt schlecht empfand ich meine Leistung in der Vorbereitung diesmal nicht. Für den Trainer war es aber nicht zufriedenstellend. Das habe ich zu akzeptieren und eine Reaktion zu zeigen, die dem Job als Profifußballer angemessen ist: Weitermachen und versuchen, vom Besseren zu überzeugen. Das ist meine Pflicht.

Morgenpost Online: Ihre anfängliche Abwesenheit wurde auch mit einem angestrebten feineren Spielstil erklärt. Was bedeutet da Ihre Rückkehr?

Peitz: Wir wollen ja immer noch guten Fußball spielen und nicht die Mannschaft sein, die sich hinten reinstellt und den Ball nach vorn schießt. Bolzen wollen wir nicht. Ob nun mit mir oder ohne mich, ist egal. Damit machen wir, denke ich, da weiter, wie wir auch in der vergangenen Saison gespielt haben. Ob man mit mir zum Altbewährten zurückkehrt, weil das Neue nicht funktionierte, und nun wieder zusieht, dass man über den Kampf ins Spiel kommt, weiß ich nicht. Wir versuchen, attraktiven Fußball zu spielen. Gegen Hertha und Duisburg haben wir das geschafft.

Morgenpost Online: Vielleicht muss Union nicht zwangsläufig über den Kampf ins Spiel finden. Aber braucht man nicht immer Kämpfer, gerade in der Zweiten Liga?

Peitz: Absolut. Das ist aber in der Ersten Liga nicht anders. Der große FC Bayern hat mit Mark van Bommel auch einen Spielertypen, der eher als Kämpfer gilt. Eigentlich braucht das jede Mannschaft. Dafür gibt es ja elf Spieler, jeder hat seine Stärken. Beim Tennis sieht es anders aus, da muss man komplett sein. Ohne gute Rückhand wirst du kein guter Tennisspieler. Wenn du beim Fußball einen Kämpfer dabeihast, der spielerisch vielleicht schwächer als andere scheint, dann sind da noch neun Mitspieler auf dem Platz, die dieses kompensieren können, andersrum natürlich genauso. Jeder kann sich einbringen, und wer es am besten im Team hinbekommt, wird am Ende Erfolg haben, denke ich. Das ist ja das Schöne und macht den Fußball so interessant und komplex.