Zweite Liga

Union unterliegt in Osnabrück mit 1:4

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Martin Kleinemas

Die Krise von Fußball-Zweitligist 1. FC Union Berlin spitzt sich zu. Die Eisernen verloren am Abend das Auswärtsspiel bei Aufsteiger VfL Osnabrück mit 1:4. Das Tabellen-Ende rückt damit noch näher.

Sie wollten wohl ein bisschen nachhelfen beim VfL Osnabrück, damit die Statistik auch diesmal Recht behält. 37 Punktspiele in Folge hatten die Niedersachsen zu Hause nicht verloren – wenn unter Flutlicht gespielt wurde. Und so schalteten die Verantwortlichen die Scheinwerfer beim Spiel gegen den 1. FC Union schon eine halbe Stunde vor Anpfiff ein, obwohl die Abendsonne durchaus noch kräftig genug ins Stadion schien.

Aber es half, die Serie sollte auch am Mittwoch halten: Nach Toren von Matthias Heidrich (18.), Oliver Stang (39.), Nicky Adler (74.) und in der Nachspielzeit auch noch Kristoffer Andersen verlor Union vor 12.500 Zuschauern 1:4 (1:2) und steht nach der Euphorie um den gewonnenen Punkt im Derby gegen Hertha BSC plötzlich sogar auf einem Abstiegsplatz. Der zwischenzeitliche Ausgleich durch Linksverteidiger Patrick Kohlmann (28.) war viel zu wenig. Das Team von Trainer Uwe Neuhaus blieb insgesamt viel zu harmlos.

1:4 – „was soll man nach so einem Ergebnis schon sagen“, klang Kapitän Torsten Mattuschka schon arg resigniert: „Wir hatten uns so viel vorgenommen, wollten wie gegen Hertha auftreten. Das ist uns nicht gelungen.“

Sehr zum Leidwesen von rund 600 Union-Anhängern, die immerhin noch nett empfangen worden waren: mit der Vereinshymne von Nina Hagen, was nicht in jedem Stadion üblich ist. Die Osnabrücker Fans jedenfalls ertrugen „Eisern Union“ ohne einen einzigen Pfiff. Danach allerdings erinnerten sie den Berliner Anhang schmerzlich an eine der größten Niederlagen: „Heute wie vor 10 Jahren“ prangte von einem Transparent. Gemeint war das Aufstiegsspiel zur 2. Liga im Juni 2000, das der VfL in einem Elfmeterkrimi 9:8 gewann.

Das alles interessierte Union-Trainer Uwe Neuhaus natürlich nicht. Er ließ mit der gleichen Startformation wie gegen Hertha beginnen, einzig in der Innenverteidigung ersetzte Daniel Göhlert den verletzten Bernd Rauw (Innenbanddehnung). Doch das Spiel war ein vollkommen anderes. „Es war die gleiche Mannschaft wie gegen Hertha, der Platz ist in etwa gleich groß, und der Ball war auch der gleiche“, sagte Neuhaus nach dem Spiel sichtlich genervt, und ergänzte: „Am meisten hat mich geärgert, dass wir es nicht geschafft haben, diese Aggressivität wieder zu zeigen.“

Tatsächlich verloren seine Spieler die wichtigen Zweikämpfe, so auch vor dem ersten Gegentreffer: Heidrich bekam den Ball am Sechzehner zugespielt, tanzte Göhlert aus und traf ins lange Eck.

„Wenn man sich das 1:0 so anschaut, wird deutlich, woran es vor allem auswärts hapert“, resümierte Neuhaus, dessen Team erst durch einen Kunstschuss ins Spiel zurückkam: Patrick Kohlmann hielt in der 28. Minute einfach mal drauf – und traf perfekt in den Winkel. Es war Kohlmanns erstes Tor überhaupt für Union im 61. Spiel – am Mittwochabend leider nur eine Randnotiz. „Danach hätten wir selbstbewusster auftreten müssen“, sagte Mattuschka. „Aber das sagt sich so einfach, wenn man noch kein Spiel in der Saison gewonnen hat.“ Erneut nach einem Freistoß traf stattdessen Stang (39.) für Gastgeber Osnabrück.

Nach der Pause reagierte Neuhaus und brachte Santi Kolk für Björn Brunnemann und Halil Savran für Karim Benyamina, und nach gut einer Stunde erhöhte der Trainer den Druck noch weiter, wechselte Chinedu Ede für Parensen ein. Ede hatte auch gleich den Ausgleich auf dem Fuß, scheiterte im Nachschuss aber am Knie von VfL-Torwart Tino Berbig.

Osnabrück machte es besser: Nachdem Göhlert in der 72. Minute noch einen Ball von der Linie grätschte, war es eine Minute später passiert: Adler traf aus kurzer Distanz und im Rücken der Abwehr vollkommen allein gelassen zum 3:1 und damit zur Vorentscheidung. Per Konter setzte Andersen den Schlusspunkt.

Union stehen jetzt schwere Wochen ins Haus, am Sonntag kommt mit dem MSV Duisburg ein Aufstiegskandidat in die Alte Försterei. Zu allem Überfluss gab es auch noch eine schlechte Nachricht aus der medizinischen Abteilung: Kenan Sahin wird wegen einer Fußwurzelknochenfraktur im linken Fuß, die er sich im Training zuzog, mehrere Wochen ausfallen.