Berliner Fussball

Unions Sponsorensuche ist ein Hindernislauf

Union ist in aussichtsreichen Gesprächen für einen neuen Sponsor. Doch so schnell wie von vielen erhofft, haben die Berliner doch keinen neuen Geldgeber gefunden. Derweil zieht sich auch die Trennung vom Kurzzeit-Sponsor ISP länger hin als erwartet.

Foto: picture-alliance/ dpa / picture-alliance/ dpa/dpa

Wenn der 1. FC Union Freitagabend bei TuS Koblenz aufläuft, bleibt die Brust frei. Wieder einmal. Nach dem Spiel werden die Berliner schon die Hälfte ihrer bisherigen Partien in der Zweiten Fußball-Bundesliga ohne den Namenszug eines Hauptsponsors auf dem Trikot absolviert haben. Womöglich wird der Auftritt in Koblenz aber der letzte ohne Werbeschrift. Es heißt, dass der Aufsteiger kurz vor der Unterzeichnung eines neuen Hauptsponsorenvertrages stehe.

Nachdem die Trennung vom früheren Hauptsponsor ISP vor knapp vier Wochen in großer Eile vollzogen worden war, dachten viele, dass es ebenso schnell gehen würde, bis die Berliner einen neuen Geldgeber präsentieren. Zumal sofort einige Kandidaten im Gespräch waren. „Wir haben uns aber bewusst Zeit gelassen, weil wir das Bestmögliche für den Verein erreichen wollen“, sagt Sprecher Christian Arbeit. Ein gewisses Tempo sei bei den Verhandlungen dennoch notwendig gewesen, schließlich verliert Union mit jedem Spiel ohne Hauptsponsor Geld. Je weniger Partien das Paket umfasst, das der Klub anbieten kann, desto geringer ist der Preis.

Derzeit befindet sich nur noch ein sehr kleiner Kreis von Kandidaten in Gesprächen mit dem Klub, der aufgrund seiner sportlichen Attraktivität mit dem zweiten Platz in der Liga einige potenzielle Geldgeber auf sich aufmerksam machen konnte. In den nächsten Tagen soll sich alles konkretisieren. Nächste Woche könnte der neue Partner schon präsentiert werden.

Ganz risikolos erscheint das Vorgehen nicht. Schließlich ist die Trennung von der ISP noch nicht komplett vollzogen. „Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun“, sagt Arbeit. Der Vertrag sei gekündigt, deshalb könne Union sich anderweitig umschauen. Allerdings kommen die Gespräche zwischen Union und der ISP, die über Anwälte laufen, kaum voran.

Grund für die Trennung waren die erst im Nachhinein bekannt gewordene hauptamtliche Stasitätigkeit von ISP-Aufsichtsratschef Jürgen Czilinsky sowie falsche Angaben zum Herkunftsort der Firma. Czilinsky war nach der Wende von bundesdeutschen Behörden überprüft worden – ohne Feststellung einer Schuld, was Was Czilinsky Union-Präsident Dirk Zingler per Brief mitgeteilt hat. Beide Fakten scheinen die Kündigung, zumindest aus Sicht der ISP, juristisch kaum zu rechtfertigen. Ein Grund, weshalb sich die Verhandlungen über die Trennung nun hinziehen. Denn im Moment gilt als ungeklärt, ob in diesem Fall ein Vergehen nachzuweisen ist.

Das wiederum beeinflusst die Frage, wer noch Geld zu bekommen hat. Jeder verlangt vom anderen Geld, weil ihm ein Schaden entstanden ist. Eine Annäherung ist nicht zu erkennen. Eher versucht Dieter Fietz, Managing Director der ISP, einst Union-Trainer und nach eigenem Bekunden noch mmer mit dem Herzen ein Unioner, sich mehr und mehr von seinen Emotionen frei zu machen. Für den Fall, dass eine gerichtliche Lösung der Problematik der ISP unumgänglich erscheint. In einem Prozess wäre nicht auszuschließen, dass die Kündigung von den Richtern als nicht zulässig eingestuft wird. Dann wäre Unions Vorgehen zu voreilig gewesen.