1. FC Union

Mattuschka will in der Liga vor Hertha landen

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Martin Kleinemas

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Wie wichtig Torsten Mattuschka für den 1. FC Union ist, zeigt die Statistik der vergangenen Saison. Der Publikumsliebling spricht über seine neue Rolle bei den Eisernen, seine Ambitionen auf das Kapitänsamt und Berliner Rivalitäten.

In allen 34 Ligaspielen der vergangenen Saison stand der 29 Jahre alte Mittelfeldstratege Torsten Mattuschka auf dem Platz und war mit zehn Toren bester Schütze der Köpenicker. Der gebürtige Cottbusser spielt seit 2005 in Berlin, sein Vertrag läuft im kommenden Sommer aus.

Morgenpost Online: Herr Mattuschka, fünf Wochen harten Trainings liegen hinter Ihnen. Wie beurteilen Sie die Entwicklung der Mannschaft?

Torsten Mattuschka: Absolut positiv. Wir hatten natürlich einen schweren Einstieg mit dem Konditionstrainingslager, das war schon eine Qual. Aber wir haben gelernt, den inneren Schweinehund zu überwinden. Das muss halt sein. Jetzt steht ja seit drei Wochen der Fußball im Vordergrund.

Morgenpost Online: Wie auch einige hochkarätige Testspiele. Welche Erkenntnisse haben Sie gewonnen?

Torsten Mattuschka: Gegen La Coruna haben wir unsere Moral gezeigt. Einen 0:3-Rückstand gegen einen spanischen Erstligisten aufzuholen, musst du erst einmal schaffen. Uns darf man eben nie abschreiben, wir haben immer Typen drin, die die Mannschaft mitreißen können. Gegen Middlesbrough haben wir gezeigt, dass wir guten Fußball spielen können. Leider haben wir das Spiel dann aus der Hand gegeben. Daran müssen wir noch arbeiten.

Morgenpost Online: Einige Spieler hatten in den vergangenen Wochen mit kleinen Blessuren zu kämpfen. War das Training von Uwe Neuhaus zu hart?

Torsten Mattuschka: Klar haben wir am Limit trainiert. Aber dafür ist ja die Vorbereitung da, wann soll man das sonst machen? Wenn du erst mal im Wochenrhythmus bist, kannst du nicht mehr so hart trainieren. Je härter wir trainieren, desto besser können wir hoffentlich auch mal in der Schlussphase eines Spiels zulegen.

Morgenpost Online: Der Trainer hat zuletzt viel im Mittelfeld umgestellt, Sie mussten von Ihrer geliebten Position hinter den Spitzen weichen.

Torsten Mattuschka: Eigentlich ist mir das egal. Wichtig ist für mich, dass ich spiele und viele Ballkontakte habe. Vor der Abwehr habe ich das Spiel noch mehr vor mir als früher, ich traue mir beide Rollen zu. Ich versuche immer, das Spiel zu kontrollieren und an mich zu reißen. Grundsätzlich ist es gut, wenn ein Spieler mehrere Positionen ausfüllen kann. Für mich, aber auch für den Trainer, dann hat er einfach mehr Möglichkeiten.

Morgenpost Online: Seit einem Monat sind Sie stolzer Vater. Hat Töchterchen Miley Sie verändert?

Torsten Mattuschka: Auf jeden Fall, jetzt habe ich die Verantwortung für so einen kleinen Wurm zu Hause, der ohne seine Eltern nicht überleben kann. Aber das macht man ja gerne, diese Art von Verantwortung macht Spaß.

Morgenpost Online: Überträgt sich das auch auf den Platz?

Torsten Mattuschka: Ach, Verantwortung habe ich ja schon immer gerne übernommen. Ich versuche immer, vorneweg zu gehen. Aber es kann wohl sein, dass sich das überträgt, wenn man weiß, man hat jetzt noch ganz andere wichtige Aufgaben, die man auch gut hinbekommt. Das hilft vielleicht mal, noch selbstbewusster aufzutreten.

Morgenpost Online: Noch ist nicht entschieden, wer Unions Kapitän wird. Welche Fähigkeiten müsste er mitbringen?

Torsten Mattuschka: Das ist eine schwierige Frage. Wichtig ist, dass er ein gutes Standing hat, versucht vorneweg zu gehen, auch wenn es schlecht läuft. Wenn es gut läuft, kann das ja jeder. Er muss positiv denken und die Mannschaft mitreißen, viel über Probleme sprechen. Die Mannschaft muss jederzeit zum Kapitän kommen können, um mit ihm über Probleme zu reden. Und er muss den jungen Spielern den richtigen Weg zeigen.

Morgenpost Online: Damit haben Sie sich selbst ganz gut beschrieben…

Torsten Mattuschka: …ja, aber das entscheidet ja nun der Trainer. Ich würde natürlich nicht nein sagen. Ich würde mich dieser Verantwortung gerne stellen, und es würde mich auch stolz machen. Aber wie gesagt: Die Entscheidung liegt beim Trainer, ich will mich nicht aufdrängen.

Morgenpost Online: Die Fans würden Sie als Kapitän sicher begrüßen, Sie haben Ihnen ja sogar ein eigenes Lied gedichtet.

Torsten Mattuschka: Das ist natürlich Gänsehaut pur. Das macht mich unheimlich stolz. Wenn dann der Ball da zum Freistoß liegt, die Fans singen das Lied, und dann geht er rein wie jetzt gegen La Coruna…was Geileres gibt es doch nicht.

Morgenpost Online: Wie wichtig ist diese Saison für Ihre persönliche Karriere? Ihr Vertrag läuft aus, bei guten Leistungen klopft vielleicht der eine oder andere Bundesligist an.

Torsten Mattuschka: Es wird ein Schlüsseljahr. Und na klar, jeder Spieler hier hat doch im Kopf, mal in der Bundesliga zu spielen, sonst hat er das nicht richtig verstanden.

Morgenpost Online: Also ist Ihre Zukunft bei Union vom Abschneiden des Klubs abhängig?

Torsten Mattuschka: Ich kann mir sehr gut vorstellen, hier zu bleiben. Aber man weiß doch nie, was passiert. Nachher holt der Verein einen anderen. Und dann? Es ist doch nur wichtig, dass die Mannschaft funktioniert, ob ich jetzt eine gute Saison spiele oder nicht, ist doch egal. Jeder, bei dem der Vertrag ausläuft, muss sich empfehlen.

Morgenpost Online: Der Verein hat einen zweiten Spielmacher geholt, Santi Kolk. Wie erleichtert sind Sie, dass Neuhaus mit Ihnen beiden plant?

Torsten Mattuschka: Klar habe ich erst gedacht: Warum holen die nach der guten Saison einen für meine Position? Aber so ist das nun mal, Konkurrenz belebt das Geschäft. Jetzt freut es mich, gemeinsam mit Santi zu spielen, er ist ein guter Fußballer, er kann das Spiel machen, ich kann das Spiel machen – so kann sich der Gegner schwieriger auf uns einstellen. Und ich habe auch einen Vorteil davon: Die Spielgestaltung ist auf mehrere Schultern verteilt.

Morgenpost Online: Auch für Union ist diese Saison wegweisend, nicht nur sportlich. Seit Herthas Abstieg ist das Interesse spürbar gestiegen.

Torsten Mattuschka: Aber selbst wenn wir auf die ganze Saison gesehen vor Hertha stehen, kann man das doch nicht vergleichen. Bei Hertha ist viel mehr Struktur vorhanden. Hier haben wir viel aufgeholt, aber bei Hertha steckt doch viel mehr Geld dahinter.

Morgenpost Online: Die Fans interessiert aber der Erfolg.

Torsten Mattuschka: Ja, logisch. Und es ist ja auch unser Ziel, vor Hertha zu stehen. Für uns Spieler wäre das eine Genugtuung, bei dem Etat. Aber trotzdem, die Strukturen sind nicht vergleichbar. Vielleicht können wir am Ende der Saison sagen: Dieses Jahr waren wir sportlich die Nummer eins in Berlin, oder wenn wir eines der Derbys gewinnen. Auf lange Sicht gilt das aber sicherlich nicht.

Morgenpost Online: Warum ist Union in dieser Saison stärker als im Vorjahr?

Torsten Mattuschka: Wir sind in der Breite besser aufgestellt, unsere zweite Reihe ist wesentlich stärker geworden, wir haben 18 bis 20 fast gleichwertige Spieler. Wir sind schwerer auszurechnen, haben mehr Möglichkeiten. Nicht nur wegen Santi und mir, auch mit Sahin, Brunnemann oder Ede haben wir viele Varianten, über Außen zu kommen. Und wir bauen wieder auf die Fans, die sind wirklich im positiven Sinne bekloppt. Die Gegner müssen Respekt haben, hier zu spielen. Das war letztes Jahr schon super, aber dieses Jahr wird es noch besser sein, da bin ich sicher.