Derby gegen Rostock

Stadion von Union Berlin wird heute zur Festung

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Michael Färber

1. FC Union gegen Hansa Rostock - bei dieser Ansetzung geht es auch um Fußball. Doch bei dieser Partie geht es vor allem um Sicherheit. Um diese bei dem Hochrisikospiel in der Alten Försterei zu gewährleisten, sind mehr als 1300 Ordnungskräfte im Einsatz. Doch es wurden noch mehr Vorkehrungen getroffen.

Natürlich geht es auch um Fußball. 1. FC Union gegen Hansa Rostock – das ist am Freitag (18 Uhr, Sky live) das erste Duell der noch jungen Zweitliga-Saison im Fußball-Osten. „Wir freuen uns, dass wir uns nun auch mit Mannschaften in einem Ost-Derby messen können, die schon seit Jahren im Profifußball spielen“, sagte Union-Sportdirektor Christian Beeck. Nach dem 1:0 gegen Düsseldorf hofft Trainer Uwe Neuhaus auf den zweiten Heimsieg und setzt auf die „bewährte Formation. Es gibt auch keinen Grund, etwas zu ändern.“ Die Alte Försterei soll zur Festung werden, ist jedoch statt mit 18.950 nur mit 17.500 Zuschauern ausverkauft. Spätestens hier wird deutlich: Union gegen Rostock – da geht es vor allem um die Sicherheit.

Um diese bei dem Hochrisikospiel zu gewährleisten, bleiben die Sitzplätze neben dem Gästeblock als Pufferzone leer, sind mehr als 1000 Polizeibeamte sowie 300 Ordnungskräfte im Einsatz. Angesichts der gerade in Berlin stattfindenden Leichtathletik-WM, bei der rund 500 Polizisten im Dauereinsatz sind, kein Pappenstiel. Vor und während der Partie wird auf strikte Fantrennung geachtet. Der Großteil der Hansa-Anhänger wird per Sonderzug bis Schönefeld, weiter per Sonder-S-Bahn bis Bahnhof Spindlersfeld anreisen und ab dort von der Bundespolizei bis ins Stadion geleitet. Verkehrsbeeinträchtigungen im Bereich der Straße An der Wuhlheide, der Bahnhofstraße und der Köpenicker Allee sind die Folge, zwischen 16 und 18 Uhr sowie 20 und 21.30 Uhr ist mit Vollsperrungen zu rechnen. Im Stadionbereich wird nur Leichtbier ausgeschenkt, der Verkauf alkoholischer Getränke rund um das Stadion wird vom Ordnungsamt unterbunden.

Duell gegen Rostock hat andere Dimension

Soweit die Vorsichtsmaßnahmen, „für die aber nur ein kleiner Teil der Rostocker Fans verantwortlich ist, das muss man ganz klar betonen“, sagte Sven Schlensog. Unions Sicherheitsbeauftragter hat nicht zuletzt durch die Drittliga-Duelle gegen Dynamo Dresden in den vergangenen Jahren genügend Erfahrung, was die Sicherheit bei einem Ost-Derby angeht. Das Duell gegen Rostock scheint jedoch in andere Dimensionen vorzustoßen.

„Der FC Hansa kam schon weit im Vorfeld auf uns zu, um Gespräche zu führen“, erklärt Schlensog. Insgesamt waren drei Gesprächsrunden nötig, an denen auch die Berliner Polizei teilgenommen hat. „Normalerweise reichen ein bis zwei solcher Runden“, verdeutlicht der Sicherheitsbeauftragte, wie viel Zündstoff in dem Aufeinandertreffen beider Klubs liegt.

Tickets wurden nur an Berliner und Brandenburger gegen Vorlage gültiger Personaldokumente abgegeben, ein Online-Verkauf fand gar nicht erst statt. Dennoch werden die Verantwortlichen im Stadion alle Hände voll zu tun haben. „Der Strahlungsbereich des FC Hansa geht weit bis nach Brandenburg hinein“, sagt Schlensog. Dass sich Hansa-Anhänger dadurch Tickets außerhalb des Gästeblocks gesichert haben, „konnten wir natürlich nicht verhindern“, so Schlensog. Wer sich demnach als Hansa-Fan zu erkennen gibt, dem wird der Zugang verweigert. „Wir wollen damit niemanden kriminalisieren“, stellt Schlensog klar. Er sagt aber auch: „Anfeindungen jeglicher Art im Heimblock sind nicht zu dulden.“ In aufgeheizter Atmosphäre reicht schon ein kleiner Jubel zur falschen Zeit, und das Pulverfass droht in die Luft zu gehen.

Hoffnung auf Fest ohne störende Nebengeräusche

Dass solch radikale Maßnahmen nötig sind, haben die vergangenen Wochen und Monate gezeigt. Auf St. Pauli setzten Hansa-Anhänger Anfang März die Tribüne und auch Bahngleise per Feuerwerkskörper in Brand. Ende Mai beim SV Wehen Wiesbaden zündeten Rostocker Chaoten auf dem Hauptbahnhof Frankfurt/Main Feuerwerkskörper, wodurch ein Kind und dessen Mutter verletzt worden waren.

Beim DFB-Pokal-Aus am 31. Juli in Osnabrück hatten jene Anhänger durch das Abbrennen von Feuerwerkskörpern für eine Spielunterbrechung gesorgt. Und beim Saisonstart zehn Tage später in Bielefeld, wo sogar ein Ordner im Gästeblock laut Polizeibericht „geschlagen und am Boden liegend getreten“ worden war, wurden 33 Randalierer aus Rostock festgenommen. In Rostock selbst müssen sich ab dieser Saison die Anwohner des Hansaviertels auf dem Weg zu ihren Wohnungen ausweisen, wenn St. Pauli, Union, Cottbus oder Karlsruhe zu Gast sind.

Union gegen Rostock – es ist das erste Duell beider Klubs in einem Pflichtspiel seit 20 Jahren. Schon deshalb hofft nicht nur Trainer Neuhaus „auf ein Fest ohne störende Nebengeräusche“. Denn eigentlich geht es nur um Fußball.