Osterby in Rostock

Union muss sich nicht nur sportlich beweisen

Union Berlin will am Sonnabend das erste Mal seit 1972 wieder in Rostock siegen. An der Ostsee wird sich aber nicht nur die Form der Sportler zeigen, sondern auch der Erfolg der Fanarbeit. Mehr als 500 Ordnungskräfte sind rund um das brisante Derby im Einsatz.

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Die Serie soll gebrochen werden. Auf dem Rasen, wo der 1. FC Union seit 1972 auf einen Sieg bei Hansa Rostock wartet. Also hofft Christian Beeck, Sportdirektor des Berliner Fußball-Zweitligisten, am Sonnabend (13 Uhr, Sky live) „auf ein ähnliches Spiel wie in der Hinrunde“. Damals hieß es 1:0. Wenn sich heute jedoch rund 3000 Union-Fans auf den Weg an die Ostsee machen, gilt es vor allem, die unregelmäßige Reihe der Auffälligkeiten zu beenden, durch die der Anhang der Köpenicker zuletzt in die Schlagzeilen gekommen war. Union in Rostock – das ist nicht zuletzt auch eine Imagekampagne für die Berliner.

Lars Schnell, Unions Fanbeauftragter, ist sich sicher: „99 Prozent der Fans wollen ein sportlich brisantes Spiel sehen.“ Bleibt das Risiko von einem Prozent, das im Ostderby den Unterschied zwischen Fußball-Fest und Fan-Schlacht ausmachen kann. Noch dazu in Rostock, wo die Zahl gewaltbereiter Fans nicht zu unterschätzen ist.

Viel wurde getan, um für Sicherheit zu sorgen. Auf allen Zügen von und nach Rostock herrscht ein allgemeines Glasflaschenverbot. In Rostock setzt Hansa 480 Ordnungskräfte ein, Union schickt selbst 24 Ordner im Sonderzug mit, mit dem 1400 Fans in die Hansestadt reisen. Fantrennung und Alkoholverbot sind selbstverständlich. Mehrere hundert Polizeibeamte werden vor Ort sein. Maßnahmen, die wohl notwendig sind, die Ursache des Übels jedoch nicht bekämpfen. „Es ist wichtig, miteinander im Gespräch zu bleiben“, sagt Lars Schnell. Mit strikten Einschränkungen oder Stadionverboten „verlagert man das Problem nur vor das Stadion“.

Emotionen ja, Gewalt nein

Doch wo endet der Verantwortungsbereich eines Klubs für seine Fans? Nach der Prügelei auf einem Autohof in Porta Westfalica im Anschluss an die Niederlage in Düsseldorf am Freitag vergangener Woche fühlt sich Union zu Unrecht beschuldigt. Solch ein Vorfall – die Freundin eines Union-Fans soll angemacht worden sein, worauf dieser offensichtlich die Nerven verlor – „passiert an Samstagen millionenfach in Diskotheken“, sagt Schnell. Gewalttaten aus Eifersucht sind sicher kein Union-spezifisches Problem. Aber: Ohne Unions Gastspiel am Rhein hätte es keinen Fanbus gegeben, der in Porta Westfalica Halt macht.

Entscheidend ist, einen kühlen Kopf zu bewahren, allen Provokationen zum Trotz. Und nicht, wie im Dezember in Bielefeld, mit Ausschreitungen und dem Abbrennen von Feuerwerkskörpern im Gästeblock fast für einen Spielabbruch zu sorgen. „Die Vorfälle in Bielefeld hatten eine Qualität, die uns überrascht hat“, sagt Lars Schnell: „Es ist aber Fakt, dass selbstkritisch damit umgegangen wird. Sie haben erkannt, dass sie einen Bock geschossen haben.“ Dem verletzten Arminia-Ehrengast nützt dies wenig.

Es ist die meist jüngere Fanszene, die durch die Erfolge der vergangenen Jahre inzwischen 30 Prozent der Anhänger ausmacht und sich offenbar provozieren lässt. Hier nimmt sich Union in die Pflicht. „Wir schauen, wo eine neue Fan-Gruppe entsteht, und versuchen, sie in das Vereinsleben einzubinden“, erklärt Schnell eine Möglichkeit, solche Vorkommnisse im Vorfeld zu verhindern. Arbeitsstunden im Jugendclub oder im Verein selbst tun ihr Übriges. Motto: Emotionen ja, Gewalt nein. Heute wird sich zeigen, wie fruchtbar die Fanarbeit wirklich ist.