Dritte Liga

1. FC Union entscheidet den Ost-Klassiker für sich

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Michael Färber

Tabellenführer 1. FC Union Berlin hat am Sonntag in der 3. Fußball-Liga einen 0:1-Rückstand gegen Dynamo Dresden gedreht und mit einem 2:1 (1:1) die Tabellenführung gefestigt. Vor und nach dem Spiel wurden allerdings 16 Fans festgenommen.

Die Anspannung musste einfach raus. Und dran glauben musste sein rotes Trikot, das sich prompt auf dem aufgeweichten Rasen des Jahn-Sportparks wiederfand. Die Augen weit aufgerissen, seinen durchtrainierten Oberkörper den 13.579 Zuschauern präsentierend, jubelte Kenan Sahin. Es lief die 82. Minute im Ost-Klassiker des 1. FC Union gegen Dynamo Dresden. Und mit Sahins Siegtreffer zum 2:1 (1:1) für den Berliner Fußball-Drittligisten war auch endlich der strömende Regen vergessen, der verhinderte, dass aus dem Hochsicherheitsspiel ein echtes Fußballfest werden konnte.

„Darüber wird noch zu reden sein, aber wir werden schon die passenden Worte finden“, verriet Union-Trainer Uwe Neuhaus. Und schmunzelte. Die Gelbe Karte, die Sahin natürlich kassierte, konnte ihm die Stimmung ob der drei Zähler gegen Dresden nicht vermiesen: „Wir haben jetzt 52 Punkte, sechs Punkte vor der Konkurrenz. Doch das ist kein Ruhekissen. Denn das nächste Spiel ist immer das schwerste – und das sind drei Euro für das Phrasenschwein.“ Wieder ein Schmunzeln.

Zwei Tore in zwei Minuten

Keine Phrase war, dass die rund 1300 Ordnungskräfte mit neuer Entspannungspolitik für einen ruhigen Fußball-Nachmittag sorgen würden. Gesagt, getan: Begleitet von der üblichen Polizeieskorte gelangte die Masse der rund 3000 mitgereisten Dresdner Fans vom Bahnhof Gesundbrunnen aus unbehelligt ins Stadion und wieder zurück. Selbst während der 90 Spielminuten kam es zwischen dem Union-Anhang und den Gästeblöcken nur im Ansatz zu provozierenden Sprechchören. Stattdessen bestimmten Fahnen, Spruchbänder und eine durch riesige Transparente in Schwarz-Gelb gehüllte Dresdner Fan-Kurve zu Spielbeginn das Geschehen. Szenen, die eines Klassikers würdig waren. Wenn bloß der andauernde Regen nicht gewesen wäre…

Sicherheit stand vor der Saison-Rekordkulisse auch auf dem Spielfeld ganz oben. Zumindest sechs Minuten lang, dann machte Dresden erstmals durch Halil Savran auf sich aufmerksam. Ging dessen Schuss noch links vorbei, war es Michael Bemben, gestern Kapitän des Spitzenreiters, der eine Savran-Chance im letzten Moment zur Ecke abfälschte (16.). Verteidiger Daniel Göhlert gestand nach der Partie: „Wir haben diesmal nicht so sicher gestanden wie sonst.“

Dies wurde vor allem kurz vor der Pause deutlich. Exakt 42 Minuten waren gespielt, als Pavel Dobry ungehindert zum 0:1 einköpfte. Zuvor hatte Sascha Pfeffer unbehelligt durch die Union-Hälfte spazieren und Savran ungehindert eine Flanke über Union-Torwart Jan Glinker hinweg schlagen dürfen. „Eine perfekte Flanke“, wie Glinker später erklärte. Seine Serie ohne Gegentreffer war jedenfalls nach 570 Minuten beendet.

Zehn Spiele ist Union nun ungeschlagen

Ganz so lange dauerte es nicht, bis Union zurück ins Spiel fand. 1:55 Minuten, um genau zu sein. Freistoß von Torsten Mattuschka von der linken Seite, Shergo Biran springt heran, der Ball geht noch an den linken Innenpfosten – keine Chance für Dynamo-Keeper Axel Keller, 1:1 (44.). Ausgerechnet Biran, der erst wegen der Gelb-Sperre von Marco Gebhardt in die Anfangsformation gerutscht war. „Damit wir schnell auf drei Stürmer umstellen können“, begründete Neuhaus. Birans siebtes Saisontor gab dem Trainer Recht.

Zehn Spiele ist Union nun ungeschlagen, davon wurde am Sonntag das siebte gewonnen. Trotz vieler „Ungenauigkeiten im Spiel nach vorn“, so Neuhaus. Seine Mannschaft fand schlicht kein Durchkommen in der Dresdner Hintermannschaft, die nach dem Wechsel nur 20 Minuten richtig unter Druck stand. Die größte Torchance hatte mit Pfeffer daher ein Dresdner, Glinker war beim 20-m-Schuss zur Stelle (68.).

Es war eine Einzelaktion von Sahin, die für Union noch die Sonne scheinen ließ. Von der Strafraumgrenze fasste sich der ehemalige Düsseldorfer, erst in der Winterpause in die Wuhlheide gewechselt, ein Herz. Torwart Keller setzte noch zu einer Parade an, da war es auch schon passiert. Links unten schlug der Ball ein, der Rest ist Geschichte. „Diese Truppe besteht aus Typen, die unbedingt aufsteigen wollen. Ich bin auch so ein Typ“, sagte Sahin hinterher. Da hatte er schon längst eine Jacke angezogen.

Die Polizei musste letztlich 16 Fußballfans festnehmen. Diese stammten überwiegend aus dem Lager der Dynamo-Anhänger, sagte Polizeisprecher Guido Busch. Ihnen werden unter anderem Sachbeschädigung und Verstoß gegen das Versammlungsgesetz vorgeworfen. Ein Fan soll wegen eines Hakenkreuz-Tattoos festgenommen worden sein.