Eishockey

„Irgendwie außerhalb des Erreichbaren“

Eisbären-Coach Uwe Krupp staunt mit der ganzen Welt über das deutsche Eishockey-Wunder und lobt seine Eisbären-Spieler.

Für Uwe Krupp ist das Erreichen des olympischen Finales der Höhepunkt in der Geschichte des deutschen Eishockeys

Für Uwe Krupp ist das Erreichen des olympischen Finales der Höhepunkt in der Geschichte des deutschen Eishockeys

Foto: Daniel Karmann / dpa

Berlin.  Es sind Festtage für das deutsche Eishockey, auch für Eisbären-Coach Uwe Krupp (52), der von 2005 bis 2011 Bundestrainer war und 2010 mit dem Nationalteam bis ins WM-Halbfinale vorstieß. Das 4:3 über Kanada verfolgten er und seine Spieler vom EHC Eisbären im Teambus auf ihrer Rückreise von einem Testspiel in Tschechien auf Smartphones und Tablets. „Zum Glück war das Internet sehr gut“, sagte Krupp der Berliner Morgenpost. So konnte er sehen, wie sein Sohn Björn (Wolfsburg Grizzlies) sowie die Eisbären Frank Hördler, Jonas Müller und Marcel Noebels in Pyeongchang zu Helden wurden.

Herr Krupp, als erster Deutscher, der den Stanley Cup gewonnen hat, also den Titel in der Profiliga NHL, waren Sie ein Pionier. Ist das ähnlich mit der deutschen Nationalmannschaft?

Es ist auch so eine außergewöhnliche Sache, die nie vorher dagewesen ist. Es gab noch nie die Chance, auf dieser Bühne zu spielen. Das ist einzigartig, eine tolle Geschichte fürs deutsche Eishockey.

Was bedeutet der Erfolg?

Diese öffentliche Aufmerksamkeit brauchen wir, damit der Sport wächst. Entscheidend für die Identifikation war im Eishockey schon immer die Leistung der Nationalmannschaft. Regional gibt es immer mal ein Jahr, wo eine Mannschaft gut ist und mitreißt. Aber bundesweit geht das nur über die Nationalmannschaft. Niemand hat jetzt die richtigen Worte für das, was gerade passiert ist. Wir haben schon öfter mal gesagt: Das war jetzt aber eine super WM oder super Olympische Spiele. Aber da war es weitaus weniger, was erreicht wurde. Das ist jetzt irgendwie außerhalb des Erreichbaren. Ich hoffe, es bleibt in der Wahrnehmung in Deutschland so hängen.

Als unvorstellbarer Erfolg?

Es gab ja nach den ersten Spielen keine Anzeichen dafür, dass sich das so abspielen würde. Die Mannschaft spielt gutes Eishockey, konstant, stabil, seitdem der Marco Sturm die Mannschaft übernommen hat. Aber um nach dort ganz oben durchzudringen, in ein olympisches Finale, muss alles stimmen.

Was zeichnet diese Mannschaft aus?

Wenn du dreimal in der Overtime gewinnst, baut sich etwas auf. Selbstbewusstsein, dieser psychologische Effekt, dass du einfach daran glaubst, dass du es schaffen kannst. Die Jungs spielen aus einer sehr stabilen Defensive. Zu Danny aus den Birken muss man sagen: Ohne einen Torwart mit besonderen Leistungen schaffst du das nicht. In meinen Augen ist er der MVP bisher. Die defensive Arbeit der gesamten Mannschaft ist sehr gut. Vorn hat sie jetzt eine unglaubliche Effizienz. Gegen Kanada war es ja fast so: drei Schüsse aufs Tor und vier drin. Das ist eine super Story. Ich freue mich riesig für alle, die drüben dabei sind.

Was sagen Sie zu Ihren drei Eisbären?

Die spielen sehr gut! Franky Hördler spielt jede Menge Minuten, Marcel Noebels und Jonas Müller sind sehr stabil in ihren Rollen. Alle drei leisten ihren Beitrag, dazu hat Marcel ein Tor gegen Schweden erzielt. Ich freue mich, dass sie diese Erfahrung machen können. Es ist eine tolle Geschichte für alle drei, etwas miterleben zu können, was es noch nie gegeben hat im deutschen Eishockey.

Kritiker sagen, der Erfolg der deutschen Mannschaft werde dadurch etwas geschmälert, dass allen die NHL-Profis fehlen.

Solche Leute werden immer kommen mit irgendwelchen Argumenten, warum etwas vielleicht doch nicht so bedeutungsvoll ist. Ich nehme davon komplett Abstand. Das ist der Höhepunkt in der Geschichte des deutschen Eishockeys, einzigartig. Alle die, die jetzt mit Unkenrufen kommen, die schießen weit am Ziel vorbei.