Olympische Spiele

Berlinerinnen holen Olympia-Gold im Zweier-Bob

Die gebürtigen Berlinerinnen Mariama Jamanka und Lisa-Marie Buckwitz haben Gold im Zweier-Bob gewonnen.

Das Duo Mariama Jamanka (r., Pilotin) und Anschieberin Lisa Buckwitz stellte mit seinem Sieg im Zweierbob bereits am zwölften Tag den Gold-Rekord für eine deutsches Olympiateam ein

Das Duo Mariama Jamanka (r., Pilotin) und Anschieberin Lisa Buckwitz stellte mit seinem Sieg im Zweierbob bereits am zwölften Tag den Gold-Rekord für eine deutsches Olympiateam ein

Foto: Reuters

Berlin. Als B-Team gestartet und plötzlich Gold gewonnen: Zweierbob-Pilotin Mariama Jamanka und Anschieberin Lisa-Marie Buckwitz sind bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang zum Überraschungs-Olympiasieg gerast. Im Olympic Sliding Centre verwies das Duo aus Oberhof und Potsdam am Mittwoch nach vier Läufen völlig unerwartet die Weltmeisterin Elana Meyers Taylor mit Lauren Gibbs um acht Hundertstelsekunden auf den Silberrang. Dritte wurde die zweimalige Olympiasiegerin Kaillie Humphries aus Kanada mit Phylicia George.

Die angeschlagenen Stephanie Schneider und Annika Drazek, in Pyeongchang als eigentliches deutsches Nummer-eins-Paar vorgesehen, verbesserten sich im Finallauf noch von Platz fünf auf vier. Am Ende fehlten acht Hundertstelsekunden auf Bronze. Die Winterbergerin Anna Köhler wurde mit Erline Nolte 14. Jamanka ist die erste deutsche Olympiasiegerin im Zweierbob seit dem Erfolg von Sandra Kiriasis 2006 in Turin. In Vancouver und Sotschi waren die deutschen Frauen leer ausgegangen.

Das Sieger-Paar war erst kurz vor den Winterspielen auf Geheiß von Cheftrainer René Spies zusammengekommen. Er hatte Annika Drazek aus dem Jamanka-Bob in den Schlitten von Stephanie Schneider beordert, um so die aus seiner Sicht beste Pilotin mit der besten Anschieberin fahren zu lassen und die Aussichten auf eine Medaille zu verbessern. Duckwitz, die bis dahin mit Schneider in einem Bob saß, kam zu Jamanka.

Vor dem letzten Durchgang war der Vorsprung geschrumpft

Vor dem entscheidenden Durchgang war der Vorsprung der 27-jährigen Jamanka und ihrer vier Jahre jüngere Partnerin auf Meyers Taylor/Gibbs von sieben auf die Winzigkeit von vier Hundertstelsekunden geschrumpft. Doch im Schlussdurchgang konterten sie noch einmal und sicherten sich das Gold.

Scheider und Drazek hatten Pech. Beide waren schon am Dienstag zu den ersten beiden Läufen verletzt an den Start gegangen. Schneider hatte mit muskulären Problemen am Rücken zu kämpfen, Drazek war vor einer Woche im Training bei einem Hürdensprung umgeknickt. Ihre Vorteile als beste Starterinnen im Feld konnten sie nicht nutzen.

Auch wenn Schneider und Drazek das erhoffte Ergebnis nicht lieferten, der Erfolg der deutschen Frauen ist dank Jamanka und Buckwitz beeindruckend. Nach dem schwachen Abschneiden in Sotschi und den Rücktritten der Weltmeisterinnen Sandra Kiriasis, Cathleen Martini und Anja Schneiderheinze leitete Cheftrainer Spies einen Neuaufbau ein. Der Lohn folgte nun in Pyeongchang - mit Jamanka an der Spitze.

Jamanka wurde von der Beifahrerin zur Pilotin

Die ehemalige Hammerwerferin war erst 2013 zum Bobsport gekommen. Die gebürtige Reinickendorferin ist Tochter eines Gambiers und einer Deutschen und machte am Friedrich-Engels-Gymnasium Abitur. Sieben Jahre lang war sie in Reinickendorf als Leichtathletin für die LG Nord Berlin aktiv, zunächst als Mehrkämpferin, später dann im Wurfring. Ihre Bestleistungen von 48,42 Meter mit dem Hammer und 39,56 Meter im Diskuswerfen waren allerdings nicht gut genug, um auch national ganz vorne zu landen.

Von ihrem damaligen Trainer Klaus Haffner bekam sie deshalb den Tipp, es doch mit dem Bobfahren zu versuchen. Dafür zog sie aus der Metropole in die thüringische Provinz nach Oberhof. Da sie keine Vergangenheit im Rodelbereich hatte wie viele andere Pilotinnen, musste sie sich das Bahngefühl und die Linien schwer erarbeiten. „Manchmal bin ich verzweifelt und konnte nicht immer alles zeigen“, sagte sie rückblickend.

Doch irgendwann zahlte sich ihre Arbeit aus. Ihren bislang größten Erfolg 2017 mit dem EM-Titel in Winterberg holte sie mit Annika Drazek - zwei Jahre nach ihrem Weltcup-Debüt in Königssee. In diesem Weltcup-Winter schaffte sie drei Podestplätze. Nach den Überseerennen, bei denen Drazek fehlte, wurde sie mit der weltbesten Anschieberin in Winterberg Dritte. „Sie bringt einen Wahnsinnsschub in den Bob“, schwärmte Jamanka über die ehemalige Sprinterin.

Nun hat sie Buckwitz im Heck, die mit Schneider eng befreundet ist. Das ist aber kein Problem. „Wir kommen alle so gut miteinander aus, da gönnt eine der anderen den Erfolg“, sagte Jamanka. Auch ein Verdienst von Bobchef Spies.

Zum Gold-Gewinn gratulierten Jamanka der Reinickendorfer Bezirksbürgermeister Frank Balzer und Sportstadtrat Tobias Dollase.„Dass eine junge Frau aus Reinickendorf im Eiskanal von Pyeongchang den Zweierbob zum Olympiasieg steuert, macht uns stolz und glücklich.", sagten sie. Sie gratulierten Jamanka "von Herzen zu diesem überragenden Erfolg.“

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