Olympia

Dreßen und Rebensburg hoffen auf den "Super-Donnerstag"

Thomas Dreßen (Abfahrt) und Victoria Rebensburg (Riesenslalom) wollen Medaillen holen – Trainer aus Österreich brachten sie nach vorn.

Foto: Alexander Hassenstein / Getty Images

Jeongseon.  Es war dann doch ein bedeutender Moment, als sich Thomas Dreßen am Dienstag um kurz nach halb zwölf Ortszeit aus dem Starthäuschen der Abfahrtsstrecke in Jeongseon abdrückte. Mit ein paar Skateschritten nahm Deutschlands Skihoffnung Tempo auf, nach drei Tagen Wind und Wetter in Südkorea konnte endlich der erste olympische Wettbewerb gestartet werden.

Olympia: Schweizer Skifahrer landen Internethit

Das Schweizer Freeski-Team hat in der Freizeit einige lustige Aktionen gefilmt.
Olympia: Schweizer Skifahrer landen Internethit

Dreßen fuhr als Erster die verkürzte Kombinationsabfahrt und hielt auch nach dem 65. Starter noch immer die Bestzeit. Lange musste er in der sogenannten Leaderbox ausharren. "Ach, das war cool", sagte der 24-Jährige, als ihm die Sonne kräftig in den Nacken schien. "Da hockt man doch gerne."

Am Ende der ersten alpinen Entscheidung mit dem erwarteten Sieg von Österreichs Superstar Marcel Hirscher war Dreßen Neunter. Weil zur Kombination eben noch ein Slalom gehört. "G'scheit Gas gegeben", habe er, "aber ich habe mir schon ein besseres Ergebnis ausgerechnet. Nach der Ausgangslage willst du natürlich eine Medaille holen – darum geht es bei Olympia."

Aber der Groll war schnell verflogen, denn die erste Fahrt bei den Winterspielen von Pyeongchang musste nicht mit einer Medaille um den Hals gebunden beendet werden. Um die geht es viel mehr morgen, am Super-Donnerstag für den Deutschen Skiverband.

Dreßen sieht sich als Außenseiter

Thomas Dreßen startet in der von Sonnabend verlegten Abfahrt (3.30 Uhr deutscher Zeit), Viktoria Rebensburg kann im benachbarten Skigebiet Yongpyong im Riesenslalom (2 und 5.45 Uhr deutscher Zeit) zum Gold fahren. Dreßen: "Die Vicky ist mit Sicherheit Medaillenfavoritin, ich sehe mich als Außenseiter-Favorit."

Ein Tag, zwei Medaillenhoffnungen und viel Druck für den Verband , denn danach sind Chancen, dass DSV-Athleten auf dem Siegerpodest stehen, nur noch theoretischer Natur. Deshalb kam Alpindirektor Wolfgang Maier auch zu dem Entschluss: "Thomas ist im engen Kreis der Medaillenkandidaten, das können wir nicht wegdiskutieren."

Mindestens eine Medaille soll es werden, lieber zwei, denn: "Man weiß ja nie, was solche Donnerstage bringen, aber danach wird's schon wieder etwas schwieriger." Ein Triumph Dreßens auf der 2857 Meter langen Abfahrt wäre für den Verband das erste Herren-Gold seit Markus Wasmeiers Doppelgold 1994.

Mit dem Sieg auf der Kitzbüheler Streif Ende Januar habe er bereits einen Status erreicht, mit dem nicht einmal Olympiasieger mithalten könnten, meint Maier. Es war das beste Resultat einer Runderneuerung im Männer-Speed-Lager, das 2014 gar bedingt durch Aussichtslosigkeit schon vor seiner Auflösung stand. Doch dann kamen Mathias Berthold als Chef- und Christian Schwaiger als Techniktrainer zu den Abfahrern.

Die Österreicher führten bereits 2010 die DSV-Damen um Maria Riesch, damals noch Namenszusatz Höfl, zu dreimal Olympia-Gold. Das wollten Berthold als Motivator und Schwaiger als Technikveredler nun mit Dreßen, Andi Sander und Josef Ferstl nachholen. "Ohne sie wäre ich nicht da, wo ich jetzt bin", sagt Dreßen. Ginge die Königsdisziplin nach Deutschland, wären sie in Österreich beleidigt.

"Wenn wir alle Zwetschgen beisammen haben, sind wir top"

Dazu kann auch Jürgen Graller beitragen. Er stammt ebenfalls aus der Alpenrepublik und ist mitverantwortlich dafür, dass Viktoria Rebensburg Favoritin im Riesenslalom ist. "Wenn wir alle Zwetschgen beisammen haben, sind wir top", ist Grallers sprachlich sehr heimatbezogene Auskunft zu der Aussicht.

2010 in Vancouver gewann sie im Alter von 20 Jahren Gold, vier Jahre später folgte in Sotschi Bronze – nun kann sie als erste nach der Italienerin Deborah Compagnoni zweimalige Olympiasiegerin in ihrer Lieblingsdisziplin werden. Nervös macht sie das nicht: "Wer aufs Podium fahren will, bei dem muss alles passen.Deshalb sind solche Rekorde definitiv nicht in meinem Kopf." Zum Ausflippen wäre am Super-Ski-Donnerstag noch genug Zeit, nach den Rennen.

Olympia: Versöhnliche Gesten zwischen Süd- und Nordkorea

Gemeinsamer Einmarsch und historischer Handschlag: Bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele in Pyeongchang haben Süd- und Nordkorea ein wichtiges Zeichen der Annäherung gesetzt. Spor...
Olympia: Versöhnliche Gesten zwischen Süd- und Nordkorea
© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.