Olympia

IOC-Chef soll zum Ticketskandal in Rio verhört werden

Im Zentrum steht ein reger Nachrichten-Austausch mit dem Hauptangeklagten. Thomas Bach verzichtet plötzlich auf Paralympics-Besuch.

IOC-Präsident Thomas Bach meidet die Paralympics

IOC-Präsident Thomas Bach meidet die Paralympics

Foto: Pool / Getty Images

Rio de Janeiro.  Der Ticket-Skandal der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro hat nun auch den Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) erreicht. Die brasilianische Polizei will Thomas Bach wegen seines regen E-Mail- und SMS-Austauschs mit dem angeklagten hochrangigen irischen IOC-Funktionär Patrick Hickey als Zeugen hören.

Dies berichten übereinstimmend mehrere brasilianische Medien unter Berufung auf Ermittlerkreise. Der leitende Ermittler Luys Falcão will zudem am Donnerstag Namen weiterer im Fall verwickelter Europäer nennen.

Grundlage der Ermittlungen sind unter anderem 65 Nachrichten, die die Behörden auf dem beschlagnahmten Computer und dem Handy Hickeys gefunden haben. Auch zu denen soll Bach bei seinem nächsten Brasilien-Besuch Stellung nehmen.

Bach zu Gast bei Staatsakt für Walter Scheel

Das IOC ließ verlauten, es sei „selbstverständlich, dass es in dieser Frage kooperieren wird“, nur habe Bach derzeit keine Reise nach Brasilien geplant. Sein ursprünglich geplanter Trip zur Paralympics-Eröffnungsfeier im Maracana-Stadion am Mittwoch hatte Bach zuvor kurzfristig abgesagt. Er war stattdessen Gast beim Staatsakt für den verstorbenen ehemaligen Bundespräsidenten und FDP-Parteifreund Walter Scheel in Berlin.

Das, was aus der Korrespondenz zwischen Hickey und Bach bislang bekannt geworden ist, offenbart vor allem ein fragwürdiges Selbstverständnis Hickeys – nicht mehr. Unverhohlen forderte der Chef des Nationalen Olympischen Komitees (NOK) Irlands beim obersten Olympier mehr Rio-Tickets für sein NOK - beziehungsweise für sich und seine „kriminelle Organisation“, wie die brasilianischen Ermittler annehmen.

Hickey wollte allein fürs Fußball-Finale 500 Tickets

Hickey und neun weitere Personen wurden wegen Betrugs, Steuerhinterziehung und Geldwäsche bereits angeklagt. Ihnen drohen bis zu acht Jahre Haft. Für die Eröffnungsfeier wollte Hickey von Bach 188 statt der zugeteilten 38 Tickets, für die Schlussfeier 128 statt 28, für das 100-Meter-Finale mit Usain Bolt 242 statt 42. Und statt null Tickets für das Basketball- und das Fußball-Finals fragte er 30 beziehungsweise 500 (!) an. Ob Bach seinem Intimus Hickey dann entgegenkam, ist bislang noch unklar.

Unter Experten wird nun aber auch über mögliche Spannungen spekuliert, weil das Internationalem Paralympische Komitee (IPC) Russlands Staatsdoping ja wesentlich rigoroser mit Ausschluss ahndete als zuvor Bachs IOC.