Beim Weltcup in Berlin

Urlaub ist nur was für Verlierer

Schwimm-Olympiasiegerin Katinka Hosszu startet beim Weltcup in Berlin, trifft dabei aber nur auf drei Deutsche.

Katinka Hosszu gewann ihre dritte Gold-Medaille in Rio

Katinka Hosszu gewann ihre dritte Gold-Medaille in Rio

Foto: dpa

Berlin. Katinka Hosszu war sofort wieder abgetaucht. Gleich nach ihrer Ankunft in Berlin stürzte sich die ungarische Vielschwimmerin am Sonntag ins Wasser zum Training für den Kurzbahn-Weltcup, der heute und Mittwoch in Berlin gastiert – ein passendes Foto stellte sie später auch ins Internet. Darauf streckt die 27-Jährige in der leeren Schwimmhalle an der Landsberger Allee beide Arme weit von sich, so dass jeder Buchstabe auf ihrem weißen T-Shirt gut zu lesen ist. „Harte Arbeit zahlt sich immer aus“, steht darauf in großen Lettern auf Englisch.

Es ist das Lebensmotto der selbsternannten „Eisernen Lady“ – das ihr zuletzt in Rio drei Mal olympisches Gold sowie einmal Silber eintrug. Und die deutschen Beckenspezialisten einmal mehr ins Grübeln brachte, warum am Ende der eigenen Anstrengungen immer nur Tränen oder lange Gesichter stehen.

Gut ist bei Olympia meist nicht gut genug

Aus Brasilien kehrten die Beckenspezialisten mit der zweiten olympischen Nullnummer in Folge zurück. Das höchste der Gefühle waren sechste Plätze, die Verbesserungsvorschläge reichen nun von härteren Normen bis zur Forderung nach mehr finanzieller Unterstützung. Sie umschließen die – womöglich notgedrungene – Reduzierung der Stützpunkte und die Idee, sich künftig auf die Förderung weniger Auserwählter zu konzentrieren. Oder sie drängen auf verstärkten Wissenstransfer innerhalb des Schwimmverbandes (DSV) und den Abgesang auf die bislang praktizierte Verhätschelung der nationalen Elite.

Denn gut ist gerade bei Olympia meist nicht gut genug. So startet der Heidelberger Philip Heintz beim Weltcup in Berlin mit dem Schwung der ersten Kurzbahn-Station in Chartres: 90 Kilometer südwestlich von Paris siegte der 25-Jährige über 200 Meter Freistil sowie 200 und 400 Meter Lagen, auf der kürzeren der beiden Lagen-Strecken drückte er zudem den deutschen Rekord auf 1:52,03 Minuten. „Fünf Mal geschwommen, fünf Mal Bestzeit“, jubelte Heintz in Chartres. Nachdem er auch zwei Wochen zuvor in Rio die nationale Bestmarke über 200 Meter Lagen geknackt hatte, aber trotzdem ohne die erhoffte Medaille geblieben war.

Nie setzte Katinka Hosszu länger als einen Tag mit dem Training aus

So erging es vier Jahre zuvor auch Katinka Hosszu. In den USA hatte sie damals frisch das College abgeschlossen und war ins Profilager gewechselt. In London bekam sie den Druck und ihre Nerven nicht in den Griff, machte aber trotz der riesigen Enttäuschung weiter. Doch nicht einfach so: Gecoacht von Ehemann Shane Tusup, setzte sie zwischen den Spielen in London und Rio nie mehr als einen Tag mit dem Training aus, der Lohn war ein Hattrick herausragender Ergebnisse bei der EM 2014, der WM 2015 und schließlich bei Olympia in Rio.

Vor allem mit vielen Weltcup-Starts brachte es die Allrounderin zur Millionärin. Abseits des Pools fiel die ausgebildete Psychologin im Herbst 2014 durch die Veröffentlichung ihrer Motivationslektüre „Ungarns Eiserne Lady“ auf – durch den Konsum verbotener pharmazeutischer Mittel dagegen bislang nicht. Anders als die Russin Julia Jefimowa, die bereits eine Dopingstrafe verbüßt hat, ihre Teilnahme in Rio auf den letzten Drücker einklagte und nun auch in Berlin startet.

Selbst Cheftrainer Lambertz ist Erholung jetzt wichtiger

Nur mit drei Athleten ist trotz Heimvorteil das DSV-Team am Start– unter anderem mit Heintz und Schmetterlings-Fachfrau Franziska Hentke, zwei der Enttäuschten von Rio. Auf dem Weg dorthin hatte Henning Lambertz den Spitzenkräften alle Freiheiten eingeräumt. „Vielleicht war das ein Fehler“, sinnierte der Bundestrainer danach – und macht wie die meisten seiner Schwimmer nun erst mal lieber Urlaub. Während Katinka Hosszu, die schon in Chartres auf sieben Strecken triumphierte, weiter den harten Weg geht. Die letzten Jahre seien hart gewesen, sagt sie, doch in jedem habe sie riesige Schritte nach vorne gemacht. Genug von der Maloche im Becken hat sie dennoch nicht. „Ich überlege schon“, sagte Hosszu, „wie ich noch schneller schwimmen kann.“