Fussball

Horst Hrubesch: „Werde nicht warten, bis ich sterbe“

U23-Trainer Horst Hrubesch schwärmt nach der Silbermedaille von Olympia, lobt das Athletendorf und lässt seine Zukunft offen.

Horst Hrubesch führte ein aus der Not geborenes Team zur Silbermedaille

Horst Hrubesch führte ein aus der Not geborenes Team zur Silbermedaille

Foto: Soeren Stache / dpa

Rio de Janeiro.  Die Silber-Medaille bei den Olympischen Spiele war der krönende Abschluss für Horst Hrubesch. Der 65-Jährige, der nach der Finalniederlage der deutschen Fußball-Auswahl gegen Brasilien im Elfmeterschießen (5:6) seine Trainerkarriere beendet, blickt im Gespräch auf seine Laufbahn und das dramatische Endspiel zurück.

Herr Hrubesch, wie bitter ist es, auf diese Weise das Finale zu verlieren?“

Horst Hrubesch: Sehen Sie mich weinen? Ich lache die ganze Zeit schon. Weil wir ein tolles Turnier gespielt haben. Wir gehen hier als Sieger raus, auch wenn wir die Goldmedaille nicht gewonnen haben.

Was nehmen Sie als Erkenntnis mit?

Zunächst nehme ich mit, dass Olympia super ist. Es war klasse, was wir erlebt haben, wie das Turnier gelaufen ist. Vor allem die letzten Tage im Olympischen Dorf waren überragend. Die Spieler werden mitnehmen, welchen Charakter es braucht, um am Ende so weit zu kommen.

Sie sind gleich nach Spielschluss zum Fehlschützen Nils Petersen gegangen. Was haben Sie ihm gesagt?

Ich habe ihm gesagt, dass er sich keine Gedanken machen soll. Das ist halt so, da musst du mit leben. Ich habe ihm auch gesagt: Entscheidend ist, dass du antrittst, den Mut hast und überzeugt bist. Da auf der anderen Seite auch ein Torwart steht, ist das immer 50:50.

Spüren Sie Wehmut ob des Karriereendes?

Es war eine außergewöhnliche Karriere. Ich bin mein Leben lang immer infrage gestellt worden, egal was ich gemacht habe, ob es gut oder schlecht war. Ich weiß auch nicht, warum das so war. Aber es hat immer gereicht.

Blicken Sie mit Stolz auf ihre Laufbahn?

Es waren rund 40 Jahre, und ich muss demütig sagen: Ich kann diesem Sport nur danken, was ich alles erleben durfte. Ich muss vielen Danke sagen, in erster Linie meiner Mutter und meiner Frau. Die eine hat mich großgezogen, die andere hat auf vieles verzichtet. Am Ende des Tages hat sich alles gelohnt.

Was machen Sie, wenn Sie zu Hause sind?

Einen guten Eindruck. (lacht)

Bestimmt. Und danach?

Ich werde ein paar Tage in Urlaub fliegen, und dann dem Sport sicher erhalten bleiben. In welcher Form, muss man schauen. Ich werde mich sicher nicht aufs Sofa setzen und warten, dass ich irgendwann sterbe. sid