Leichtathletik

Caster Semenya und die ewige Testosteron-Frage

Wenn Überlegenheit zum Problem wird: Nachdem Caster Semenya souverän zu Gold rennt, will Verbandschef Coe Testosteron-Regel prüfen.

Caster Semenya feiert ihren Sieg mit der Flagge Südafrikas

Caster Semenya feiert ihren Sieg mit der Flagge Südafrikas

Foto: IVAN ALVARADO / REUTERS

Rio de Janeiro.  Caster Semenya umhüllte sich mit der südafrikanischen Flagge, als wollte sie ihren Körper vor skeptischen Blicken schützen. Die 25-Jährige war in Rio de Janeiro nach 1:55,28 Minuten über 800 Meter als Erste ins Ziel gestürmt - selbstverständlich. Daran, dass Semenya Olympia-Gold holen würde, hatte ja niemand gezweifelt. Viel zu überlegen war die Frau aus Polokwane in diesem Jahr. Doch ihr Erfolg ist zugleich Semenyas großes Problem.

„Wir sind nicht hier, um über den Weltverband IAAF zu sprechen. Wir sind nicht hier, um über Spekulationen zu sprechen. Wir sind hier, um über die 800 Meter zu sprechen, die wir gelaufen sind“, sagte Semenya. Wieder musste sie sich für ihren Triumph rechtfertigen, ihre Karriere wird seit der WM 2009 in Berlin mit großer Skepsis verfolgt. Doch darüber wollte sie nach dem größten Erfolg ihrer Laufbahn nicht sprechen.

Semenya steht im Mittelpunkt einer unschönen Debatte, die die Leichtathletik-Welt zu überrollen droht. Im Mittelpunkt steht das Intimste, ihre Sexualität. Ist sie eine Frau? Ist sie ein Mann? Wie hoch ist ihr Testosteronwert? Auch die Silbermedaillengewinnerin Francine Niyonsaba aus Burundi (1:56,49) und besonders die Kenianerin Margaret Wambui (1:56,89), die Bronze holte, erregten Aufmerksamkeit.

„Das müssen die da oben regeln“

In der Szene wird getuschelt, Semenya laufe erst wieder so schnell, seit der Internationale Sportgerichtshof Cas eine IAAF-Regelung zum Hyperandrogenismus im Juli 2015 ausgesetzt hat. Seitdem müssen vermeintlich intersexuelle Athletinnen wie Semenya ihr Testosteronniveau nicht mehr künstlich senken.

Der Weltverband IAAF will die Cas-Entscheidung anfechten, kündigte Präsident Sebastian Coe direkt vor dem Rennen an. Man werde das „komplizierte“ Thema aber „sehr, sehr sensibel“ behandeln. Der Brite warnte zudem davor, vermeintlich intersexuelle Athletinnen zu dämonisieren.

Die Läuferinnen sind genervt von der ungeklärten Situation. „Das ist nicht unter meiner Kontrolle, es gibt nichts, was ich tun kann“, sagte die Britin Lynsey Sharp, die als Sechste keine Chance auf das Podium hatte: „Das müssen die da oben regeln.“

„Sport soll die Menschen vereinen“, sagte Semenya noch in Anlehnung an ihr Idol Nelson Mandela. Sport solle nicht dazu führen, dass man darüber spricht, „wie jemand spricht, wie jemand aussieht, wie jemand läuft“.