Olympia-Bilanz

16 Dinge, die bei den Spielen in Rio nicht so geklappt haben

Grünes Wasser, dreckige Zimmer, leere Ränge: Die Olympischen Spiele sind fast vorbei und es bleibt nicht nur Schönes in Erinnerung.

Innerhalb kurzer Zeit hatte sich das Wasser in zwei Olympia-Pools in Brasilien grün verfärbt.

Innerhalb kurzer Zeit hatte sich das Wasser in zwei Olympia-Pools in Brasilien grün verfärbt.

Foto: Felix Kästle / dpa

Rio de Janeiro.  Olympia in Rio, das waren keine ganz einfachen Spiele. Es gab große Momente, Helden wie Michael Phelps und Usain Bolt, den Heiratsantrag des chinesischen Wasserspringers Qin Kai. Und nach einer gewissen Hysterie im Vorfeld wird bisher kein einziger Zika-Fall gemeldet. Aber überschattet wurde vieles von Problemen.

1. Sicherheit: Im Olympischen Dorf wurde gestohlen, es gab mehrere Überfälle und im Reitzentrum Einschüsse unklarer Herkunft. Aber unterm Strich machten 85.000 Sicherheitskräfte ihre Sache gut.

2. Transport: Ein kompliziertes System, teils stundenlange Anfahrten für Touristen zu Wettkampfstätten. Alles lag weit auseinander – und bei einem Medienbus wurden während der Fahrt Scheiben eingeworfen.

3. Sauberkeit: Einige Athleten griffen selbst zum Putzlappen, weil tagelang im Olympiadorf nicht gereinigt wurde . Verstopfte Klos, schlechter Waschservice und Schmutz sorgten für viele Beschwerden.

4. Versorgung: Wenig Abwechselung, lange Wartezeiten und schlechte Qualität führen dazu, dass die Sportler-Schlangen bei McDonalds immer länger werden. Bei den Arenen geht für Zuschauer öfter das Essen aus.

5. Promi-Glanz: Nur 18 Staats- und Regierungschefs bei der Eröffnung, weniger Promis als sonst feuerten die Olympioniken an. Dafür hatte Model Gisele Bündchen als Ipanema-Girl einen bleibenden Auftritt.

6. Wasser: Zwar gab es Entwarnung für die Segler in der als Kloake verschrieenen Guanabara-Bucht, dafür färbte sich aber das Wasser bei den Wasserspringen und Synchronschwimmern durch einen Defekt grün. Eine Reaktion von Chlor und zu viel Wasserstoffperoxid führte dazu, dass das Chlor seine desinfizierende Wirkung verlor. Folge: Algen konnten ungehindert wachsen und färbten das Wasser.

7. Zuschauer: Offiziell waren 85 Prozent der 6,1 Millionen Tickets verkauft worden, aber überall trübten teils leere Arenen das Bild. Aber zumindest wenn Brasilianer antraten, war es meistens voll.

8. Saubere Spiele: Trotz des Reports über systematisches Staatsdoping durften etwa 280 russische Athleten an den Start gehen. Bis zu 5000 Proben wurden in Rio genommen, einige Athleten waren gedopt.

9. Technik: Im Olympiapark stürzte eine an Stahlseilen für Panoramaufnahmen angebrachte Kamera ab, sieben Menschen wurden verletzt. Ein Fehlalarm im Medienzentrum sorgte für Sendeausfälle.

10. Fahnen: Bei der Anordnung der Sterne auf Chinas Fahne war etwas schiefgelaufen. Umgehend mussten neue bestellt und genäht werden – schließlich war China wie auch bei den Wettkämpfen zuvor ein recht emsiger Medaillensammler in Rio.

11. Eröffnung: Wer im Maracanã-Stadion war, konnte nicht verstehen, dass die XXXI. Sommerspiele eröffnet wurden. Interimspräsident Michel Temer, der Dilma Rousseff per Amtsenthebung beerben will, wurde ausgepfiffen.

12. Fairness: Schmähgesänge zwischen Brasilianern und Argentiniern, Pfiffe für Gegner der Brasilianer. Stabhochspringer Renaud Lavillenie verglcih die feindselige Rio-Stimmung mit Olympia in Berlin 1936.

13. Freiwillige: Viele der 50.000 Helfer fühlten sich mies betreut, konnten daher nur bedingt helfen und quittierten den Dienst, weil sie beschimpft wurden. Einige gaben ihre Akkreditierungen an Unbefugte weiter.

14. Favela-Frieden: Abseits der olympischen Welt gelang kein Frieden in Rios Favelas, es gab Schießereien zwischen Drogengangs und Polizei, im Komplex Maré wurde ein Militärpolizist angeschossen und starb.

15. Interesse: Millionen Brasilianer nahmen Olympia teilnahmslos hin, nur 50 Prozent standen laut Umfragen hinter der Sause, immerhin wurde auch Dutzenden Straßenkindern der Besuch von Wettkämpfen ermöglicht.

16. Aufbruchstimmung: Olympia sollte das tief gespaltene Brasilien einen – stattdessen wurden die Arenen zu „Temer Raus“-Protesten genutzt, von Anhängern der suspendierten Präsidentin Dilma Rousseff. (dpa)