#Rio2016

Die Deutschen sind nur im Stechen fehlerfrei

Die deutschen Springreiter müssen sich trotz Führung nach dem ersten Tag mit der Bronzemedaille begnügen.

Foto: Friso Gentsch / dpa

Rio de Janeiro.  Als Daniel Deußer in der Hitzeschlacht von Deodoro mit First Class über die Ziellinie ritt, zeigte der 35-Jährige keine großen Emotionen. Als dritter Deutscher war er im Stechen des olympischen Mannschafts-Wettbewerbs fehlerfrei geblieben und hatte der Equipe die Bronzemedaille gesichert. Der gebürtige Wiesbadener, der in Belgien lebt, ist kein Mann der großen Gesten und lauten Sprüche. Ein Klapps zur Anerkennung auf den Hals von First Class, das war seine knappe Jubelgeste.

Er war wohl auch ein wenig enttäuscht, weil das deutsche Team die ausgezeichnete Chance auf den Olympiasieg mit der Führung nach dem ersten Tag vergeben hatte. Hundert Meter neben dem Parcours gab es dann aber doch Freudenszenen.

Die deutsche Mannschaft hatte sich bei Temperaturen von 34 Grad, die Reitern und noch mehr den Pferden alles abverlangten, in den Schatten geflüchtet. Trotz der Gluthitze lagen sie sich in den Armen und feierten die Bronzemedaille. Gold holte Frankreich (3 Fehlerpunkte) vor den USA (5). Den Brasilianern blieb nach dem verlorenen Stechen gegen Deutschland nur der vierte Platz.

Zu viele Fehler in der zweiten Runde

Immerhin war es die erste Mannschafts-Medaille durch Christian Ahlmann mit Taloubet Z, Meredith Michaels-Beerbaum mit Fibonacci, Daniel Deußer mit First Class und Ludger Beerbaum mit Casello seit dem Bronze-Gewinn 2004 in Athen. Vor vier Jahren hatte es ein Debakel gegeben, als das Quartett noch nicht einmal den zweiten Durchgang erreicht hatte.

Eine zweite Chance auf Gold haben Deußer, Michaels-Beerbaum und Ahlmann am Freitag im Einzel-Finale. Beerbaum muss zusehen, weil er das schwächste Ergebnis der Deutschen aufweist und nur drei Reiter eines Landes im Finale starten dürfen. „Ich hatte wenige Tage in meiner Karriere, die emotionaler waren“, sagte Beerbaum. Ob er weiter macht? „Ich will hier heute nichts entscheiden. Aber viel kommt da nicht mehr.“

Zu viele Fehler in der zweiten Runde kosteten diesmal den zum Greifen nahen Sieg. „Wir haben Bronze gewonnen. Unser Team hat unheimlich gut zusammen gehalten und funktioniert. Man braucht mehrere Null-Runden“, sagte Bundestrainer Otto Becker. Doch die fehlten seinem Team, nur Ludger Beerbaum blieb am zweiten Tag im Normalparcours fehlerfrei.

82 Sekunden war das Limit

Als erster der vier deutschen Reiter musste Christian Ahlmann mit seinem Taloubet Z ran. Der Marler ging zwar äußerst konzentriert an die Aufgabe heran, am Ende fiel aber doch an einem Hindernis die Stange. „Ich habe von Anfang an aufs Tempo gedrückt, um die Zeit auch zu schaffen“, sagte Ahlmann.

82 Sekunden war das Limit – und viele Reiter hatten ihre Probleme, um es zu unterbieten. So auch Meredith Michaels-Beerbaum, die mit Fibonacci knapp die Zeit verfehlte und auch noch ausgerechnet am letzten Hindernis des schweren Parcours patzte.

Daniel Deußer kam mit First Class auch nicht ohne Fehler durch. Am mittleren Hindernis der dreifachen Kombination fielen die Stangen. Der ganze Druck lastete nun auf Beerbaum. Der 52-Jährige, der schon 1992 in Barcelona den Olympiasieg feierte, behielt die Nerven. Und dann machte die Equipe mit ihren fehlerfreien Ritten doch noch Bronze perfekt.