Rio 2016

Kind auf Foto besiegt acht Jahre danach Michael Phelps

Phelps lässt Kinderträume wahr werden: Ein früherer Fan aus Singapur schnappt dem US-Star Gold über 100 Meter Schmetterling weg.

Michael Phelps (l.) wurde vor acht Jahren von Joseph Schooling angehimmelt. Acht Jahre später schlug der Mann aus Singapur sein großes Idol

Michael Phelps (l.) wurde vor acht Jahren von Joseph Schooling angehimmelt. Acht Jahre später schlug der Mann aus Singapur sein großes Idol

Foto: HANDOUT / REUTERS

Rio de Janeiro.  Michael Phelps schlug seinem Bezwinger lachend auf die Schulter und ging mit Silber um den Hals auf die Ehrenrunde. Dass er gerade seine 23. Goldmedaille an den ersten Olympiasieger aus Singapur verloren hatte, schien Amerikas Schwimmstar nicht zu stören. „Ich dachte, ich wäre richtig, richtig sauer, wenn ich verliere“, sagte der 31-Jährige, „aber ich bin stolz auf ihn.“ Joseph Schooling, zehn Jahre jünger als sein Idol, konnte sein Glück kaum fassen.

Der 21-Jährige aus dem asiatischen Stadtstaat, mit britischem Großvater und Schulausbildung in den USA, hatte dem Rekord-Olympiasieger gerade die erste Niederlage im Schwimmstadion von Rio zugefügt. In 50,39 Sekunden hatte der Außenseiter Phelps im Finale über 100 Meter Schmetterling um 75 Hundertstel distanziert und ihm einen weiteren Eintrag in die Geschichtsbücher des Schwimmens verwehrt.

Der US-Amerikaner konnte das Kunststück nicht wiederholen, das ihm tags zuvor mit dem vierten Olympiasieg in Folge über 200 Meter Lagen gelungen war - weil ihn einer seiner größten Fans geschlagen hatte. „Wie für die meisten Kinder war Michael auch mein Vorbild“, sagte Schooling, der im Vorjahr als WM-Dritter erstmals international auf sich aufmerksam gemacht hatte: „Er ist der Größte, er ist das perfekte Idol.“

Erstes Treffen mit Phelps als 13-Jähriger

Als 13-Jähriger hatte Schooling Phelps erstmals getroffen. Der US-Star, damals mit vier Goldmedaillen dekoriert, machte mit seinem Team Station in Singapur, um sich auf Olympia in Peking vorzubereiten – ausgerechnet in dem Schwimmklub, in dem Schooling trainierte. „Alle haben geschrien: ,Da ist Michael Phelps’ und wollten ein Foto mit ihm machen“, erzählte Schooling, der sich natürlich auch mit seinem Idol ablichten ließ: „Ich stand da mit offenem Mund.“ Das Foto mit dem Schwimmstar und dem kleinen Fan verbreitete sich schon wenige Minuten nach dem Finale rasend schnell im Internet.

Phelps erinnert sich noch genau. „Er ist mit mir im Golfwagen gefahren. Ich wollte unbedingt die Affen sehen, die uns die Müsliriegel geklaut haben“, sagte er lachend. Der US-Star flog weiter nach Peking und gewann acht Goldmedaillen, Schooling trainierte weiter, wechselte in die USA und „wollte sein wie er“.

Acht Jahre später steht der kleine Junge von damals ganz oben auf dem Podest, und Phelps – zeitgleich Zweiter mit seinen langjährigen Konkurrenten Chald le Clos (Südafrika) und Laszlo Cseh (Ungarn) – freut sich mit ihm. „Ich wollte den Schwimmsport verändern“, sagt er: „Ich wollte Kinder zum Träumen bringen, das ist der einzige Grund, warum ich hier bin. Hier ist ein Kind, das diesen Traum verwirklicht hat.“

Seinen Titel als ältester Olympiasieger über eine Einzelstrecke wurde Phelps an diesem Abend auch wieder los. Landsmann Anthony Ervin holte sich mit 35 Jahren Gold über 50 Meter Freistil. „Surreal und absurd“, staunte Ervin selbst. Als 19 Jähriger hatte er in Sydney triumphiert, es folgte ein Jahr später der WM-Titel – und dann suchte er seinen Weg auf wilde Art und Weise abseits des Sports.

Auch Ervin und Ledecky mit Gänsehaut-Geschichten

Er liebte Partys, trank und rauchte. Neben den Medikamenten für sein Tourette-Syndrom nahm er andere Pillen und irgendwann wurde alles zu viel. Sieben Jahre war er insgesamt weg vom Schwimmen. Anders als seine Goldmedaille von 2000 werde er die von Rio „sicher nicht verkaufen“.

US-Landsfrau Katie Ledecky (19) kraulte über 800 Meter zum zweiten Weltrekord und dem vierten Gold in Rio. Sie ist erst die zweite Schwimmerin seit Debbie Meyer 1968, die die Freistilstrecken von 200 bis 800 Meter bei einem Event für sich entscheiden konnte. Meyer habe ein Video geschickt, in dem sie ihr viel Glück wünsche, erzählte Ledecky. „Ich habe es mir vor dem Rennen angesehen, und ich bin so stolz darauf, Teil dieser Geschichte zu sein.“