Beachvolleyball

Sie spielen Weltklasse trotz 26 Zentimeter Unterschied

Kanadas Beachvolleyballerinnen Sarah Pavan und Heather Bansley fordern die Deutschen Borger/Büthe heraus. Ein ungewöhnliches Paar.

Ein ungleiches Paar: Sarah Pavan (l.) umarmt Heather Bansley

Ein ungleiches Paar: Sarah Pavan (l.) umarmt Heather Bansley

Foto: RUBEN SPRICH / REUTERS

Rio de Janiero.  Wenn die kanadischen Beachvolleyballerinnen Sarah Pavan und Heather Bansley gemeinsam jubeln, ergibt das ein lustiges Bild. Dann beugt sich die 1,96 Meter große Pavan über ihre 26 Zentimeter kleinere Partnerin und sieht dabei so aus, als wisse sie nicht, wohin mit ihren Armen. Pavan ist die größte Spielerin des olympischen Turniers, Bansley (1,70) drittkleinste.

Ihr Jubeln ist an der Copacabana derzeit häufig zu sehen, denn die beiden Kanadierinnen haben ihre ersten beiden Spiele bei den Olympischen Spielen souverän gewonnen und stehen damit so gut wie sicher in der K.o.-Runde. Donenrstagnacht (3 Uhr, ZDF-Livestream) treffen sie im letzten Gruppenspiel auf die Deutschen Karla Borger und Britta Büthe.

„Wenn wir das auch gewinnen, stehen wir im Viertelfinale“, stand am Mittwoch auf ihrer Facebookseite. Da hatten die beiden Athletinnen wohl etwas verwechselt, denn anders als auf der World Tour ist der Gruppensieger bei den Olympischen Spielen nicht direkt für das Viertelfinale gesetzt. Er steht genauso wie die Gruppenzweiten und vier von sechs Gruppendritten im Achtelfinale, das am Freitag beginnt.

Dreimal als Volleyballerinnen bei Olympia gescheitert

Doch dieses kleine Malheur ist den Athletinnen nachzusehen, schließlich spielen beide gerade das erste Mal bei Olympia. Zwölf Jahre lang hat Pavan (29) versucht, zu den Spielen zu gelangen. Als 16-Jährige wurde sie in die Volleyball-Nationalmannschaft ihres Heimatlandes berufen. Zwei Jahre später scheiterte Kanadas Auswahl an der Qualifikation für die Spiele in Athen, 2008 klappte es auch mit Peking nicht, und als Pavan 2012 die Spiele in London wieder vor dem heimischen Fernseher betrachten musste, traf sie eine Entscheidung: Sie wechselte zum Beachvolleyball.

„Das war nicht leicht für mich, und ich wurde auch dafür kritisiert, die Hallen-Auswahl zu verlassen“, sagt sie. Die Kritiker verstummten aber schnell, als Pavan bei ihrem ersten internationalen Turnier mit Heather Bansley (28) direkt eine Top-10-Platzierung erreichte. Für Olympia qualifizierte sich das Duo locker mit Ranglistenplatz fünf und 6.150 Punkten, 350 Punkte hinter Laura Ludwig und Kira Walkenhorst. Jetzt gehören sie zu den größten Medaillenhoffnungen für Team Kanada in Rio de Janeiro.

Zwei Jahre in Brasiliens erster Liga

Bislang finanzierten sich die Athletinnen komplett aus eigener Tasche. In Kanada wird Beachvolleyball neben dem Nationalsport Eishockey kaum wahrgenommen. Aus diesem Grund hat Pavan ihre Hallenschuhe auch noch nicht an den Nagel gehängt. „Ich verdiene damit immer noch den Großteil meines Einkommens“, erklärt sie. Von 2012 bis 2014 spielte sie in Brasiliens erster Liga in Rio de Janeiro.

„Es war super dort, und jetzt in die Stadt zurückzukehren, ist auch ein bisschen wie nach Hause kommen für mich“, sagt sie. Derzeit steht sie in Südkorea bei Galtex Seoul unter Vertrag. Außer Sarah Pavan gibt es keine Athletin, die auf diesem hohen Niveau gleichzeitig Beach- und Hallen-Volleyball spielt. „Ich brauche das. Beachvolleyball habe ich in den vergangenen Jahren lieben gelernt, aber Hallen-Volleyball spiele ich seit 20 Jahren, das war meine erste Liebe“, sagt sie.

Dadurch, dass sich nun zum ersten Mal in der Geschichte vier kanadische Beach-Duos für Olympia qualifiziert haben, hofft sie, ihre zweite Liebe in ihrer Heimat bekannter zu machen. „Ich wünsche mir sehr, dass wir in Rio etwas erreichen können“, sagt Pavan, die am 16. August ihren 30. Geburtstag an der Copacabana feiern wird. Einen Tag vor dem Beachvolleyball-Finale der Frauen. „Das wäre natürlich das beste Geschenk überhaupt“, sagt sie.