Nackt im Playboy

Fünf deutsche Olympia-Sportlerinnen ziehen blank

Seit 2004 zeigen sich stets deutsche Olympia-Starterinnen nackt im Männermagazin. Meist bringt es mehr Aufmerksamkeit als ihr Sport.

Freiwasserschwimmerin Isabelle Härle zog sich für den Playboy aus

Freiwasserschwimmerin Isabelle Härle zog sich für den Playboy aus

Foto: Max Seam c/o Kern Photographers für Playboy September 2016 / BM

Rio de Janeiro.  Haben Sie schon mal etwas von Isabelle Härle gehört? Die junge Frau ist immerhin Welt- und Europameisterin im Freiwasserschwimmen, aber berühmt wird man mit so einem abseitigen Hobby hierzulande eher nicht. Dabei ist kaum ein anderer Sport ist so zeitintensiv – und auch so eintönig. Der Lohn für diese Schinderei: so gut wie nichts.

Wenn Härle an ihrem Wohnort in Essen über die Einkaufsstraße geht, erkennen sie nur Freunde oder Schwimm-Experten, obwohl die 28-Jährige beim olympischen Freiwasser-Wettbewerb über zehn Kilometer am kommenden Montag den Medaillenkandidatinnen zählt. Ändert sich aber ab heute vielleicht, Härle gehört nämlich zu den fünf Sportlerinnen, die sich für das Männermagazon „Playboy“ ausgezogen haben und deren Fotos in der neuen September-Ausgabe zu sehen sind.

Die freizügigen Bilder, die seit 2004 zur Tradition wurden und für Auflagezuwächse sorgen, könnten Härles Bekanntheitsgrad auf einen Schlag erheblich vergrößern. Sie werden wahrscheinlich für mehr Aufsehen sorgen, als es alle ihre gewonnenen Medaillen bei Meisterschaften getan haben. Und das Honorar, über das die Schwimmerin nicht reden will, ist wohl höher, als sie in einem Jahr mit ihrem Sport verdient.

„Das Angebot vom ,Playboy’ war für mich wirklich eine Ehre“, erzählt Härle der Berliner Morgenpost. „Vielleicht kann das nicht jeder nachvollziehen. Aber ich habe mich sehr gefreut.“ Außer Härle haben sich vom „Playboy“ noch diese Sportlerinnen ablichten lassen: die Berliner Tischtennis-Spielerin Petrissa Solja vom TTC Eastside, Ruderin Julia Lier, BMX-Fahrerin Nadja Pries und Stabhochspringerin Katharina Bauer, die sich nach einer Verletzung allerdings gar nicht für die Spiele in Rio qualifizieren konnte.

Vor vier Jahren hatten Beate Gauss (Schießen), Christina Schütze (Feldhockey), Christin Steuer (Wasserspringen), Regina Sergeeva (Rhythmische Sportgymnastik) und Angela Maurer (Freiwasserschwimmen) die Hüllen fallen lassen – und sportlich wenig folgen lassen. Und Maurer hat großen Anteil daran, dass sich Härle zu diesem Schritt entschieden hat.

Schwimmerin Härle hat Angst, dass Oma zu geschockt ist

„2012 habe ich die Fotos von Angela gesehen. Damals habe ich gedacht, wenn du irgendwann mal so ein Angebot bekommen würdest, dann nimmst du das auf jeden Fall an“, erzählt Härle. „Es werden ja nur fünf Mädels vom ,Playboy’ gefragt. Wie sie auf mich gekommen sind, weiß ich auch nicht. Ich bin angeschrieben worden.“

Doch als dann wirklich der Brief auf dem Tisch ihrer Wohnung in Essen lag, ist Härrle doch noch mal ins Grübeln gekommen.: „Vorher habe ich rum geschrien, ich nehme es an. Als das Angebot kam, bin ich dann erst einmal kleinlauter geworden und habe es mir dann wirklich sehr lange überlegt. Die Fotos sind ja überall zu sehen.”

Also hat sie erst einmal den Familienrat eingerufen. Mit den Eltern am Bodensee gesprochen und vor allem mit ihrem Lebenspartner Hendrik Feldwehr über die Offerte diskutiert. Eigentlich wollten die beiden gemeinsam nach Rio. Aber der sportliche Traum ihres Freundes platzte kurz vor Beginn der Spiele.

Feldwehr verpasste das Olympia-Ticket über 100 Meter Brust nur um wenige Hundertstelsekunden. „Mein Freund und meine Eltern haben mit den Fotos keine Probleme“, erzählt die angehende Polizistin. „Meiner Oma habe ich es noch nicht mitgeteilt. Sie kriegt vielleicht noch einen Herzinfarkt.“

Aber die Oma muss nicht wirklich mit einem Schreck rechnen. „Ich habe nur den Oberkörper frei gemacht. Beim Schwimmen habe ich auch nicht gerade viel an und am Strand liege ich oben ohne“, sagt Härle. Wie die deutsche Olympiamannschaft auf die Playboy-Bilder reagiert, weiß sie auch nicht: „Über den Aufmerksamkeit-Effekt bin ich selbst gespannt.“

Der Playboy September 2016 ist ab Donnerstag im Handel erhältlich.

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