#RIO2016

„Der Konkurrenzkampf war deutlich härter als 2012“

Der Berliner Innenverteidiger Martin Häner über den Führungsstil des neuen Bundestrainers und den möglichen Gold-Hattrick in Rio de Janeiro.

Foto: Jeon Hyun-Kyun / dpa

Rio de Janeiro.  Die deutschen Hockey-Männer träumen nach den Olympiasiegen 2008 und 2012 vom Hattrick, ihre Auftaktpartie bei den Spielen in Rio gegen Kanada gewannen sie mit 6:2 (5:2). Der Berliner Innenverteidiger Martin Häner (27), als fast 200-maliger Nationalspieler eine der Führungskräfte der Mannschaft, spricht vor dem nächsten Spiel am Montag gegen Indien (16 Uhr) über seine Erwartungen in Rio, die Arbeit mit dem neuen Bundestrainer Valentin Altenburg und Pläne nach den Spielen.

Herr Häner, was bedeutet Ihnen der klare Sieg zum Auftakt?

Martin Häner: Nicht viel, Kanada zu schlagen, war Pflicht. Gegen Indien wird es nicht einfacher, wir müssen versuchen, uns weiter zu steigern. Aber der Sieg war gut, um die besondere Atmosphäre Olympias aufzunehmen.

Ihre Mannschaft gilt in Rio als einer der Topfavoriten. Zu Recht?

Wir haben noch nie einen so breiten Kader gehabt. Es sind sehr viele Junge dazu gekommen, die 2013 Juniorenweltmeister geworden sind. In der Breite sind wir sehr gut. Ob es in der Spitze besser ist, das ist eine andere Frage. Es gab 24 oder 25 starke Bewerber für die 16 Plätze.

Waren Sie sicher, dass Sie wie beim Triumph 2012 erneut bei den 16 sind?

Nein. Jedem war klar, dass es auf allen Positionen sehr eng ist. Das war vom Bundestrainer so beabsichtigt. Niemand sollte sich zu sicher fühlen, auch kein Führungsspieler.

Wie macht sich denn Ihr junger Cheftrainer? Er ist erst 35 Jahre alt.

Valentin Altenburg ist mit einigen Spielern vom Alter her wirklich nicht weit auseinander. Man kann ihn aber nicht nur deshalb mit seinem Vorgänger Markus Weise nicht vergleichen, das sind ganz unterschiedliche Typen. Es gibt bei Valentin viele Besprechungen mit den Spielern. Er holt sich gern Meinungen ein. Wie es im Team läuft, was man ändern sollte. Trotzdem hat er seine eigene, klare Sichtweise. Sein Standpunkt ist, dass wir nach außen geschlossen auftreten, intern aber alles offen legen. Das macht uns ohnehin als Mannschaft aus. Wenn jemandem was nicht passt, sagt er das. Besser so, als da bleibt unterschwellig was stehen.

Wie reagiert ein Team, wenn ein Trainer wie Markus Weise geht, der ja sogar dreimal in Folge Olympiasieger wurde (2004 mit den Frauen) und ersetzt wird durch einen, der Mitte 30 ist und keine internationalen Erfolge hat?

Natürlich ist das eine Umstellung. Aber wir haben schnell festgestellt, dass er klare Vorstellungen hat und es passt. Außerdem haben wir die gleichen Cotrainer, den gleichen Mannschaftsarzt, den gleichen Physiotherapeuten. Bis auf den Haupttrainer ist also alles gleich geblieben.

Hat Altenburg eine besondere Handschrift?

Er ist jemand, der sehr auf die Eigeninitiative der Spieler vertraut. Nach dem Motto: Wer Olympische Spiele spielen will, muss die Initiative aufbringen, richtig vorbereitet zu sein. Genauso will er auf dem Platz keine Leute haben, die zu sehr nach Vorgaben spielen. Jeder soll frei sein in seinen Entscheidungen.

Wird das Ergebnis der Bemühungen sein, dass Deutschlands Männer nach Peking und London auch in Rio Gold gewinnen?

Das wäre schön. Ich denke, die Chancen sind so wie beim letzten Mal. Es gibt fünf, sechs Nationen (von zwölf im Turnier, d.Red.), die auf einem Niveau spielen, also eine Menge. Da entscheiden Kleinigkeiten. Zwischen Platz eins und fünf ist alles möglich. Unsere Hauptkonkurrenten um Gold sind Australien, Holland, Argentinien und Großbritannien. Unser Ziel ist es, definitiv das Viertelfinale zu gewinnen, damit wir dann in den Spielen dabei sind, wo es um die Medaillen geht.

Diesmal sind Sie nicht einziger Berliner, sondern Martin Zwicker, der 2012 noch knapp gescheitert war, steht neben Ihnen im Kader.

Er hat jetzt über Jahre wirklich gut gespielt in der Nationalmannschaft, er ist ein Anführer und Topathlet. Martin hat sich das verdient.

Viele fragen sich: Ist die deutsche Mannschaft von 2016 stärker als die Mannschaft von 2012?

Die jetzige ist deutlich jünger, wir haben ganz andere Spielertypen. Im Sturm etwa sind alle sehr jung, Florian Fuchs mit Jahrgang 1991 ist schon der älteste. International haben wir wahrscheinlich die schnellste Sturmreihe, aber mit wenig Erfahrung. Der Konkurrenzkampf war deutlich härter als 2012. Wir haben wieder eine Mannschaft, mit der man in Rio etwas holen kann.

Und was macht Martin Häner nach den Olympischen Spielen?

Zwei Wochen nach Rio heirate ich meine Freundin. Das heißt in jedem Fall: Dann kommt ein weiterer toller Abschnitt in meinem Leben.