#Rio2016

So bunt ist das deutsche Olympiateam

Deutschland zeigt Kraft bei der Integration: Mehr als 80 unserer Rio-Starter stammen aus anderen Ländern.

Sosthene Moguenara kam im Alter von neun Jahren aus dem Tschad nach Essen

Sosthene Moguenara kam im Alter von neun Jahren aus dem Tschad nach Essen

Foto: Franz/Eibner-Pressefoto / picture alliance / Eibner-Presse

Rio de Janeiro.  Sie wurden in Jerewan, Debre Zeyit oder Leninskoje geborgen, heißen Harutyunyan, Gülec oder Moguenera – und tragen bei Olympia den Bundesadler auf der Brust. Mehr als 80 Athletinnen und Athleten mit Wurzeln in rund 30 verschiedenen Ländern kämpfen für Deutschland am Zuckerhut um Medaillen.

Nie war eine deutsche Olympia-Delegation bunter. „Wir sind von der Hautfarbe oder der Herkunft verschieden, aber wir gehören alle zusammen und repräsentieren Deutschland“, sagte Weitspringerin Sosthene Moguenara einmal: „Bunt ist immer am schönsten.“

Die 26-Jährige hat eine der Erfolgsgeschichten geschrieben, die das Integrationspotenzial des Sports unter Beweis stellen. Mit neun Jahren kam die Weitspringerin zu ihrer Tante nach Essen und blieb dort, weil in der Heimat Tschad der Bürgerkrieg ausgebrochen war.

Von Jamaika bis Vietnam

Beim TV Wattenscheid entwickelte sie sich zur Top-Leichtathletin. Inzwischen belegt Moguenara mit 7,16 Meter hinter Heike Drechsler (Bestleistung 7,48 m/1988 und 1992) sowie der damaligen DDR-Athletin Helga Radtke (7,21/1984) den dritten Rang der „ewigen“ deutschen Bestenliste.

Auch andere mit Zuwanderungsgeschichte sind weltspitze. Tischtennis-Ass Dimitrij Ovtcharov stammt ursprünglich aus Kiew, Turner Marcel Nguyen hat Wurzeln in Vietnam, Tennisprofi Dustin Brown spielte bis 2010 für Jamaika, Bahnrad-Olympiasiegerin Kristina Vogel ist im heutigen Kirgistan geboren und kam als Kleinkind nach Deutschland.

Inzwischen sind sie Idole, denen Kinder hierzulande nacheifern. Ihre Herkunft? Spielt keine Rolle. „Der Sport hat viele Vorbilder hervorgebracht, die zeigen, dass Erfolg in unserer Gesellschaft nicht von der Einwanderungsgeschichte eines Menschen abhängt. Sondern von seinem Engagement und seiner Leistung“, sagte Aydan Özoguz, Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration.

Schwerpunkt in Kampfsportarten

Besonders stark ist der Anteil der Athleten mit Zuwanderungsgeschichte in den Kraft- und Kampfsportarten. Das dreiköpfige deutsche Taekwondo-Team für Rio ist türkischstämmig, Deutschlands stärkster Gewichtheber Almir Velagic flüchtete als Kind vor dem Krieg in Jugoslawien, auch bei den Ringern und Boxern haben die besten Athleten ihre Wurzeln in anderen Ländern.

Beispiel Serge Michel: Als Sechsjähriger kam er aus Russland, hatte Schwierigkeiten und verließ die deutsche Schule ohne Abschluss, seine erste Haftstrafe dauert 18 Monate. Erst über den Sport findet Michel zurück in die Spur, er boxt sich durch und qualifiziert sich für Rio.