Doping

LKA Bayern durchsucht Wohnung von Sachenbacher-Stehle

| Lesedauer: 3 Minuten

Im Dopingfall Evi Sachenbacher-Stehle hat es nach Angaben des deutschen Chef de Mission Michael Vesper mehrere Durchsuchungen gegeben. Ermittelt wird gegen Unbekannt.

Das Landeskriminalamt Bayern hat noch am Freitagabend die Privatwohnung von Biathlon-Dopingsünderin Evi Sachenbacher-Stehle durchsucht. Dies teilte Michael Vesper, der Chef de Mission der deutschen Olympiamannschaft bei den Winterspielen in Sotschi, am Sonnabendmorgen auf der deutschen Bilanzpressekonferenz mit. „Das LKA hat auch den Olympia-Stützpunkt Ruhpolding überprüft“, sagte Vesper. Man werde mit der Staatsanwaltschaft kooperieren, „denn es ist nötig, das Umfeld zu untersuchen“, ergänzte er.

Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft bestätigte am Sonnabend, dass zur Sicherung möglicher Beweismittel der Bundesstützpunkt der Biathleten in Ruhpolding (Oberbayern) sowie zwei private Gebäude durchsucht wurden.

In einem der Gebäude seien Nahrungsergänzungsmittel gefunden worden. Es sei noch unklar, ob sie in einem Zusammenhang mit dem Dopingfall Sachenbacher-Stehle stehen.

Der Sprecher betonte, dass sich die Ermittlungen nicht gegen die Sportlerin richteten. Ermittelt wird wegen unerlaubten Inverkehrbringens von Arzneimitteln zu Dopingzwecken im Sport. Nähere Angaben machte die Staatsanwaltschaft angesichts der laufenden Ermittlungen nicht.

Nahrungsergänzungsmittel vom Mentaltrainer

Der deutsche Chef de Mission Michael Vesper sagte, die Nahrungsergänzungsmittel seien nicht vom deutschen Team verabreicht worden: „Das war ihre private, persönliche Entscheidung. Sie hat gesagt, dass sie mit einem Mentaltrainer zusammenarbeitet, von dem sie die Produkte bekommen hat“, berichtete Vesper.

Vesper betonte, dass es sich im Fall Sachenbacher-Stehle nicht um ein hochtechnisiertes Doping gehandelt habe. Die positive Dopingprobe nach dem Massenstartrennen am vergangenen Mittwoch (17. Februar 2014) sei wohl auf ein kontaminiertes Nahrungsergänzungsmittel zurückzuführen. Sie habe nicht absichtlich dopen wollen, sagte Vesper. Sachenbacher-Stehle war in A- und B-Probe das Stimulans Methylhexanamin nachgewiesen.

Sachenbacher-Stehle hatte in diesem Wettbewerb ebenso wie mit der Mixed-Staffel (19. Februar) den vierten Platz belegt. Die Ergebnisse beider Rennen wurden gestrichen, im Fall der Mixed-Staffel auch für alle Teamkollegen.

Staatsanwalt ermittelt

Unmittelbar nach Bekanntgabe des Untersuchungsergebnisses hatte die Staatsanwaltschaft München I ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Nach Informationen des Bayerischen Rundfunks richtet sich dieses gegen Unbekannt und nicht gegen die Sportlerin selbst. Dabei gehe es um die Frage, wer ihr ein Nahrungsergänzungsmittel beschafft haben könnte, das möglicherweise mit einem Dopingmittel versetzt war.

Die zweimalige Skilanglauf-Olympiasiegerin Sachenbacher-Stehle war noch am Freitag offiziell aus der deutschen Olympiamannschaft ausgeschlossen worden und hatte noch am gleichen Tag die Heimreise angetreten. Ihre beiden vierten Plätze im Massenstart und in der Mixedstaffel wurde ihr aberkannt. Die zuvor erzielten Resultate bleiben in der Ergebnislisten.

Facebook-Seite nicht mehr erreichbar

Keine 24 Stunden nach dem Bekanntwerden des positiven Dopingtests von Biathletin Evi Sachenbacher-Stehle ist die offizielle Facebook-Seite der 33-Jährigen nicht mehr im Internet abrufbar. Auf der virtuellen Pinnwand des Profils, auf der die zweimalige Langlauf-Olympiasiegerin noch am Freitagabend in einer Stellungnahme vorsätzliches Doping abgestritten hatte, hatten Besucher teils äußerst heftige Reaktionen hinterlassen.

„Du bist eine Schande für alle deutschen Sportler“, hieß es dort unter anderem. Aber auch Unterstützer wandten sich mit aufmunternden Worten an Sachenbacher-Stehle, die nach der Öffnung der ebenfalls positiven B-Probe und der Anhörung vor der Disziplinarkommission des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) von der deutschen Olympia-Mannschaft ausgeschlossen wurde und die Heimreise antrat.

( dpa/sid/sei )