Sotschi

Olympia LIVE - Pechstein läuft mit angezogener Handbremse

Eisschnellläuferin Claudia Pechstein hat im 1500-Meter-Lauf bei den olympischen Winterspielen kein Selbstvertrauen tanken können. Sie erreichte nur Rang 19. Die Niederländerin Ter Mors gewinnt Gold.

Eisschnellläuferin Claudia Pechstein hat beim Warm-up für das große Finale ihrer Medaillen-Mission bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi kein Selbstvertrauen tanken können. Im 1500-m-Lauf lief die fünfmalige Olympiasiegerin, die am Mittwoch über 5000 m ihr zehntes Edelmetall und Revanche für ihre umstrittene Dopingsperre anpeilt, ein Rennen mit angezogener Handbremse und erreichte auf der von ihr ungeliebten Distanz nur Rang 19.

Olympiasiegerin wurde überraschend Multitalent Jorien ter Mors, die 3000-m-Siegerin und Topfavoritin Ireen Wüst auf den zweiten Platz verwies. Die 24-Jährige ter Mors, Fahnenträgerin der Niederlande bei der Eröffnungsfeier, ist eigentlich Shorttrackerin und hatte in Sotschi bereits zwei Rennen auf der kurzen 111-m-Bahn absolviert – ehe sie die versammelte Weltelite auf dem 400-m-Oval düpierte.

Lotte van Beek auf dem Bronzerang sorgte für die Fortsetzung der Oranje-Festspiele in der Adler Arena und machte den dritten Dreifach-Sieg der Niederlande in Sotschi perfekt.

Pechstein immerhin Beste des schwachen deutschen Trios

In 1:53,51 Minuten gab ter Mors der Konkurrenz schon im neuntletzten Paar einen olympischen Rekord, den vorher Anni Friesinger gehalten hatte, mit auf den Weg – den technisch perfekten Lauf konnte selbst Wüst (1:54,09) nicht mehr kontern. „Ich habe hier gut auf meine Technik geachtet. Mein Ziel war es, technisch sauber zu laufen, um den Abstoß gut zu machen“, analysierte ter Mors nach ihrem Traumlauf nüchtern.

Danach musste sie über eine Stunde lang warten, bis sie als Olympiasiegerin feststand. Den letzten Lauf von van Beek gegen Pechstein verfolgte sie im Innenraum bereits mit Freudentränen in den Augen.

Pechstein lief 1:59,47 Minuten und kam noch als Beste des schwachen deutschen Trios ins Ziel. Ihre Berliner Teamkollegin Monique Angermüller, die sich am Donnerstag über 1000 m erst einen Fehlstart geleistet hatte und dann stürzte, absolvierte ein enttäuschendes Rennen und erreichte in 2:00,32 Minuten den 24. Rang. Gabriele Hirschbichler (Inzell) kam in 2:01,18 Minuten nicht über den 30. Platz hinaus.

Trainingslauf unter Wettkampfbedingungen

Pechstein hatte öffentlich die Erwartungen vor dem Lauf auf ihrer schwächsten Strecke gedämpft, das Rennen am Sonntag sollte vor allem als Trainingslauf unter Wettkampfbedingungen dienen. Im letzten Duell des Tages hatte sie gegen van Beek nicht den Hauch einer Chance.

Auch ihr Lebensgefährte Matthias Große hielt sich im Vergleich zum 3000-m-Rennen, in dem Pechstein noch Vierte geworden war, merklich zurück. Gemeinsam will das Paar am Mittwoch den erhofften Triumph in seinem jahrelangen Kampf um Rehabilitation der Eisschnellläuferin feiern. Die auf Indizien beruhende Sperre, die Pechsteins Leben über den Haufen warf, soll mit der zehnten Olympia-Medaille und einigen Rekorden aus sportlicher Sicht entschädigt werden. „Jede Medaille für mich ist ein Tritt in den Hintern der ISU“, hatte Pechstein vor den Spielen in Richtung Eislauf-Weltverband gesagt, der sie einst sperrte.