Paralympics

Deutsche Radfahrer holen drei Goldmedaillen in London

Auf einem ehemaligen Formel-1-Kurs haben die beiden Deutschen sich die Goldmedaille gesichert. Auch Andrea Eskau siegte

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Die deutschen Radsportler sind mit Bravour in die paralympischen Straßenradwettbewerbe gestartet. Innerhalb von nur zehn Minuten holten Tobias Graf und Michael Teuber im Zeitfahren jeweils Gold und rollten strahlend durch den Zielbereich auf dem ehemaligen Formel-1-Kurs Brands Hatch. „In mir kocht die pure Euphorie hoch, dass sich die ganzen Jahre extrem harten Trainings vor so einem fantastischen Publikum ausgezahlt haben – solche Tage sind der Höhepunkt im Leben eines Athleten“, sagte Teuber nach seiner Goldfahrt über 16 Kilometer und schob hinterher, dass „wir hier ja nicht vier Jahre lang Medizinbälle durch die Gegend geworfen haben.“ Den Triumpf perfekt machte Andrea Eskau. Sie gewann die dritte deutsche Goldmedaille im Zeitfahren. Sie setzte sich am Mittwoch in ihrer Behindertenklasse H4 vor Landsfrau Dorothee Vieth durch.

„Je schwerer der Kurs, desto besser für mich“

Im Ziel hatte der nach einem Autounfall 1987 querschnittsgelähmte Dachauer 13 Sekunden Vorsprung auf den Briten Mark Colbourne und freute sich über den hügeligen Kurs auf der ehemaligen Formel-1-Strecke: „Je schwerer der Kurs, desto besser für mich - wäre die Strecke flacher gewesen, hätten die Bahnradfahrer vielleicht wieder abgeräumt.“

Noch am Montag hatte Teuber aus Frustration über das Klassifizierungssystem seinen Rücktritt vom Bahnradsport bekannt gegeben. „Da waren neun Fahrer, die aufgrund von besseren muskulären Voraussetzungen meine Weltrekorde pulverisiert haben“, sagte der 42-Jährige nach dem Gewinn seiner vierten paralympischen Goldmedaille – nun allerdings wieder mit dem Schicksal versöhnt.

Graf liefert sich packendes Duell mit dem Chinesen Guihua Liang

Graf, der bereits auf der Bahn Silber und Bronze abgeräumt hatte, lieferte sich in Brands Hatch ein enges Rennen mit dem Chinesen Guihua Liang, dem er am Ende fünf Sekunden abnehmen konnte. „Nach der ersten Runde habe ich einen Vorsprung von zwei Sekunden angezeigt bekommen, das hat mir den nötigen Ansporn gegeben“, sagte der 28-Jährige, dem seit einem Unfall im Alter von zehn Jahren das linke Bein fehlt.

„Ich hatte mich nach den Bahnradwettbewerben so platt gefühlt, dass ich nicht mit Gold gerechnet habe, darauf gehofft natürlich schon“, sagte Graf, der von Goldkollege Teuber die ersten Glückwünsche empfing: „Tobi hat jetzt einen kompletten Medaillensatz zusammen, ich freue mich so wahnsinnig für ihn, er hat es verdient.“