Nadja Drygalla

Ministerium wusste von Neonazi-Kontakten der Ruderin

Ruderin Nadja Drygalla ist aus dem olympischen Dorf ausgezogen. Ihr Profil auf der Website des DOSB ist gelöscht. Es bleiben viele Fragen.

Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier (CDU) hat Kontakte der Rostocker Ruderin und ehemaligen Polizeibeamtin Nadja Drygalla zu Rechtsextremisten bestätigt. Im vergangenen Jahr sei im Ministerium bekannt geworden, dass „auch Personen zum Bekanntenkreis von Nadja Drygalla gehören, die der offen agierenden rechtsextremistischen Szene zugehörig sind“, teilte der Unionspolitiker am Freitag in Schwerin mit.

„Intensive Personalgespräche“ hätten dazu geführt, dass die Athletin zum 30. September 2011 einen Antrag auf Entlassung aus dem Polizeidienst gestellt habe. In der offiziellen Mannschaftsbroschüre des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) wurde der Beruf von Drygalla noch mit Polizistin angegeben. Die Ruderin hatte am Freitag das Olympische Dorf verlassen, nachdem der Vorwurf der Bekanntschaft mit Rechtsextremisten laut geworden war.

Dem Radiosender NDR 1 Radio MV zufolge soll Drygalla mit einem Mann liiert sein, der im vergangenen Jahr in Rostock als Direktkandidat der rechtsextremen NPD zur Landtagswahl angetreten war. Er schreibe regelmäßig für ein NPD-nahes Internetportal und sei führendes Mitglied der regionalen Kameradschaft „Nationale Sozialisten Rostock“, berichtete der Sender.

Drygalla schweigt

Drygalla hat sich selbst öffentlich bislang nicht zu den Hintergründen ihrer Abreise geäußert. „Sie hat mehrfach beteuert, mit der rechten Szene nichts zu tun zu haben“, sagte der Präsident des Deutschen Ruder-Verbandes (DRV), Siegfried Kaidel, am Freitag.

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) wollte sich zu den genauen Gründen für Drygallas Abreise nicht äußern. Chef de Mission Michael Vesper hielt sich am Freitag auf einer Pressekonferenz in London bedeckt. Er hatte nach eigenen Angaben nach Bekanntwerden von Berichten am Donnerstagabend das Gespräch mit der 23-Jährigen aus Rostock gesucht, um das Thema zu klären. „Sie hat die Dinge aus ihrer Sicht geschildert. Ich habe ihr das Problem dargebracht“, sagte er.

DOSB führte langes Gespräch

DOSB-Generaldirektor Vesper hatte sich am Donnerstagabend gemeinsam mit dem DRV-Sportdirektor Mario Woldt rund eineinhalb Stunden mit Drygalla unterhalten, nachdem er Berichte über das private Umfeld der Sportlerin erhalten hatte.

„Sie hat in dem Gespräch keinen Zweifel daran gelassen, hat das auch glaubwürdig gemacht – so wie ich meine -, dass sie voll und ganz hinter den Werten der olympischen Charta steht, voll und ganz hinter den Prinzipien, die der DOSB in seiner Satzung vertritt“, sagte Vesper. Ihren freiwilligen Auszug aus dem Dorf habe er „begrüßt“.

Drygalla hat sich laut Vesper von rechtsradikalen Haltungen in ihrem Umfeld distanziert. „Ja, selbstverständlich, natürlich“, sagte der Chef de Mission auf eine entsprechende Frage.

Vesper warnte davor, voreilige Schlüsse zu ziehen. „Ich denke, dass es in Deutschland schon noch Gott sei Dank den Grundsatz gibt, dass jeder für seine eigenen Haltungen und Taten verantwortlich ist und nicht für diejenigen seines Umfelds“, meinte der ehemalige Grünen-Politiker.

Vesper wies die These entschieden zurück, dass die rechtsextreme Szene dem Leistungssport nahe gekommen sei. „Da gibt es nicht den geringsten Hinweis in diese Richtung“, sagte er.