Olympia 2012

Vater Carsten Keller ist stolz auf seine Fahnenträgerin

Olympiasieger Carsten Keller spricht mit Morgenpost Online über die Herausforderung für seine Tochter und die Freude der Familie.

Foto: DAPD

Bislang trugen vier Mal in Berlin geborene Sportler die Fahne bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele durchs Stadion, in London wird mit Natascha Keller nun der ersten Berlinerin diese große Ehre zuteil. Ihre einzigartige Familienvita – Vater Carsten, zwei Brüder (Andreas und Florian) sowie sie selbst gewannen bereits Olympiagold, Großvater Erwin brachte Silber mit nach Hause – prädestiniert die 35-Jährige aus der Kellerschen Hockeydynastie geradezu für die Aufgabe.

Morgenpost Online: Herr Keller, was sagen Sie dazu, dass ihre Tochter das deutsche Team in London beim Einmarsch anführen darf?

Carsten Keller (72): Sie hat es so verdient, das ist einfach toll für sie, dass sie die Fahne tragen darf. Auch für den Hockeysport ist es ein Aufwind. Denn man darf nicht vergessen, dass es viele andere gibt, die es ebenso verdient gehabt hätten.

Morgenpost Online: Haben Sie ein bisschen damit gerechnet, dass die Wahl auf Natascha fallen würde?

Carsten Keller: Nicht gerechnet, aber gehofft, weil sie ja schon länger im Gespräch war.

Morgenpost Online: Eigentlich war es doch an der Zeit, dass mal einem Mitglied der Keller-Familie diese Gunst gewährt wird. Oder etwa nicht? So eine Vita als Deutschlands erfolgreichste Olympiafamilie kann schließlich niemand anders aufweisen.

Carsten Keller: Ach, da will ich lieber nichts zu sagen. Wir sind stolz darauf, dass Natascha es geworden ist. Es wird für sie bestimmt ein aufregender Moment. Ich habe damals in München 1972 die Fahne bei der Abschlussfeier rausgetragen aus dem Stadion. Das fand ich auch einen bewegenden Moment.

Morgenpost Online: Dann können Sie ihr ja noch ein paar kleine Tipps geben, wie so eine Fahne am besten getragen wird.

Carsten Keller: Für den Fall, dass sie es wirklich wird, habe ich ihr vorher schon gesagt, dass die Fahne bei so einer ganzen Runde ganz schön schwer wird. Das ist nicht so einfach, die immer so schräg nach vorn zu halten. Natascha wird vorher bestimmt kurz üben.

Morgenpost Online: Titel gibt es wie Sand am Meer in ihrer Familie. Wie besonders ist da so eine Ehre noch, als Fahnenträgerin die deutsche Mannschaft anführen zu dürfen?

Carsten Keller: Wenn ich sagen würde, dass das nichts Besonders ist, dann wäre das völlig falsch. Die Fahne trägt ein Sportler doch nur ein einziges Mal. Und wer kann so was schon mal machen? So viele Fahnenträger gibt es nicht, nur alle vier Jahre sind Sommerspiele. Da muss man ganz klein, bescheiden und stolz sein. Das ist schon schön.

Morgenpost Online: Gibt es jetzt auf olympischer Ebene etwas, was ihre Familie eigentlich noch nicht erlebt hat?

Carsten Keller: An sich war alles schon dabei, aber es fehlt noch, dass Natascha jetzt eine Bronzemedaille gewinnt. Die haben wir noch nicht. Ich sage das mal ganz bescheiden, denn sich eine Goldene zu wünschen, ist ja auch immer ein bisschen vermessen.