Turmspringen statt Turnen

Raab, das Meisterschaftsfinale und Hambüchens Basta

Provinzposse um Hambüchen: Der Ex-Turnweltmeister kommt seinem Rauswurf bei der KTV Straubenhardt zuvor. Und Vater Hambüchen übt Kollegenschelte.

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Beim Weltcup kürzlich in Stuttgart stahl Marcel Nguyen dem WM-Zweiten im Mehrkampf, Philipp Boy , die Schau. Der Sonnyboy überraschte mit Rang zwei im Mehrkampf und wurde dafür mit einer Einladung nach Tokio zum Weltcupfinale belohnt.

Doch Nguyen lehnte dankend ab und bestritt am vergangenen Wochenende in Berlin lieber den Bundesliga-Endkampf um die Deutsche Meisterschaft. Mit großem Erfolg: Nguyen führte die Kunstturnvereinigung Straubenhardt zum 39:23 gegen die TG Saar und damit zum dritten Meistertitel der Vereinsgeschichte.

„Ein großartiger Sportler“, schwärmte KTV-Macher und Mäzen Horst Rapp. Es war ein überschwängliches Lob, das gleichzeitig als recht offene Kritik an Superstar Fabian Hambüchen zu verstehen war, der wie im Vorjahr auf das Finale verzichtet hatte.

Konsequenzen angedroht

Rapp, mit dessen Firma der frühere Weltmeister Hambüchen einen Sponsorenvertrag hat, sagte: „Seine Absage hat uns allen, auch seinen Mannschaftskollegen, nicht gefallen. Eine Woche zuvor hat er noch in der Schweiz geturnt. Er ist am Abend beim Turmspringen in der TV-Show von Stefan Raab aufgetreten und hat uns dann am Montag wissen lassen, dass er im Finale nicht zur Verfügung steht. Ist doch klar, dass wir verärgert sind.“

Sie waren jedenfalls so verärgert, dass sie noch beim Meisterschaftsfinale von Konsequenzen für Hambüchen sprachen. „Wir werden definitiv ohne ihn in die nächste Saison gehen. Wir wissen bei ihm nie, was er macht. Wir können uns nicht auf ihn verlassen“, polterte etwa Trainer Alexej Grigorijew.

Rapp versuchte Stunden später dann, die Wogen zu glätten. Im Laufe der Woche wolle er sich in aller Ruhe mit Hambüchen zusammensetzen und mit ihm besprechen, wie es weitergeht. Doch diese Besprechung findet nicht mehr statt.

Tischtuch zerschnitten

Am Montag erklärte der aufgebrachte Hambüchen: „Ich bin sehr enttäuscht darüber, dass ich die überraschenden Aussagen der KTV Straubenhardt über die Presse erfahren musste und werde in der kommenden Saison definitiv nicht für Straubenhardt in der Bundesliga an die Geräte gehen. Ich stehe diesbezüglich auch nicht mehr für Gespräche zur Verfügung.“ Punkt. Aus. Basta.

Seit 2004 turnte Hambüchen für Straubenhardt. „Grundlage unserer Vereinbarung war, dass ich die Starts frei wählen konnte. Es war immer allen Beteiligten klar, dass für mich der Fokus auf internationalen Wettkämpfen liegt und ich dementsprechend meine Bundesligaeinsätze plane“, sagte Hambüchen. Rapp widersprach nicht: „An sich ist das richtig. Aber wir verstehen nicht, dass er seine Prioritäten für Raab setzt und nicht für uns.“

Hambüchen erklärte es so: Nach seinem Achillessehnenriss Anfang 2011 „habe ich alles dafür gegeben, um rechtzeitig für die WM wieder fit zu werden“. Sein Arzt habe ihm dann geraten, auf das Bundesligafinale zu verzichten.

Breitseite für Nguyen

Dass er bei Raab auftrat, ist für seinen Manager Klaus Kärcher kein Kritikpunkt: „Turmspringen ist keine Belastung für die Beine.“ Und überhaupt, Hambüchen werde sich jetzt auf Olympia vorbereiten. „Er darf den Körper nicht über Gebühr beanspruchen“, sagte Kärcher noch.

Doch damit nicht genug. Auch Nationalmannschaftskollege Nguyen bekam vom Hambüchen-Lager noch eine Breitseite ab. „Ich kann aus leistungssportlicher Sicht nicht verstehen“, sagte Wolfgang Hambüchen, der Trainer seines Sohnes, „dass jemand wie Marcel Nguyen beim Ligafinale turnt und dafür nicht beim Weltcupfinale startet.“