Olympische Spiele 2012

In London würde Bolt am liebsten viermal Gold holen

In Monte Carlo wurde Usain Bolt als Welt-Leichtathlet geehrt. Der Jamaikaner erklärte 2012 zu einem "entscheidenden" Jahr – und überraschte mit einer Ankündigung.

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Fast hätte der Wahlsieger vor dem Shakehands mit dem Verbandschef frech einen Fauxpas begangen, doch im letzten Moment wurde ihm bewusst, dass auf seiner Nase ja noch diese schwarze Pilotenbrille saß. Flink nahm er sie ab, versteckte sie hinter seinem Rücken und grinste breit. Dann schüttelte der Jamaikaner Lamine Diacks Hand und nahm seine gläserne Trophäe entgegen. Wie schon 2008 und 2009 heißt der Welt-Leichtathlet des Jahres: Usain Bolt.

"Diese Auszeichnung bedeutet mir viel, weil ich eine Menge Arbeit in dieses Jahr gesteckt habe", sagte der Sprint-Weltrekordler in Monte Carlo, wo Fürst Albert von Monaco auf einer Gala alle Jahre wieder die weltbesten Leichtathleten auszeichnet. 2011 war schließlich eine irgendwie komplizierte Saison gewesen für Bolt. Von einer Rücken- und Achillessehnenverletzung genesen, schienen seine Wettkämpfe zu Saisonbeginn bisweilen ungewöhnlich angestrengt zu wirken. Und tatsächlich: "Es waren ein paar enge Rennen dabei", gibt er selber zu.

Nach dem Fehlstart-Desaster über die 100 Meter bei den Weltmeisterschaften in Daegu rettete Bolt das Jahr jedoch mit dem Titelgewinn über 200 Meter und dem neuerlichen Weltrekord mit der 4x100-Meter-Staffel . Zudem ist er letztlich doch noch die schnellste 100-Meter-Zeit des Jahres gelaufen (9,76 Sekunden).

Doch mit der Auszeichnung am Samstag und dem Scheck über 100.000 US-Dollar – genauso viel erhält die Leichtathletin des Jahres, 100-Meter-Hürdensprinterin Sally Pearson aus Australien – hakte Jamaikas Wunderläufer 2011 dann auch ab. Nach einer kurzen Auszeit, einem Urlaub in Las Vegas ("Das war lustig") und einigen Sponsorenaktivitäten ist Bolt bereits vor rund drei Wochen wieder ins Training eingestiegen – "mit höherer Intensität als sonst". Seltsamerweise hat der passionierte Faulenzer die Schinderei sogar vermisst. Behauptet Bolt zumindest selbst.

Doch kommendes Jahr warten ja auch weitaus bedeutendere Aufgaben: "Olympia in London werden die größten Spiele aller Zeiten werden, eine wichtigere Etappe gibt es für mich nicht", sagt Bolt: "Ich kenne den Wert einer olympischen Goldmedaille." Meldungen, das Jahressalär des 25-Jährigen sei auf zehn Millionen Dollar zu taxieren, nennt sein Manager Ricky Simms gleichwohl Unsinn: "Ich kommentiere das nicht." Simms versichert übrigens auch: "Usain ist ein anderer Athlet geworden." Überlegter. Reifer. Ernsthafter.

2012 werde alles in allem ein entscheidendes Jahr für ihn werden, glaubt der Dreifach-Olympiasieger von Peking 2008 und Dreifach-Weltmeister von Berlin 2009. Womöglich schon im Juni wird Bolt sein Trainingscamp in England aufschlagen. Gefahr droht ihm dabei in London ausgerechnet aus dem eigenen Lager: sein Trainingspartner Yohan Blake (21) ist Ende August in Daegu Weltmeister über 100 Meter geworden, über 200 Meter verblüffte der stiernackige Jungspund – 2009 wurde er wegen eines Dopingvergehens milde bloß für drei Monate aus dem Verkehr gezogen – die Fachwelt mit einer Siegerzeit von 19,26 Sekunden, was nur sieben Hundertstel über Bolts Weltrekordmarke liegt.

"Ich hab’ Yohan schon gesagt: Die 200 sind mein Lieblingsevent, da lasse ich niemanden ran!", juxte Bolt in Monaco. Während seine angeblichen Pläne, sich nach 2012 im Weitsprung zu versuchen, vorerst ad acta gelegt sind ("Mein Trainer hat mir verboten, darüber zu sprechen"), überraschte Bolt in Monte Carlo mit der Ankündigung, in London eventuell eine vierte Medaillenchance jagen zu wollen: "Wenn ich nicht zu müde bin und das Team mich braucht, möchte ich auch in der 4x400-Meter-Staffel starten." Der bislang letzte männliche Athlet, der vier Goldmedaillen bei Olympischen Sommerspielen gewann, war der Amerikaner Carl Lewis.

Über die eigentlich ungeliebte Stadionrunde steht Bolts persönliche Bestmarke bei 45,28 Sekunden, wiewohl sein Manager berichtete, der Schlaks sei vor zwei Jahren in einem Staffelwettbewerb bei fliegendem Start schon eine 43er-Zeit gelaufen. Der Weltrekord über 400 Meter steht übrigens bei 43,18 Sekunden. Soll keiner sagen, Usain Bolt gingen die Herausforderungen aus.