Schwimmen

Im deutschen Schwimmen tut sich wieder was

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Florian Wellbrock (23) ist als Doppel-Weltmeister der Star des deutschen Schwimmens. Doch die noch jüngere Konkurrenz lauert schon.

Florian Wellbrock (23) ist als Doppel-Weltmeister der Star des deutschen Schwimmens. Doch die noch jüngere Konkurrenz lauert schon.

Foto: Andreas Gora / dpa

Die Olympia-Qualifikation in Berlin machte Hoffnung: Im deutschen Schwimmen stimmt die Richtung wieder.

Berlin. Bernd Berkhahn fühlt sich derzeit vom Glück geküsst. Der Magdeburger Schwimmtrainer hat in Florian Wellbrock und Sarah Köhler nicht nur Deutschlands größte Olympiahoffnungen unter seinen Fittichen, sondern in Lukas Märtens und Isabel Gose auch noch die zwei begabtesten Talente. Und das Beste daran: Alle vier schwimmen auf den langen Freistilstrecken und pushen sich gegenseitig zu Höchstleistungen. Das bewies auch die Olympia-Qualifikation in Berlin am vergangenen Wochenende.

„Schön, oder?“, sagte Berkhahn lächelnd, „das sucht man auf der Welt.“ Und zwar vergeblich. So eine geballte Kraul-Weltklasse in einer Trainingsgruppe gibt es nirgends, auch nicht in den USA oder Italien. „Da steckt so viel Power drin, so viel Energie, das zieht alle mit“, sagte Berkhahn. Mehr könne er sich „als Trainer nicht wünschen“.

Florian Wellbrock und Sarah Köhler spüren den Druck

Märtens (19) und Gose (18) erhöhen den Druck auf Doppel-Weltmeister Wellbrock (23) und Vizeweltmeisterin Köhler (26). Die wiederum nehmen die Youngster „praktisch an die Hand und führen sie“, berichtete Berkhahn. Eine Win-win-Situation. Die Weltklasseathleten ziehen sich quasi ihre eigene Konkurrenz heran und machen dadurch selbst noch mal einen Schritt nach vorn.

„Das sind jetzt die jungen Wilden“, sagte Wellbrock über Märtens und Gose, die schon bei Olympia in Tokio mit realistischen Finalchancen an den Start gehen werden. Im Altersvergleich seien die Herausforderer sogar „deutlich stärker“, verriet Berkhahn: „Flo und Sarah hatten damals niemanden auf dem Niveau in ihrer Trainingsgruppe.“

Die Schwimm-Stars fördern ihre Konkurrenten sogar

Umso mehr kümmern sich die Verlobten nun um den „Nachwuchs“. „Sie nehmen sie schon als Konkurrenz wahr, aber sie fühlen sich auch dafür zuständig, die beiden mitzunehmen und an die Weltspitze heranzuführen“, berichtete Berkhahn. Andersrum dürfen sich Wellbrock und Köhler auch im Training keinen Hänger erlauben. Märtens spricht von einem „gesunden Konkurrenzverhalten“, das „uns gegenseitig stärken und pushen kann“.

Noch sei die Konkurrenzsituation „total harmonisch“, versicherte der Trainer. Interne Niederlagen würden in Energie umgewandelt: „Da wird sich mal weggeduckt und geärgert, aber die Reaktion findet dann im Becken statt.“ Bleibt nur die Frage, ob das auch so harmonisch bleibt, wenn Gose und Märtens den Top-Schwimmern vielleicht irgendwann den Rang ablaufen.

Märtens und Gose knacken in je drei Disziplinen die Olympia-Norm

Bei Märtens, der auch ein ausgezeichneter Rückenschwimmer ist, hat die Spezialisierung noch gar nicht richtig begonnen. Spätestens seit er Ende des Jahres über 400 Meter Freistil den 38 Jahre alten deutschen Jahrgangsrekord von Michael Groß unterbot, ist Märtens in aller Munde. Bei der Olympia-Qualifikation knackte er dreimal (200, 400 und 1500 Meter) die Einzel-Norm.

Das trifft auch auf Gose (200, 400 und 800 Meter) zu. Die gebürtige Berlinerin, die bei der Junioren-EM 2019 in Kasan mit fünf Goldmedaillen nach Hause kam, hat seit ihrem Wechsel nach Magdeburg noch mal einen Riesensprung gemacht. Im 400-Meter-Rennen in Berlin setzte sich Gose sogar vor Köhler durch. „Das ist okay“, sagte Köhler. Es klang ganz so, als wolle sie so schnell wie möglich zurückschlagen.

( sid )