Olympische Spiele in Tokio

Immer neue Probleme für Bach und das IOC

| Lesedauer: 4 Minuten
Der Herr der Ringe hat nicht mehr alles im Griff: IOC-Präsident Thomas Bach hat einen schweren Stand.

Der Herr der Ringe hat nicht mehr alles im Griff: IOC-Präsident Thomas Bach hat einen schweren Stand.

Foto: Denis Balibouse / dpa

Die Olympischen Spiele in Tokio sind auf 2021 verschoben. Doch damit sind längst nicht alle Probleme gelöst. Immer neue tun sich auf.

Berlin. Kaum ist ein Problem gelöst, fangen die nächsten schon an. Mit der Verschiebung der Olympischen Spiele in Tokio auf 2021 hat Thomas Bach, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), dem großen Druck von Athleten, Verbänden und Öffentlichkeit zwar nachgegeben. Doch was nun?

Es ist keine Kleinigkeit für die Sportler, den normalen olympischen Zyklus von vier Jahren, in denen auf den Leistungshöhepunkt hingearbeitet wird, mal eben um ein Jahr zu strecken. Die Wohnungen des olympischen Dorfes werden im nächsten Jahr vielleicht nicht zur Verfügung stehen, weil sie dann längst verkauft sein sollen. Schwimm- und Leichtathletik-Weltmeisterschaften, Basketball-Europameisterschaft und viele weitere Veranstaltungen kommen mit ihren festen Terminen plötzlich den Olympioniken in die Quere. Und die Kardinalfrage: Wann genau soll das größte Fest des Weltsports über die Bühne gehen?

Bach denkt an Spiele zur Kirschblütezeit

Bach hat den Sportlern schon angekündigt, dass es „keine idealen Lösungen“ geben könne. Das IOC hat zunächst eine Task Force mit dem Namen „Here we go“ (Los geht’s) eingerichtet. In ihr stecken Mitglieder der IOC-Koordinierungskommission und des Organisationskomitees Tokio 2020 die Köpfe zusammen. Bach kündigte an, es solle so schnell wie möglich eine Entscheidung geben. Doch zuvor seien Gespräche mit den 33 Sommersportverbänden geplant, vielleicht schon an diesem Donnerstag. Dabei sollen auch ungewöhnliche Vorschläge möglich sein.

Alle Nachrichten zum Coronavirus in Berlin, Deutschland und der Welt: Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Coronavirus in Berlin haben wir hier für Sie zusammengetragen. In unserem Newsblog berichten wir über die aktuellen Coronavirus-Entwicklungen in Berlin und Brandenburg. Die deutschlandweiten und internationalen Coronavirus-News können Sie hier lesen. Zudem zeigen wir in einer interaktiven Karte, wie sich das Coronavirus in Berlin, Deutschland, Europa und der Welt ausbreitet. Alle weiteren wichtigen Informationen zum Coronavirus bekommen Sie hier.

„Unsere Überlegungen sind nicht nur auf die Sommermonate beschränkt“, sagte der IOC-Präsident über das mögliche Datum. Denkbar sind demnach sogar Spiele zur Zeit der japanischen Kirschblüte im Frühling, also in genau einem Jahr. Bach rief alle Sportler in dieser schwierigen Phase zum Mitmachen auf: „Gebt uns sämtliche Informationen, die wir brauchen!“ Die Frage, ob das bereits errichtete olympische Dorf für über 11.000 Athleten auch im Jahr 2021 zu nutzen sei, reichte Bach an die neue Task Force weiter. „Ich denke, nach der Verschiebung brauchen wir jetzt Kompromisse von allen Beteiligten“, sagte der Jurist. Das olympische Dorf sei ein Teil in einem großen Puzzle, das richtig zusammengesetzt werden müsse.

Tokio hat schon 20 Milliarden Euro investiert

Die Zusatzkosten, auch für die Sportstätten, werden auf fünf bis sechs Milliarden Euro geschätzt. Schon jetzt soll Tokio nach einer Kalkulation des japanischen Rechnungshofes über 20 Milliarden Euro in das Olympia-Projekt gesteckt haben. Daher ist weiter auch die Frage pikant, ob das IOC oder Gastgeber Japan zuerst die Verlegung der Spiele gefordert hat. Nach Einschätzung des britischen Sportrechtlers John Mehrzad könnte der „Urheber“ juristisch als „vertragsbrüchig“ gelten und sich womöglich „milliardenschweren Schadenersatzforderungen“ ausgesetzt sehen. Bach sagte, dass es sich um eine einheitliche Lösung gehandelt habe.

Auch die Kritik am IOC-Präsidenten ist trotz der Lösung des ersten Problems nicht verstummt. Er sei „irritiert“, sagte Thomas Weikert, Präsident des Tischtennis-Weltverbandes ITTF, weil er und seine Kollegen bei der Hauruck-Aktion der Verlegung „nicht in die Entscheidungsfindung einbezogen wurden“. Der frühere Leichtathletik-Präsident Clemens Prokop hat Bach sogar Versagen vorgeworfen. „Letzten Endes hat sich Thomas Bach aus meiner Sicht als unfähig erwiesen, diese Krise zu meistern“, sagte Prokop.

Athleten hoffen auf mehr Mitspracherechte

Säbelfechter Max Hartung (30) sieht in der durch die Pandemie ausgelösten Krise eine Möglichkeit, die Machtverhältnisse im Weltsport neu zu ordnen. „Weil alles in Bewegung ist und alles neu gedacht wird, könnte diese Situation eine Chance sein, die olympische Bewegung zum Besseren zu verändern“, sagte der Präsident der Interessensvertretung Athleten Deutschland. Er wünscht sich, dass in allen Bereichen, in denen die Athleten betroffen sind, sie auch mitsprechen können. Auch das dürften kaum Worte sein, die Bach gut gefallen.

( diw/mit sid )