Corona-Krise

Formel E und Floorball: Gebremster Aufschwung

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Philip Häfner
Formel E 2019 in Berlin mit Lucas di Grassi auf dem Flughafen Tempelhof. Dieses Jahr könnte es sogar zwei Rennen geben.

Formel E 2019 in Berlin mit Lucas di Grassi auf dem Flughafen Tempelhof. Dieses Jahr könnte es sogar zwei Rennen geben.

Foto: Britta Pedersen / dpa

Wieso aufstrebende Sportarten wie Floorball oder die Formel E besonders unter der Absage ihrer Veranstaltungen aufgrund des Coronoavirus leiden.

Berlin. Jan Kratochvil hat in diesen Tagen auf einmal sehr viel Zeit. Eigentlich wäre er jetzt mit den letzten Vorbereitungen auf das Final Four im Floorball beschäftigt gewesen, das am Wochenende in der Max-Schmeling-Halle stattfinden sollte. Wegen des Coronavirus wurde die Veranstaltung allerdings abgesagt. „Die Entscheidung ist richtig, aber das heißt nicht, dass sie uns nicht weh tut“, sagt er.

Immerhin war das Turnier ein echtes Prestigeprojekt, mit dem die Sportart hierzulande so richtig durchstarten wollte. Es wäre das erste Mal gewesen, dass eine Floorball-Veranstaltung in einer der großen deutschen Multifunktionsarenen stattfindet. Eine Entwicklung, die sogar international mit Interesse verfolgt wurde: So sollte das Final Four erst als zweite nationale Veranstaltung sogar auf dem offiziellen Youtube-Kanal des Weltverbandes live gestreamt werden. Organisationsleiter Jan Kratochvil spricht von einem „Leuchtturmprojekt“ und von der großen Chance, um das Publikum, die Medien und Sponsoren künftig noch stärker für die aufstrebende Sportart zu begeistern.

Floorball sucht noch den Weg aus der Nische

Denn obwohl die Zahl der Spieler stetig steigt und der Sport mittlerweile an vielen Schulen zum Lehrplan gehört, ist Floorball der Schritt aus der Nische hierzulande anders als in Skandinavien bislang nicht gelungen. „Das Problem ist, dass viele es noch nicht als eigene Sportart wahrnehmen, sondern nur als Plastik-Hockey“, meint Kratochvil.

Das Final Four sollte dabei helfen, die eigene Identität zu stärken. „Das Event in der Max-Schmeling-Halle hätte uns von den anderen Sportarten abgehoben“, sagt Kratochvil. Wegen Corona ist dieser Aufschwung nun erst einmal vertagt. Dabei ist Floorball nicht die einzige aufstrebende Sportart, die besonders unter der pandemiebedingten Absage ihrer Veranstaltungen leidet. Denn während sich die etablierten Disziplinen sicher sein können, dass die Fans auch in der kommenden Saison wieder dabei sind, haben andere diesen Vertrauensvorsprung nicht. So wird so manche Sportart, die in diesem Jahr Großes vorhatte, seine Wachstumspläne womöglich revidieren müssen.

In der Formel E sind Doppelrenntage denkbar

In einer ähnlichen Lage befindet sich momentan die Formel E. Die Elektrorennserie ist aktuell unterbrochen – wann und ob die Saison wieder aufgenommen wird, ist offen. „Wir wollen versuchen, bis zum Ende dieser laufenden Saison so viele Rennen wie möglich zu fahren“, sagt der stellvertretende CEO der Serie, Alberto Longo. Auch wirtschaftlich werde die Formel E die Corona-Krise überstehen. „Wir sind ein stabiles Unternehmen, und obwohl diese Kette von Ereignissen sehr plötzlich und ohne jede Vorwarnung passiert ist, haben wir Notfallpläne für jede Situation“, so Longo.

Allerdings verwandelt sich die vermeintliche Stärke der Formel E – ihre Nähe zu den Fans durch die Austragung in Innenstädten – in diesen Tagen sozialer Distanzierung gerade zu einem Nachteil. Um die ausgefallenen Rennen nachzuholen, würden deshalb alle Optionen geprüft, sagt Longo: „Wir schließen zu diesem Zeitpunkt nichts aus.“ Doppelveranstaltungen seien demnach ebenso denkbar wie Rennen auf traditionellen Strecken oder „Geisterrennen“ ohne Publikum.

In Berlin ist am 21. Juni ein Rennen geplant. Womöglich kommt das Publikum dort nun in den Genuss eines zusätzlichen Laufes. Auch beim Floorball nimmt die Absage des Final Four wohl ein glückliches Ende. Wenige Tage nach der Absage der diesjährigen Veranstaltung ist bei den Organisatoren die Zusage des Senats für 2021 eingetroffen. In Zukunft soll das Event langfristig eine Heimat in der Hauptstadt finden. „Die Arbeit war also nicht umsonst“, meint Jan Kratochvil. Der Durchbruch für das rasante Spiel mit dem Lochball ist aus seiner Sicht nicht aufgehoben, sondern bloß verschoben. Wie so vieles in diesen Tagen.