Leichtathletik

„Wir Speerwerfer sind schon etwas Besonderes“

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Melanie Meyer
Fachsimpeln mit Bundestrainer Boris Obergföll (r.): Weltmeister Johannes Vetter (l.) und Olympiasieger Thomas Röhler (M.) sind aktuell die erfolgreichsten deutschen Speerwerfer.

Fachsimpeln mit Bundestrainer Boris Obergföll (r.): Weltmeister Johannes Vetter (l.) und Olympiasieger Thomas Röhler (M.) sind aktuell die erfolgreichsten deutschen Speerwerfer.

Foto: Michael Kappeler / picture alliance / Michael Kappeler/dpa

Für die Berliner Morgenpost analysiert Bundestrainer Boris Obergföll bei der WM Stärken und Schwächen der deutschen Speerwerfer.

Doha. Die Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Doha neigen sich dem Ende entgegen. Doch der abschließende Sonntag wird aus deutscher Sicht noch einmal besonders spannend. Neben Weitsprung-Europameisterin Malaika Mihambo ruhen die Hoffnungen vor allem auf den Speerwerfern – sofern alle Sonnabend die Qualifikation überstehen. Für sie geht es ab 18.55 Uhr (ZDF) um die Medaillen. Das Trio aus Titelverteidiger Johannes Vetter (Offenbach), Olympiasieger Thomas Röhler (Jena) und Vize-Europameister Andreas Hofmann (Mannheim) hat nicht nur Medaillen-, sondern auch Goldchancen. Julian Weber (Mainz), dem Vierten im Bunde, kann eine Überraschung gelingen. Was die Vier ausmacht, wo ihre Stärken und wo ihre Schwächen liegen, erklärt Boris Obergföll (45). Der Speerwurf-Bundestrainer über…

Andreas Hofmann: „Andi ist der schnellkräftigste, der explosivste Athlet der Gruppe. Er hat nur ein technisches Problem, das ist sein Stemmbein. Aber wenn das Problem nicht da ist, dann kann er sehr weit werfen. Er ist sehr wissbegierig, probiert auch mal etwas Neues aus.“

Johannes Vetter: „Jojo ist physisch der stärkste. Er hat große Kraftfähigkeiten und eine extreme Beweglichkeit im Schulterbereich. Seine Reserve ist immer noch die Technik. Dass er sich hinwirft, ist eine besondere Ausprägung seiner Wurftechnik. Das birgt natürlich eine gewisse Gefahr, sich auch zu verletzen. Eine Sache, die Johannes und Andreas haben, ist dass sie oft übermotiviert in den Wettkampf starten, sich sehr gut einwerfen und dann überdrehen. Hinzu kommt bei Johannes in dieser Saison ein Fußproblem mit einem freien Gelenkkörper, der das Training in der Vorbereitung auf die WM sehr erschwert hat. Dieser Gelenkkörper wird nächste Woche operativ entfernt.“

Thomas Röhler: „Thomas ist der technisch stabilste Werfer. Auch wenn er nicht so muskulös ist, ist er trotzdem sehr athletisch. Seine Stärken sind eine hohe Anlaufschnelligkeit und ein sehr gutes Stemmbein. Momentan fehlen diese Stärken leider ein wenig. Man muss aber immer vorsichtig sein: Auch wenn er gerade ein schlechteres Jahr hat, so sind seine Würfe um die 87 Meter immer noch Weltklasse. Er ist der absolute Tüftler, sehr intelligent und sehr perfektionistisch.“

Julian Weber: „Julian ist seit vielen Jahren ein Rohdiamant, eines der größten Talente, die wir haben. Er hat seine gesundheitlichen Probleme zur WM in den Griff bekommen, auch wenn er in der Physis noch zulegen könnte. Die nachträgliche WM-Nominierung nach dem Verzicht von Bernhard Seifert hat ihn natürlich zusätzlich motiviert. Er hat eine absolute Killereinstellung. Er gibt im Wettkampf immer 120 Prozent und ist jemand, der sich sehr stark fokussieren kann. Er hat eine extrem gute Wurfverzögerung – das hat er noch von seiner Zeit als Handballer. Er ist der Lucky Puncher im Team, ich traue ihm eine Überraschung zu.“

das Speerwurf-Team: „Natürlich sind es am Ende alles Individualisten. Aber der Zusammenhalt bei den Speerwerfern ist schon ein besonderer. Die Jungs verstehen sich untereinander sehr gut. Ich sage ihnen immer: Ihr müsst euch nicht liebhaben, aber ihr solltet euch unterstützen, wo es geht. Denn je erfolgreicher wir als Team sind, desto besser werden wir gefördert.“

seine eigenen Ziele: „Mein Ziel als Bundestrainer ist es, alle vier unter die besten Acht zu bringen. Das gab es in Deutschland noch nie. Natürlich wäre ich mit den Plätzen drei, sechs, sieben, acht weniger zufrieden als mit eins, zwei, drei, vier. Aber eine Medaille ist das Ziel. Nach der WM ist dann erstmal abschalten angesagt: Ich fahre am Dienstag mit meiner Familie in den Jahresurlaub, dann bin ich für niemanden zu erreichen, bevor die Vorbereitung auf die Olympischen Spiele 2020 in Tokio beginnt.“