Basketball

Aus bei der Basketball-WM: „Jeder ist daran schuld“

Dem deprimierenden Scheitern bei der WM in China folgte die Selbstkritik der deutschen Basketballer. Schröder will noch nicht aufgeben.

Schwer zu ertragen: Bundestrainer Henrik Rödl (r.) und seine Mannschaft enttäuschen in China.

Schwer zu ertragen: Bundestrainer Henrik Rödl (r.) und seine Mannschaft enttäuschen in China.

Foto: Tilo Wiedensohlervia www.imago-images.de / imago images / Camera 4

Shenzhen. Die Stimmung war schon mal besser im deutschen Basketball. Nicht verwunderlich nach dem Scheitern bei der Weltmeisterschaft in China durch die peinliche 68:70-Niederlage gegen die Dominikanische Republik. Statt Ruhm und Ehre und vielleicht sogar einer Medaille erntete die Nationalmannschaft um ihren NBA-Star Dennis Schröder herbe Kritik und bohrende Fragen nach dem Warum.

Barthel nimmt Schröder in Schutz

Bei den Antworten nahm kaum jemand ein Blatt vor den Mund. Auch nicht Schröder, der sich am Dienstag noch kommentarlos aus dem Staub gemacht hatte: „Ich nehme das in erster Linie auf mich, ich bin ja der Leader der Mannschaft. Da habe ich gar kein Problem mit.“ Er nahm aber die Kollegen in die Pflicht: „Natürlich ist jeder daran Schuld. Bei uns hat jeder mit sich selbst gekämpft. Die Gegner hatten mehr Energie.“ Er ging mit Blick auf den siegreichen Kontrahenten noch weiter: „Ihre Bank habe ich gesehen, die waren immer happy füreinander, wir haben das leider nicht so getan.“

Der 25-Jährige von den Oklahoma City Thunder war ebenso ernüchtert vom mangelnden Zusammenhalt und dem ausbleibenden Erfolg wie der Rest des Teams. „Wir haben uns alle zu sehr auf die Qualität von Dennis verlassen, wir haben ihm zu viel auf die Schultern gepackt“, sagte Danilo Barthel von Bayern München, „wir hätten ihn durch den ein oder anderen Spieler, der auf dem höchsten Niveau spielt, entlasten können.“ Er sah eine fatale kollektive Einstellung. Das Gefühl des hundertprozentigen Willens sei nie aufgekommen. „Ich glaube, dass jetzt eine Reaktion kommen muss.“

Noch ist die Olympia-Chance da

Es ist höchste Zeit. Zunächst in den verbleibenden Spielen bei der WM. Am Donnerstag (10.30 Uhr, Magentasport) geht es zunächst im letzten Vorrundenspiel gegen die drittklassigen Jordanier, am Sonnabend und Montag gegen Senegal und Kanada. „Ich glaube, dass das Gegner sind, die wir alle schlagen können“, sagte Bundestrainer Henrik Rödl. Die Mannschaft müsse sich „zusammenreißen, damit sie eine Chance auf den nächsten Sommer hat. Olympia ist ja eine Riesensache, für alle.“

Drei Siege würden die Wahrscheinlichkeit deutlich erhöhen, doch noch ein Ticket zu einem Qualifikationsturnier für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio zu ergattern. Sie sind das nächste Ziel der Deutschen. Auch Schröders, der nicht ans Aufgeben denkt. „Ich werde jetzt nicht, weil wir noch kein erfolgreiches Turnier gespielt haben, sagen, dass ich nicht mehr dabei bin. Dafür bin ich ein zu großer Kämpfer“, antwortete er auf die Frage zu seiner Zukunft. Das Team könne viel erreichen. „Aber da müssen natürlich auch alle mitziehen, solange alle mitziehen, bin ich auch dabei.“

Mit der EM 2021 wartet danach noch ein weiteres großes Ziel. Bis dahin läuft Rödls Vertrag, der nicht gefährdet erscheint, falls seine Mannschaft nicht weiter verliert. Die EM-Teilnahme auch nicht: Als Gastgeber ist Deutschland automatisch qualifiziert.