Leichtathletik

Weltrekordlerin Gesa Krause: „Ich bin noch nicht satt“

Nach ihren Rekordläufen in Zürich und beim Istaf will Gesa Felicitas Krause auch bei der WM in Doha etwas Besonderes schaffen.

Der erste Weltrekord ihrer Karriere: Gesa Felicitas Krause überwindet das letzte Mal den Wassergraben bei ihrer Bestzeit im 2000-Meter-Hindernislauf in Berlin.

Der erste Weltrekord ihrer Karriere: Gesa Felicitas Krause überwindet das letzte Mal den Wassergraben bei ihrer Bestzeit im 2000-Meter-Hindernislauf in Berlin.

Foto: Fotostand / Fusswinkel / picture alliance / Fotostand

Berlin. Wenn sie erzählt, wie viel Energie und Ausdauer sie investiert, welche Strapazen sie auf sich genommen hat, um jetzt gegen Ende einer langen Leichtathletik-Saison in so überragender Form zu sein, wird der Respekt immer größer vor dieser zierlichen, jungen Frau. Seit Oktober vergangenen Jahres gab es keinen Tag, an dem Gesa Felicitas Krause nicht trainiert hätte. Im November 2018 reiste sie für einen Monat nach Kenia, im Januar darauf für weitere vier Wochen nach Südafrika. Wieder dorthin im März, Ende des Monats nach Miami und Flagstaff in den USA, wo sie bis Mitte Mai ackerte.

Rekord in Zürich, Rekord beim Istaf

Nach einigen Wettkämpfen verbrachte sie den kompletten Juli in der Schweizer Höhenluft. So ging es immer weiter, bis sie am vergangenen Donnerstag in Zürich in 9:07,51 Minuten ihren eigenen deutschen Rekord über 3000 Meter Hindernis verbesserte. Und bis sie schließlich am Sonntag beim Istaf im Berliner Olympiastadion über die selten gelaufenen 2000 Meter Hindernis in 5:52,80 eine Weltbestzeit aufstellte.

Die 27-Jährige lächelt. „Das klingt nach mehr Entbehrung, als es ist“, sagt sie, „weil ich Freude habe an dem, was ich tue. Ich bin nur einmal jung und in der Lage, so schnell zu laufen.“ Natürlich sei ihr Leben „krass, weil es ja bis zu den Olympischen Spielen in Tokio nächstes Jahr so weitergeht“. Sorgen müsse man sich trotzdem nicht machen, dass jetzt die Luft raus sei. „Das Highlight kommt noch. Ja, es kitzelt, ich bin noch nicht satt.“

2015 holte Krause im Sprint WM-Bronze

Am 27. September beginnen die Weltmeisterschaften in der katarischen Hauptstadt Doha. Ihr Endlauf findet schon am 30. September statt. Krause reist jetzt zurück in die Schweiz, nach Davos, um sich in Ruhe vorzubereiten. Die Rehabank und ein Koffer von ihr stehen noch dort vom letzten Besuch. „An die WM denke ich jeden Tag“, sagt sie. Es werde „superschwer, dort eine Medaille zu gewinnen. Aber es ist nicht falsch, davon zu träumen. Ich werde darum kämpfen.“

Wie immer. Wenn sie in der Spitzengruppe bleibt, kann sie im Endspurt alles erreichen. So wie 2015 in Peking, als sie im Sprint sensationell WM-Bronze gewann und gefeiert wurde. Das wurde sie auch im unglücklichsten Moment ihrer Karriere zwei Jahre später in London, als sie über eine stolpernde Konkurrentin stürzte, hoffnungslos zurückfiel, aber als Neunte im Ziel der Gegnerin keinen Vorwurf machte, sondern mit Tränen in den Augen sagte: „Das ist der Sport.“

Nur eine Kenianerin lief 2019 unter neun Minuten

London ist längst abgehakt, „das war es schon, als ich eine Woche später beim Istaf deutschen Rekord gelaufen bin“, wie sie sagt. Krause setzte sich gleich neue Ziele. „Ich fahre mit Freude zur WM, weil ich beweisen will, wie hart wir gearbeitet haben. Dafür wollen wir uns belohnen.“ Wir, das sind sie und ihr Trainer Wolfgang Heinig, der sie seit 2008 betreut. Die zweimalige Europameisterin kennt die Jahresbestenliste natürlich, in der sieben Läuferinnen vor ihr liegen, allein fünf Kenianerinnen und die Titelverteidigerin Emma Coburn aus den USA. Die Kenianerin Beatrice Chepkoech ist in diesem Sommer fünf Mal schneller gerannt als sie bei ihrem deutschen Rekord. Und in 8:55,58 die einzige, die unter der magischen Neun-Minuten-Grenze blieb.

Ob sie dort auch hinkommt, unter diese Schallmauer? Krause ist ihr Jahr für Jahr näher gekommen. „Das ist ein Traum von mir“, gibt sie zu. „Es muss ein Tag sein, an dem alles stimmt, das Selbstvertrauen, die Form, die Atmosphäre, das Publikum, das Wetter.“ So ein Tag wie Sonntag, als sie von 40.000 Leichtathletik-Fans beim Istaf förmlich zum Rekord getrieben wurde. „Ein solches Erlebnis“, sagt sie, „lässt mich von innen strahlen. Diese Euphorie nehme ich mit nach Doha.“ Wer redet schon von Strapazen?