Kanu

Kanu-WM: Brendels Siegesserie reißt

Olympiasieger Sebastian Brendel ging bei der Kanu-WM in Ungarn leer aus. Dennoch holten die deutschen Boote zweimal Gold.

Erfolgreiches Duo: Der 36-jährige Max Hoff (sitzend) und der 20 Jahre alte Berliner Jacob Schopf sind Weltmeister im Zweier-Kajak über 1000 Meter.

Erfolgreiches Duo: Der 36-jährige Max Hoff (sitzend) und der 20 Jahre alte Berliner Jacob Schopf sind Weltmeister im Zweier-Kajak über 1000 Meter.

Foto: Tamas Kovacs / dpa

Szeged. Sebastian Brendel verließen auf den letzten Metern die Kräfte. Der dreimalige Kanu-Olympiasieger hat seinen fünften WM-Titel in Serie auf seiner Paradestrecke im Canadier-Einer über 1000 Meter in Ungarn verpasst. Der 31-jährige Potsdamer musste sich bei der WM in Szeged trotz seiner Führung zur Hälfte des Rennens mit Platz vier trösten. Den Sieg sicherte sich der Brasilianer Isaquias Queiros dos Santos vor dem Polen Tomasz Kaczor und dem Franzosen Adrien Bart. Damit ist Brendels unglaubliche Siegesserie nach fünf Jahren gerissen.

Am Ende fehlt Brendel die Kraft

Bis zur Halbzeitmarke hatte er auch auf der doppelten Distanz geführt, nachdem der Chinese Pengfei Zheng zunächst einen Blitzstart hingelegt hatte. Doch dann konnte der Potsdamer nicht mehr kontern, weil „ich am Anfang zu viel investiert hatte. Die Enttäuschung ist riesengroß, ich hatte mir auf jeden Fall eine Medaille vorgenommen“, sagte Brendel und fügte mit Blick auf Olympia an: „Die Quote für Tokio ist gesichert. Jetzt muss ich konsequent weiterarbeiten.“ Vielleicht hätte er auf den Start über die nichtolympischen 500 Meter verzichten sollen, wo er allerdings Gold gewann.

Zurück auf Erfolgskurs ist das Flaggschiff des Deutschen Kanu-Verbandes. Auf das Quartett Max Rendschmidt, Ronald Rauhe, Tom Liebscher und Max Lemke war wieder Verlass. Mit Gold vor Spanien und der Slowakei untermauerte die Crew ihre Favoritenstellung für Tokio 2020. „Köszönöm Szeged“, bedankte sich der gebürtige Berliner Rauhe (37) mit Tränen in den Augen und betonte: „Es hat super funktioniert bei uns im Boot.“ Er feierte bei seiner letzten WM-Teilnahme seinen insgesamt 16. WM-Titel seit 1999. Tokio soll der goldene Schlusspunkt werden.

Schopf jubelt über Gold mit seinem „Daddy“

Ganz stark präsentierte sich der neu formierte Kajak-Zweier mit dem routinierten Max Hoff (Essen/36) und Youngster Jacob Schopf (Berlin/20) über die 1000 Meter. Mit einem Start-Ziel-Sieg und einer Bootslänge Vorsprung gewann das Duo vor den Spaniern Francisco Cubelos/Inigo Pena und den Franzosen Cyrille Carre/Etienne Hubert. „Jacob hat einen fantastischen Job gemacht, er hat mich super rausgeschoben. Wir verstehen uns nicht nur so gut, sondern harmonieren auch im Boot bestens.“ Hoff war bereits vor einem Jahr Weltmeister im Zweier geworden, damals an der Seite von Marcus Groß. Wegen des großen Altersunterschieds hat der Deutsche Kanu-Verband (DKV) den Zweier „Generationenboot“ getauft, Schopf nennt Hoff mit einem Augenzwinkern seinen „Daddy“.

Einen weiteren Berliner Erfolg gab es im nichtolympischen Canadier-Vierer über 500 Meter. Mit dem Potsdamer Schlagmann Jan Vandrey holten die Berliner Conrad Scheibner, Tim Hecker und Moritz Adam hinter Russland die Silbermedaille.

Verband mit 15 Olympia-Quotenplätzen zufrieden

Beim Kampf um die olympischen Quotenplätze sind indes nicht alle Wünsche in Erfüllung gegangen. Der hoch eingeschätzte Canadier-Zweier mit dem Magdeburger Yul Oeltze und dem Leipziger Peter Kretschmer verpasste den erhofften WM-Hattrick. Wenigstens der Quotenplatz für Tokio ist fix. „Nun müssen wir nächstes Jahr unsere Chance suchen. Die Chinesen waren in diesem Jahr saustark“, meinte Kretschmer.

„Das war eine ordentliche WM mit noch Luft nach oben. Unser Primärziel haben wir mit den 15 Quotenplätzen fast erreicht. Bis Tokio bleibt noch einiges zu tun, aber wir können optimistisch sein, dass wir da auch unsere Medaillen holen werden“, sagte DKV-Präsident Thomas Konietzko.