Sieg in den Niederlanden

DFB-Elf wieder auf der Überholspur

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ist wieder im Aufwind. Sie gewann das EM-Qualifikationsspiel in den Niederlanden 3:2.

Nico Schulz (r.) jubelt: Der gebürtige Berliner erzielte den Siegtreffer in der 90. Minute.

Nico Schulz (r.) jubelt: Der gebürtige Berliner erzielte den Siegtreffer in der 90. Minute.

Foto: Peter Dejong / dpa

Amsterdam. Am Ende jubelte die junge deutsche Mannschaft doch noch, die Spieler fielen sich glücklich in die Arme. Nico Schulz beförderte den Ball in der 90. Minute nach einer starken Vorarbeit des eingewechselten Marco Reus in das gegnerische Tornetz. So endete die Partie gegen die Niederlande 3:2 (2:0) für die DFB-Elf. Dieser Erfolg im ersten EM-Qualifikationsspiel wird der Truppe von Bundestrainer Joachim Löw einen Schub geben. Nach der bitteren 0:3-Niederlage im Oktober 2018 zeigte sich Löws Elf verbessert, aber auch anfällig.

Erneuerungsprozess hat gerade erst begonnen

An diesem besonderen Ort, der Johan-Cruyff-Arena in Amsterdam, erwarteten vor 54.990 Zuschauern viele nicht weniger als eine Standortbestimmung. Auf der einen Seite die Oranje-Elf, längst runderneuert und wiedererstarkt. Auf der anderen Seite die deutsche Mannschaft, die den wirklichen Erneuerungsprozess gerade begonnen hat und erst noch nachweisen muss, dass sie Begeisterung entfachen kann.

Die Antwort? Sie kann. Aber sie muss auch noch viel lernen. Denn am Ende schaffte es Deutschland nur eine Halbzeit lang, wirklich zu brillieren, verspielte eine deutlich erscheinende Führung. Weil die Profis es nicht schafften, entscheidend dagegenzuhalten. In der ersten Hälfte stellten Leroy Sané und Serge Gnabry die Holländer immer wieder vor große Probleme. Sie rannten, wirbelten, kombinierten. Auch weil Löw ihnen viele Freiheiten ließ. Sané und Gnabry bildeten gemeinsam mit Leon Goretzka eine Art Dreierkette im Sturm, wobei jeder von den Dreien mal links, mal rechts, mal im Mittelfeld auftauchte.

Defensive Dreierkette wackelt zu häufig

Die defensive Dreierkette mit Matthias Ginter, Niklas Süle und Antonio Rüdiger wackelte allerdings im Verlauf der Partie immer häufiger. Auch Joshua Kimmich schaffte es im Zentrum nicht, die Holländer zu bremsen. Kapitän Manuel Neuer und Toni Kroos, die beiden letzten verbliebenen Helden, die im triumphalen WM-Finale 2014 auf dem Rasen standen, konnten nicht immer die nötige Stabilität verleihen.

Allerdings versuchten Löws Emporkömmlinge schon, mehr Verantwortung zu übernehmen. Der gebürtige Berliner Schulz (6.), der von 2000 zunächst in der Jugend, später bei den Profis bis 2015 für Hertha BSC spielte, grätschte beherzt. Süle wuchtete sich in den Kopfball (15.). Joshua Kimmich klatschte mehrfach in die Hände, ermahnte und ermunterte seine Mitspieler.

Kroos zeigt seine Klasse beim 1:0

Die DFB-Elf zeigte sich anfangs unbeeindruckt vom Hexenkessel in Amsterdam. Auch wenn die Niederländer alles taten, um die Elf zu verunsichern. Die Anhänger pfiffen schon bei der Nationalhymne. Die Profis versuchten, bereits früh zu attackieren. Doch die deutsche Mannschaft befreite sich immer wieder mit schnellem Passspiel aus dem Pressing.

Dann bewies Toni Kroos, dass er noch lange kein Stehgeiger ist, als den ihn die spanischen Medien zuletzt verunglimpft hatten. Der 29-Jährige schickte Schulz in den freien Raum auf der linken Seite. Der nutzte sein Tempo, behielt zudem die Übersicht und passte in die Mitte auf Sané. Matthijs de Ligt rutschte weg, Sané behauptete den Ball und beförderte diesen überlegt in die rechte Ecke (15.).

Neuer rettet zweimal gegen Babel

Deutschland hatte aber auch Glück. Weil sich ein Privatduell zwischen Ryan Babel und Manuel Neuer abspielte. Erst versuchte es der niederländische Stürmer mit einem Schuss in die rechte Ecke (25.). Neuer parierte stark. Dann köpfte Babel aus kurzer Entfernung aufs Tor, wieder bekam Neuer die Hände dazwischen (27.). In dieser Phase hätte die Partie kippen können.

Doch in dem Moment, in dem auch die Fans wieder lauter wurden, ließ Gnabry die Niederländer verstummen. Offenbar hat er sich beim FC Bayern die ein oder andere Finte von Arjen Robben und Franck Ribéry abgeschaut. Jedenfalls dribbelte er wie die beiden Altstars von Außen ins Zentrum, um den Ball dann in den rechten Winkel zu schlenzen.

In der zweiten Hälfte drückt Holland

Herausragend. Allerdings bot sich in der zweiten Hälfte ein ganz anderes Bild. Matthijs de Ligt (48.) und Memphis Depay (63.) erzielten im Dauerdruck der Holländer das 2:2. Das Stadion brodelte, der Siegtreffer für die Gastgeber schien nur eine Frage der Zeit. Bis Schulz eine glänzende Kombination über Ilkay Gündogan und Marco Reus zum 3:2 abschloss.