Tennis

Sabine Lisicki ignoriert ihre Bilanz des Grauens

Schlechte Ergebnisse, mangelnde Fitness, aber kein Umdenken: Sabine Lisicki will sich nicht anders als bisher auf Turniere vorbereiten. Mehr Spaß am Tennis soll reichen, glaubt sie.

Foto: Francois Nel / Getty Images

Sabine Lisicki ist ein fröhlicher Mensch und lacht gern. Es muss also viel passiert sein, wenn sich die Berlinerin in Sarkasmus flüchtet. Während ihrer Pleite gegen die Serbin Ana Ivanovic (0:6, 3:6) beim Turnier in Dubai geschah genau dies. Lisicki saß bei einem Seitenwechsel auf der Bank und konnte ob ihrer Vorstellung nur noch höhnisch lächeln. Dabei dürfte der 25-Jährigen zum Heulen zumute gewesen sein. 13 Doppelfehler in acht Aufschlagspielen, kein Ass, nur 27 Prozent Erfolgsquote bei ihrem zweiten Service: Eine Bilanz des Grauens für die Aufschlag-Weltrekordlerin (211 km/h), deren Dauerkrise bedenkliche Formen annimmt.

Zum Sorgenkind geworden

Von ihren fünf Einzeln 2015 hat Lisicki vier verloren. Aus der Hoffnungsträgerin ist ein Sorgenkind geworden. Und etliche Experten lästern über den offenbar unzureichenden Fitnesszustand der Wimbledon-Finalistin von 2013. Davon will die Nummer 28 der Welt aber nichts wissen. „Meine Lockerheit auf dem Platz muss einfach zurückkommen“, sagt sie nach jeder neuen Enttäuschung fast trotzig. Und: „Ich muss den Spaß wiederfinden. Die Freude am Tennis muss in den Mittelpunkt rücken.“

Das wird nicht reichen, um zurück in die Nähe der Top Ten zu kommen. Während ihre Fed-Cup-Kolleginnen Andrea Petkovic (Darmstadt/Nr. 10) und Angelique Kerber (Kiel/Nr. 12) in der Off-Season mit eigenem Fitnesscoach trainierten, scheint Lisicki die physische Komponente zu unterschätzen. Dabei ist der Teufelskreis programmiert: nicht fit, zu spät am Ball, schlechter Schlag, Fehler, Niederlage, kein Selbstvertrauen. „Ich denke, sie bräuchte einen Schleifer vom Typ Felix Magath. Einen, der keine Ausreden duldet“, hat Ex-Profi Nicolas Kiefer gesagt. Fed-Cup-Teamchefin Barbara Rittner ist der Meinung, „dass Sabine eine harte Führung braucht“.

Ein Schleifer ist ihr Trainer Christopher Kas sicher nicht

Das Thema Lisicki und ihre Trainer ist ein schwieriges. Mit sieben Coaches hat die Bollettieri-Schülerin in den vergangenen zwei Jahren zusammengearbeitet – darunter mit Martina Hingis und Wim Fissette, der nach der Weltranglistenvierten Simona Halep (Rumänien) nun seit ein paar Tagen die zweimalige Melbourne-Siegerin Wiktoria Asarenka (Weißrussland) coacht. Derzeit versucht Christopher Kas sein Glück. „Wir haben uns seit Olympia super verstanden“, sagt die Wahl-Amerikanerin mit Wohnsitz Florida. Zusammen hatte das Duo in London 2012 die Bronzemedaille im Mixed nur knapp verpasst. Der frühere Davis-Cup-Spieler Kas gilt allerdings als freundlicher Zeitgenosse – ein Schleifer ist er eher nicht.