Australian Open

Sabine Lisickis Neuer ist ein alter Bekannter

Trainer Christopher Kas soll der Tennisspielerin aus Berlin künftig zu mehr Erfolg verhelfen. Dass die beiden gut harmonieren, haben sie schon bei den Olympischen Spielen 2012 in London gezeigt.

Foto: Andy Rain / pa/dpa

In den vergangenen Tagen war Christopher Kas gelegentlich auf Twitter und Facebook aktiv. Der 34-jährige Doppelspezialist, lange Jahre auch Mitglied des deutschen Davis-Cup-Teams, sendete vom anderen Ende der Welt allerlei Schnappschüsse und sportliche Wasserstandsmeldungen – allerdings ging es dabei nicht mehr um ihn selbst als Profispieler, sondern eher um den Neu-Trainer Kas.

Nach dem überraschenden Doppeltitel von Sabine Lisicki und Martina Hingis in Brisbane, gleich zum Saisonstart, schickte Kas ein Gruppen-Selfie in den virtuellen Kosmos, versehen mit der Zeile: „Es war eine große Freude, Euch gecoacht zu haben.“ Auf dem Bildchen war auch Lisickis Lebensgefährte Oliver Pocher zu sehen.

Lisicki und Kas gehen ab Montag auch gemeinsam die Australian Open an, dort betreut der Oberbayer mit Wohnsitz im deutschen Westen jetzt die Wimbledon-Finalistin des Jahres 2013. Was aber läuft da nun genau zwischen den beiden Professionals, die 2012 in London beim olympischen Mixed-Turnier als Zufallsduo an den Start gingen und schließlich äußerst unglücklich zunächst das Goldmedaillenspiel verpassten und dann auch noch im Bronzematch den Amerikanern Bryan/Raymond unterlagen? Kas hüllt sich genau wie Lisicki offiziell noch in Schweigen, will sich erst nach dem Auftaktmatch von Lisicki in Melbourne am Montag dazu äußern.

Eltern ziehen sich von der Betreuung zurück

Doch der zweifache Familienvater ist zweifellos mehr als nur einer jener unverbindlichen Testkandidaten, die Lisicki im vergangenen Herbst auf der Suche nach neuem Personal einsetzte – dazu hatte auch mal der frühere Weltklassespieler Mark-Kevin Goellner als Teilzeitcoach gehört. Nach einem Pressebericht aus Kas’ bayrischer Heimat soll der Mixedpartner von einst einen Fulltime-Job bei Lisicki übernehmen, 42 Wochen im Jahr als Trainer arbeiten.

Ausgehandelt worden sei der Deal im vergangenen Herbst in Wien auch im Beisein von Lisickis Eltern Richard und Elisabeth, die angekündigt hätten, sich von der Betreuung der Tochter zurückzuziehen. In Wien hatte Kas seine eigene Doppelkarriere beendet.

Gemeinsam sollen sich Kas und Lisicki im Dezember in den USA schon auf die neue Saison vorbereitet haben. Die Zeitung sei da „wohl ein wenig übers Ziel hinausgeschossen“, sagt Kas dazu, wobei es konkret wohl eher darum geht, wer als Erster die eigentliche Meldung an die Medien lancieren soll und darf. Das wäre, wohl auch im Verständnis von Kas, seine mögliche oder tatsächliche Arbeitgeberin, Sabine Lisicki eben.

Gemütsbayer mit ansteckender Fröhlichkeit

Kas, soviel ist auch klar, wäre eine ziemlich gute Wahl für Lisicki. Schließlich hatten sich die beiden Profis in London, im Zeichen der Ringe, und weit darüber hinaus stets prächtig verstanden, auch wegen der unkomplizierten Art und der ansteckenden Fröhlichkeit des Gemütsbayern. Anders als Lisicki bisher gilt Kas als einer, der aus seinen spielerischen Möglichkeiten stets das Maximale herauszuholen verstand und sich auch mit wechselnden Gegebenheiten und Doppelpartnern bestens arrangierte.

Beim gemeinsamen Start in London hatte Kas abschließend trotz aller akuten Enttäuschung bilanziert, er habe noch niemals auf dem Platz „mit jemandem so harmoniert wie mit Sabine“.

Dass sich daran im Idealfall nicht viel geändert hat, können die beiden potenziell Verbündeten nun nachweisen. In der Nacht zum Montag trifft Lisicki bereits bei den Australian Open auf die Französin Kristina Mladenovic und strebt nach den beiden Einzel-Startniederlagen in Brisbane und Sydney nun endlich den ersten Saisonerfolg als Einzelkämpferin an.