Boxen

Sturm oder Stieglitz - Es kann nur einen geben

Mittelgewichtler Felix Sturm und Super-Mittelgewichtler Robert Stieglitz kämpfen in Stuttgart um ein Duell mit Weltmeister Abraham und setzen dabei ihre Karrieren als Profiboxer aufs Spiel.

Foto: Sebastian Kahnert / dpa/Kahnert

Die Nachricht, es gebe den Kampf zwischen Mittelgewichtler Felix Sturm, 35, und Super-Mittelgewichtler Robert Stieglitz, 33, war ein gute. Zwei ehemalige Box-Weltmeister aus unterschiedlichen Gewichtsklassen im Ring, das zeugte von lange entbehrter Flexibilität. Vorbehaltlich beide Parteien einigen sich auf ein Doping-Kontroll-Prozedere, das Stieglitz-Manager Ulf Steinforth ultimativ fordert.

Ein bisschen suspekt wurde die Sache, als gleichzeitig verkündet wurde, der Sieger des Duells vom Sonnabend (22.30 Uhr, Sat.1) in Stuttgart sei der offizielle Herausforderer von Arthur Abraham. Der 34 Jahre alte Berliner hält den Titel des Weltverbands World Boxing Organization (WBO) und hat bereits dreimal (zwei Siege, eine Niederlage) gegen den Magdeburger Stieglitz geboxt. Wer bitte braucht da Kampf Nummer vier?

Bloß keinen Verhandlungsstress

Die Erklärung ist vergleichsweise simpel. Es gibt zu wenig Klasseboxer für die vier existierenden großen Weltboxverbände. Neben der WBO noch die IBF (International Boxing Federation), WBA (World Boxing Association) und WBC (World Boxing Council). Und es gibt bei Veranstaltern und Weltverbänden die nachvollziehbare Neigung, mit wenig Reibungsverlusten durch Verhandlungen gutes Geld zu verdienen. Abraham gegen Stieglitz ist so ein Selbstläufer. Bei einem geschätzten Brutto-Börsenvolumen von 700.000 Euro für beide Kämpfer ist die WBO, die seit Jahren stressfrei mit Abrahams Arbeitgeber Team Sauerland zusammenarbeitet, mit Genehmigungsgebühren im Bereich von 40.000 Euro beteiligt. Warum die Kuh also nicht – ganz legal, aber sportlich grenzwertig – weiter melken? Käme nach Abraham/Stieglitz IV noch Abraham/Stiegliz V?

Die aufgestellten Weltranglisten, das gilt für alle vier Verbände, sind eher Spielerei. Zwar sollte ein Herausforderer sich unter den 15 am besten eingestuften Athleten befinden, aber jemanden in diese Position zu hieven, scheint ein Kinderspiel. Der 19-jährige Sauerland-Nachwuchsmann Vincent Feigenbutz ist, ohne auch nur annähernd einen überdurchschnittlichen Gegner gehabt zu haben, bei der WBO auf Platz acht gelistet. Ein Schelm, der Böses dabei denkt.

Einen Dauerbrenner wie Abraham/Stieglitz gab es zwischen dem Sauerland-Team und der WBO auch mit den drei Cruisergewichts-Duellen (zwei Siege, ein Unentschieden) von Weltmeister Marco Huck, 29, und dem fünf Jahre älteren Briten Ola Afolabi. Dass es bei anderen Konstellationen (Veranstalter/Weltverband) für den Unterlegenen in einem WM-Kampf auf die Forderung nach einer Revanche in der Regel ein „Warum sollen wir gegen einen Boxer boxen, der verloren hat“ als Antwort gibt, steht außer Frage.

Hoffen auf das „Traumduell“

So wird es den einen oder anderen Boxfan geben, der Felix Sturm die Daumen drückt. Als Gewinner würde der Kölner vermutlich in einem Nicht-Titelkampf auf Abraham treffen, eventuell erst in der zweiten Jahreshälfte 2015, aber das so oft herbeigesehnte „Traumduell“ wäre perfekt. Sturm als viermaligen Weltmeister mit Blick auf eine WM in eine passende WBO-Ranglistenposition im Super-Mittelgewicht zu bringen, wäre sogar sportlich nachvollziehbar.

Unabhängig davon winkt dem Sieger von Stuttgart also die Auseinandersetzung mit Abraham. Dessen Manager Kalle Sauerland würde das Ganze am liebsten „im Freien, in einem Stadion“ veranstalten. Zuvor muss sich der Berliner, nach einem Beschluss der WBO-Convention im Oktober in Las Vegas, noch einmal dem Briten Paul Smith stellen, den er im September in Kiel glatt bezwungen hatte. Sportlich gibt es dafür keinen Grund, und doch wird es eine reibungslose Veranstaltung geben.

Die Chancen zwischen Stieglitz und Sturm stehen nach Einschätzung Sauerlands bei „50:50“. Arthur Abraham ist mit Blick auf seinen Kontostand pragmatisch: „Erst boxe ich gegen den Sieger, dann gegen den Verlierer“. Die Prognosen der Kontrahenten überraschen auch nicht. Für Stieglitz ist Sturm „vor einigen Jahren stärker und explosiver“ gewesen. „Er ist nicht mehr so gut drauf.“ Der kontert: „Wenn man im Ring ist, hat sich das ganze Gerede erledigt.“ Für den Verlierer wird es schwer werden, die eigene Karriere fortzusetzen. Daraus resultiert eine enorme Spannung. Das ist auch eine gute Nachricht.