Tennis

Berlinerin Sabine Lisicki feiert Final-Sieg in Hongkong

2013 erreichte Sabine Lisicki das Wimbledon-Finale, nun feiert sie den vierten Turniersieg ihrer Karriere. In Hongkong gewann sie gegen die Tschechin Karolina Pliskova mit 7:5, 6:3.

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Als ihre deutschen Kolleginnen bei den US Open zuletzt die große Jammerarie über die Schrecklichkeiten der herbstlichen Asien-Tournee anstimmten, da verweigerte Sabine Lisicki schlichtweg die Teilnahme an diesem düsteren Chorgesang. Schon damals in New York begriff die wieder aufwärts strebende Berlinerin den Saisonabschnitt im Fernen Osten als große persönliche Chance, als potenzielle Werbebühne für die Rückkehr ins Fedcup-Team. Und auch als ideale Plattform, um der neuen Liaison mit dem französischen Coach Guillaume Peyre „kräftig Rückenwind zu geben: Ich will 2014 mit einem schönen Gefühl beenden“, kündigte Lisicki optimistisch an, „dafür gebe ich noch mal richtig Gas.“

Wildcard auf den letzten Drücker

Gesagt, getan: Bei den Hongkong Open meldete sich die 24-jährige Deutsche nach dem Grand-Slam-Gastspiel in den USA, das für sie in der dritten Runde beendet war, auf den allerletzten Drücker an. Sie erhielt vom Veranstalter dank Promi-Bonus eine Wildcard – und strahlte schließlich am Sonntag als äußerst glückliche Pokalbesitzerin in die Kameras. „Wirklich drei Tage vor Turnierbeginn“, habe sie sich entschieden, die Wildcard für Hongkong anzunehmen: „Und es hat sich gelohnt.“

Drei lange Jahre nach ihrem letzten Titelcoup in Dallas/Texas war der willensstark herausgespielte 7:5, 6:3-Sieg über die Tschechin Karolina Pliskova von besonderem Gewicht für die Aufschlag-Weltrekordlerin, die in einer hartnäckig anhaltenden Schaffensperiode der Enttäuschungen und Entbehrungen zwischenzeitlich jegliches Selbstbewusstsein verloren hatte. „Es ist ein unbeschreiblich schöner Moment jetzt“, sagte Sabine Lisicki am Ende ihrer souveränen Erfolgsmission in Hongkong, „ich spüre, dass ich wieder auf dem richtigen Weg bin.“ Lisicki rückte damit auch wieder bis auf Platz 24 der Weltrangliste vor, somit in Sichtweite der Top 20. Die höchste Platzierung ihrer Karriere erreichte sie 2012 als Nummer zwölf im WTA-Computer. Ihre ersten beiden Turniersiege hatte sie in Charleston (2009) und Birmingham (2011) gefeiert.

Mit der richtigen, stimmigen Grundverfassung gelang der Berlinerin im Endspiel von Hongkong sogar das Kunststück, einen kapitalen Fehlstart mit 1:5-Rückstand im ersten Satz wegzustecken und ihrer Gegnerin bis zum Schlusspunkt nur noch drei Spielgewinne zu gestatten. Im Schaulaufen um einen der freien Plätze im deutschen Fedcup-Team hinter den gesetzten Assen Angelique Kerber und Andrea Petkovic hatte Lisicki nun mächtig Eindruck gemacht - und sich in eine Position gebracht, in der Bundestrainerin Barbara Rittner beim komplizierten Personalpuzzle nur schwer an ihr vorbei kann.

„Ein Turniersieg gibt immer Selbstvertrauen. Und wie Sabine mit Selbstvertrauen spielen kann, das wissen wir alle“, sagte Rittner am Sonntag im Gespräch mit der Morgenpost, „ich beobachte weiter, freue mich über gute Leistungen und nominiere Mitte Oktober.“ Auch das klingt positiv für die Wimbledon-Finalisten von 2013.

Doch im Moment erscheint schwer vorstellbar, dass Lisicki beim großen Saisonfinale für die deutschen Tennisfrauen nur als Tribünen-Zuschauerin in Prag dabei sein könnte – und nicht als vielseitig einsetzbare Kraft im taktischen Poker, als Einzel- oder eben auch Doppelspielerin. Seit die Berlinerin sich jedenfalls Ende Juni und Anfang Juli bei ihrer Rückkehr auf die geliebten grünen Tennisfelder Wimbledons mit einer Viertelfinal-Teilnahme achtbar schlug und danach auch noch das eigene Tennis-Unternehmen komplett auf den Kopf stellte, hat der schwere Frust über das Verletzungspech im ersten Saison-Halbjahr seine Macht verloren.

„Ich kann endlich wieder nach vorne schauen. Ich fühle mich gut, ich arbeite gut, ich spiele gut“, sagt Lisicki, die sich selbst das Versprechen abnahm, mit dem neuen Coach Guillaume Peyre auch das Ende der Ära des bloßen Bumm-Bumm-Tennis einzuläuten.

Frischer und beweglicher

Mehr Geduld im Spiel der Kräfte kann sich die 24-jährige aber nun auch leisten, weil sie deutlich frischer und beweglicher wirkt und nicht von Blessuren behindert wird. Schon bei den US Open hinterließ Lisicki von allen angetretenen Deutschen den besten Eindruck, sehr zur Zufriedenheit auch des neuen Mannes an ihrer Seite – nein, nicht Spielerfrau Oliver Pocher, sondern Coach Peyre. Obwohl sie beim 2:6, 4:6 gegen die Russin Maria Sharapova schon noch erkennen konnte, dass sie viel aufzuholen hat.

„Sabine hat so große Möglichkeiten. Wir beginnen gerade erst, das alles auszuschöpfen“, sagte der erfahrene Franzose am Rande des Grand-Slam-Spektakels. Dass er Lisickis vierten Karrieretitel gleich zwei Wochen später miterleben würde, hätte er sich wohl allerdings auch nicht träumen lassen.