Tennis

In Wimbledon fühlt sich Sabine Lisicki wieder zu Hause

Die Berlinerin Sabine Lisicki, die im vergangenen Jahr bis in das Endspiel vordrang, hat ihr erstes Spiel gegen Juli Glushko in nur 57 Minuten gewonnen - und den Spaß am Tennis wieder gewonnen.

Foto: Al Bello / Getty Images

Als Sabine Lisicki zurückkehrte in das Herz von Wimbledon, stand sie gleich wieder der Tennisspielerin gegenüber, die im letzten Jahr auf den letzten Metern ihren großen Titeltraum zerstört hatte. Marion Bartoli allerdings war nicht ihre Gegnerin an diesem 24. Juni 2014. Die französische Rasen-Königin hatte nur die Rolle der freundlich lächelnden Zeremonienmeisterin auf dem Centre-Court übernommen.

Stören oder beeindrucken ließ sich Lisicki dann auch nicht von dem Wiedersehen mit der pensionierten Titelgewinnerin, die später in der Royal Box ein nur mäßig interessiertes Auge auf den haushohen 6:2, 6:1-Sieg von Lisicki gegen die überforderte Israelin Juli Glushko warf: „Es war ein spezieller Moment, Marion hier auf diesem Platz wiederzutreffen“, sagte Lisicki, „aber ich habe längst meinen Frieden mit dem Endspiel gemacht. Das war kein Schock für mich oder so was.“

Was zählt, ist für Lisicki ja nichts anderes als das Hier und Jetzt. Die Gegenwart. Die neue Wimbledon-Mission. Der Anlauf, auf den geliebten, vertrauten Feldern des All England Club wieder zu alter Stärke und Wirkungsmacht zurückzufinden. Zwar lieferte der erste Auftritt noch wenig belastbare Indizien dafür, ob ein ähnlicher Siegeszug wie im Wimbledon-Jahrgang 2013 auch nun möglich sein könnte, aber wie Lisicki nach all den zurückliegenden Enttäuschungen und Frustrationen diesen heiklen Centre-Court-Auftritt meisterte, das machte doch Hoffnung, gab Mut für die nächsten Aufgaben.

Nervosität schnell abgelegt

„Ich war zunächst ziemlich nervös, aber dieses Lampenfieber habe ich dann auch mit der Unterstützung des Publikums schnell abgeschüttelt“, sagte die erleichterte Lisicki, „ich hatte sogar richtig Spaß da draußen.“ Mit freundlichem Applaus hatten die 10.000 Zuschauer die Deutsche auch schon begrüßt, als sie um 13 Uhr Ortszeit die bedeutendste Tennisbühne der Welt betreten hatte – jenen Ort, an dem sie mit ihrem strahlenden Lächeln und dramatischen Gastspielen zum Liebling Wimbledons geworden war. „Es war schon eine große Ehre, offiziell das Frauenturnier auf dem Centre-Court zu eröffnen“, sagte sie nach dem mühelosen Auftaktsieg, „das ist eine unglaubliche Geste vom Turnier hier.“

Und das Schicksal einer günstigen Auslosung spielte der zuletzt verunsicherten und sportlich in die Krise geratenen Deutschen auch in die Hände. Julia Glushko, die Nummer 79 der Welt, erwies sich in den bloß 57 Spielminuten nicht als ernsthafte Rivalin, sondern als dankbare Erstrunden-Gegnerin – ohne jede Perspektive, Lisicki den Spaß zu verderben. Die Berlinerin ließ sich gewiss noch Spielraum zur Steigerung, aber dass sie das besondere Gespür und die alten Instinkte fürs Rasentennis nicht verloren hat, war auch zu sehen.

Auf dem Rasen eine andere Spielerin

„Wenn Sabine erst einmal ins Rollen kommt bei diesem Turnier, wird es für jede Gegnerin schwer“, sagte Ex-Tennisgröße Lindsay Davenport, „auf Rasen ist sie einfach eine ganz andere Spielerin. Mit ganz anderer Zuversicht und ganz anderem Format.“ Nächste Gegnerin für die Berlinerin ist nun die Tschechin Karolina Pliskova – das bisher einzige Duell gewann Lisicki im Mai in Madrid auf Sand in drei hart umkämpften Sätzen.

Diese nächste Wimbledon-Angelegenheit wird Lisicki mehr Kraft, Energie und spielerisches Format abverlangen. Aber sie hat mit dem reibungslosen Start in dieses Turnier auch aufgetankt fürs Ego, hat viele Zweifel und Selbstzweifel besiegt: „Wenn du erlebt hast, was ich zuletzt erlebt habe, dann ist die Unsicherheit einfach da. Nichts kann Siege ersetzen“, sagte sie an diesem Dienstag, den sie auch als „eine Art Neubeginn“ empfand: „Wimbledon ist eben ein Ort, an dem wieder viele Dinge zusammenpassen.“ Und das Schluss-Bild vom Centre-Court erinnerte sowieso schon an die besseren und besten Tage: Kusshändchen der Siegerin in alle Winkel des berühmten Spiel-Platzes, das funkelnde Lisicki-Lächeln, der dankbare Applaus der Fans.

Auch Rasen-Allergikerin Andrea Petkovic startete souverän in das Turnier: Die bisher in Wimbledon selten glücklich gewordenen Darmstädterin gewann ohne Schwierigkeiten 6:1 und 6:4 gegen die Polin Katarzina Piter. „Ich fühle mich inzwischen immer wohler auf Rasen. Ich will hier wirklich das Beste herausholen“, sagte die French-Open-Halbfinalistin. Sie trifft nun in Runde zwei auf die Rumänin Irina-Camelia Begu.