Tennis

Sportliche Krise - Sabine Lisicki in der Liebesfalle

Seit die Berlinerin mit dem Comedian Oliver Pocher liiert ist, kann sie auf dem Tennisplatz kaum noch siegen. Auch beim Turnier in Stuttgart scheiterte sie in der ersten Runde.

Sabine Lisicki hatte die Sonnenbrille hochgesteckt und die langen blonden Haare seitlich zu zwei Zöpfen gebunden. Blendend gelaunt präsentierte sich die neue deutsche Tennis-Königin der Weltpresse und plauderte über den alten roten Nissan Micra ihrer Eltern, mit dem sie früher von Turnier zu Turnier gefahren ist. Der Boulevard taufte sie „Bum-Bum-Bine“, die englischen Fans schlossen die junge Lady mit dem Dauerlächeln aus Berlin in ihr Herz.

Keine zehn Monate sind seit dem ungekrönten Sommermärchen und dem ersten Finaleinzug einer Deutschen seit Steffi Graf beim wichtigsten Tennisturnier der Welt vergangen. Heute wirkt das Wunder von Wimbledon so weit weg wie der benachbarte VfB Stuttgart von der Meisterschale. Mit geröteten Augen betrat Lisicki am Mittwochabend das kleine Podium im Presseraum der Stuttgarter Porsche-Arena. Mit reichlich glitzerndem Goldschmuck an den Fingern, am Handgelenk und um den Hals – aber sportlich nur noch ein matter Abglanz dieser wunderbar-verrückten Sommertage 2013. Gescheitert in der ersten Runde beim einzigen Auftritt vor deutschem Publikum in diesem Jahr.

Nun ist eine Niederlage gegen die Sandplatz-Liebhaberin Ana Ivanovic keine Schande. Doch die Art und Weise, wie sich die 24-Jährige gegen die frühere Weltranglistenerste und ehemalige French-Open-Siegerin den erwartungsfrohen Fans auf dem vollbesetzten Centre Court präsentierte, ist schlicht erschreckend zu nennen. Vor den Augen ihres Freundes, dem Comedian Oliver Pocher, mit dem sie seit Herbst 2013 liiert ist, agierte Lisicki wieder einmal fahrig und unkonzentriert und verschlug die einfachsten Bälle. Beim Stand von 1:4 ließ sie ihre Trainerin Martina Hingis auf den Platz kommen, doch die Worte der Schweizerin halfen ebenso wenig wie der aufmunternde Applaus von Pocher.

Wenigstens kann sie jetzt wieder schmerzfrei spielen

„Klar bin ich enttäuscht. Mein Selbstvertrauen ist nicht da, das sehen Sie doch alle“, sagte Lisicki nach ihrer fünften Niederlage im zehnten Match dieses Jahres, in dem sie sechsmal ihren Aufschlag abgab. „Die Routine ist einfach noch nicht da, man kann nicht zu viel erwarten“, sagte Lisicki mit leiser Stimme. Und dann sprach die 1,78 Meter große Athletin ausführlich und detailliert über ihre Schulterprobleme, die sie zu einer dreiwöchigen Pause zwangen. Dass sie „zum ersten Mal seit Monaten“ ohne Schmerzen auf dem Platz gestanden, zuletzt gar kein Tennis gespielt und sich zweimal täglich in der Physiotherapie und Reha gequält habe.

Geschickt gelang es der in den USA lebenden Berlinerin, ihre Verletzung in den Mittelpunkt der halböffentlichen Debatte zu stellen und charmant um Verständnis zu bitten für ihre Formkrise. Dass der sportliche Absturz nun schon Monate andauert, dass über ihre Beziehung zu Oliver Pocher getuschelt und gelästert wird – keiner traute sich danach zu fragen. Manager Olivier van Lindonk vom Vermarktungsriesen IMG wirkte fast ein bisschen wie ein Leibwächter, als er seine Klientin zur Pressekonferenz geleitete.

Viele Kritiker unterstellen ihr zuwenig Training

Die letztjährige Wimbledon-Finalistin befindet sich in einem Teufelskreis: keine Siege, kein Selbstvertrauen – kein Selbstvertrauen, keine Siege. „Es ist keine leichte Zeit“, sagte die 24-jährige Lisicki, die in der aktuellen Jahres-Rangliste („Road to Singapore“) nur Rang 67 einnimmt. Die Berlinerin kündigte nach der ernüchternden Pleite in Stuttgart an, sie müsse jetzt weiter „hart arbeiten, um mich wieder ranzukämpfen“. Es sind Sätze, die etliche Experten nur müde lächeln lassen. Nicht wenige Kritiker unterstellen der formschwachen Weltranglisten-14., dass sie körperliche Defizite habe und zu wenig trainiere. Und das nicht erst seit gestern.

„Ich habe den Eindruck: Der rote Teppich ist ihr manchmal wichtiger als der Trainingsplatz“, vermutete jüngst Nicolas Kiefer. Laut des Fernseh-Experten und früheren Topspielers, der es bis zur Nummer vier der Weltrangliste geschafft hatte, zeichne für die Formkrise der Berlinerin damit auch Oliver Pocher verantwortlich. Immerhin ist der Comedian in der Glitzerwelt des Fernsehens zu Hause, das ist sein täglich Brot. Die Zeitschrift „Bunte“ wusste zu berichten, dass Pocher dagegen in der Welt von Sabine Lisicki weniger souverän unterwegs sei. Die „Bunte“ schrieb, dass Pocher im Tenniszirkus nur „die Spielerfrau“ genannt werde, sobald das Paar nicht dabei sei. Während der Turniere soll Pocher mehrmals als DJ in Diskotheken aufgelegt haben, um etwas zu tun zu haben. Pocher, so war zu lesen, sei blind vor Liebe.

Im Tenniszirkus macht man sich über Pocher lustig

Lisickis lange Abstinenz vom Tenniscourt konnte allerdings nicht ihre schwache Beinarbeit gegen Ana Ivanovic erklären. Zumal Lisicki betonte, dass sie zuletzt neben der täglich „stundenlang“ durchgeführten Reha „viel laufen“ war. 32 unerzwungene Fehler (12 Winner) sprechen allerdings eine deutliche Sprache. „Sabine hat einfach zu viele leichte Fehler gemacht“, sagte Fed-Cup-Teamchefin Barbara Rittner: „Sie muss jetzt Woche für Woche hart arbeiten und dran bleiben, um Selbstvertrauen zu bekommen und wieder zu ihrer alten Form zurückzufinden.“ Und das möglichst schnell.

Bei ihrem Lieblingsturnier in Wimbledon (23. Juni bis 6. Juli) hat Lisicki 1400 Punkte zu verteidigen. Ein frühes Ausscheiden in ihrem „Wohnzimmer“ hätte einen rapiden Absturz in der Weltrangliste zur Folge. Daran will sie im Moment aber noch nicht denken – und sieht den Weg als Ziel. „Ich bin endlich wieder schmerzfrei. Das ist schon mal ein guter Anfang“, sagte die Rechtshänderin, die sich ihren Platz im Fed-Cup-Team zurückholen will.

Beim Fed Cup stand sie nicht im deutschen Team

Rittner hatte die deutsche Nummer zwei wegen ihrer anhaltenden Formschwäche nicht für das Halbfinale in Australien (3:1) am vergangenen Wochenende nominiert. Eine bewusste Entscheidung, und der erste Finaleinzug nach 22 Jahren gab Rittner recht. Die Rückkehr ins Quartett ist mit Blick auf das Finale am 8./9. November in Tschechien aber eines der großen Ziele von Lisicki. „Bis dahin sind noch so viele Turniere“, meinte die 24-Jährige, „auch noch drei Grand Slams.“ Unter anderem Wimbledon – ihr Turnier.

Parallel zu ihrer großen Liebe zu Oliver Pocher durchlebt Sabine Lisicki sportlich die bislang größte Krise ihrer Karriere. Die Bilanz ist in der Tat ernüchternd, drei Siege nacheinander gelangen der Berlinerin seit Wimbledon nur im Oktober 2013 beim Halbfinaleinzug in Luxemburg. Und doch saß Lisicki drei Tage vor ihrem ersten Match in Stuttgart in der SWR-Fernsehsendung „Sport im Dritten“ und sagte: „Der Grand-Slam-Titel und die Nummer eins waren schon immer mein Ziel und werden es auch bleiben. Das ist meine tägliche Motivation.“