Tennis

Berliner Centre Court soll nach Lisicki benannt werden

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Philip Volkmann-Schluck

Die Berlinerin Sabine Lisicki steht im Wimbledon-Finale. Beim Tennisklub Rot-Weiß fieberten Mitglieder am Fernseher mit. Die Erfolge in London sehen sie als Signal zum Aufbruch.

Es war eine fremde Welt damals, in der Sabine Lisicki ihre harten Schläge übte. Als 13-Jährige fuhr sie mit der S-Bahn von der Plattenbausiedlung Hohenschönhausen im Berliner Osten nach Grunewald tief zu den Villen im Westen, dort hatte ihr Vater einen Job als Trainer im gediegenen LTTC Rot-Weiß.

Dieser Klub war es, der ihrer Familie den Lebensunterhalt finanzierte. Inzwischen hat sich auch hier die Welt verändert. Das große Steffi-Graf-Stadion auf dem Klubgelände rostet etwas, seit hier vor fünf Jahren die letzten German Open stattfanden.

Wer am Donnerstag dort das Halbfinale mit Vereinsmitgliedern geschaut hat, der spürt, dass es nun Lisicki ist, die die Heilsbringerin für den Klub in Grunewald werden könnte – und darüber hinaus für das ganze deutsche Tennis. Der Sport ist etwas aus der Mode geraten.

Nachmittags, kurz vor Matchbeginn. Männer mit Fernsehkameras laufen vorbei an Schokokuchen und Hefeweizen im Klubheim. Etwa 40 Mitglieder schauen das Spiel auf einer Leinwand. Gediegene Stimmung, Tennis ist halt kein Fußball, schon gar nicht in Grunewald. Karin Redde sitzt mittendrin. „Endlich wird unser Klub mal wieder in den Zeitungen erwähnt“, sagt sie.

Zuletzt nur Negativschlagzeilen

Zuletzt sei es oft um die schlechte finanzielle Lage gegangen. Vielleicht, sagt sie, komme jetzt wieder ein Aufschwung. Eine Rückkehr aus der Krise. Darum geht es nicht nur bei Vereinen, sondern auch auf dem Platz. Lisicki liegt nach starkem Start hinten, da sagt der ehemalige Berliner Tennisprofi Markus Zoecke, der ebenfalls zum Verein gehört und das Spiel hier schaut: „Man muss zurückkommen aus den Krisen. Dem Gegner zeigen, dass man besser ist.“

Der Präsident des Vereins, Werner Ellerkmann, hatte vor dem Spiel gesagt, dass eine Persönlichkeit wie Lisicki helfen könne, wieder ein großes Turnier nach Berlin zu holen. Er hat auch gesagt, dass der Klub damals ihren Vater finanziert habe. Freundlich hat er das gesagt, aber wie eine Feststellung, an der nun mal nicht zu rütteln ist. Man wird Lisicki hier empfangen, wenn sie aus England zurückkommt. Außerdem gibt es noch einen namenlosen zweiten Center Court hier, der neben dem Steffi-Graf-Stadion.

Wird der bald nach Lisicki heißen? Der Präsident schließt das nicht aus, mit einem feinen Lächeln. Auch findet er, dass das Jugendturnier, das gerade läuft, nun mehr beachtet würde.

Doch dann dieses Spiel, das alle Konzepte erst mal vergessen lässt. Ein Nervenkrieg, in dem es nur um die nächste Sekunde geht, nicht um Pläne für die kommenden Jahre. Viele der Mitglieder hier haben schon mal mit Lisicki trainiert. Sie sehen, was ein Mensch leisten kann, der einer von ihnen ist.

Draußen, vor dem Klubheim in einem Häuschen, sitzt eine Dame. Sie schaut das Spiel auf einem Laptop und bedient nebenher Mitglieder, die spielen wollen. Der Betrieb muss weiter gehen, auch an diesem großen Tag. Sie hat damals Lisicki betreut, sie auch getröstet, wenn sie mal verloren hat. Es ist die Schlussphase des Halbfinales und ihr Mädchen liegt hinten. Sie sagt: „Binchen schafft das, sie will immer gewinnen.“

Am Ende klirren die Sektgläser

Und „Binchen“ schafft es tatsächlich und zieht ins Finale von Wimbledon ein. Die Sektgläser klirren. Auf dem Bezahlsender Sky läuft nach dem Spiel eine Schaltung aus einem Tennisklub in Troisdorf im Rheinland, wo Lisicki vor ihrer Berliner Zeit gespielt hat. Viele sehen das nicht – zumindest die Offiziellen sind schon weg. Es gibt ja jetzt viel zu tun hier in Grunewald.