Leichtathletik-WM

Schwanitz greift nach Kugel-Gold, Teenie holt Marathon-Titel

Zum Auftakt der WM sieht es für die Deutschen schon nicht schlecht aus. Christina Schwanitz ist auf Goldkurs.

Christina Schwanitz greift nach dem Gold im Kugelstoßen

Christina Schwanitz greift nach dem Gold im Kugelstoßen

Foto: FRANCK FIFE / AFP

Kugelstoßerin Christina Schwanitz greift nach Gold, die Siebenkämpferinnen starten stark, und ein unbekannter Teenager holt den ersten Titel: Ghirmay Ghebreslassie aus Eritrea hat zum Auftakt der Leichtathletik-WM überraschend den Marathon gewonnen.

"Es ist unbeschreiblich. Meine Eltern wollten, dass ich ein großartiger Student werde. Aber ich wollte lieber ein großartiger Athlet werden", sagte der erst 19-Jährige, der den favorisierten Kenianern in einer wahren Hitzeschlacht in den Straßen von Peking keine Chance ließ.

Eine ganz souveräne Vorstellung lieferte Kugelstoßerin Christina Schwanitz in der Qualifikation ab. Die Top-Favoritin kam mit halber Kraft auf 19,39 m und will am Nachmittag im Finale (14.05 Uhr/ZDF) für einen goldenen WM-Auftakt für das deutsche Team sorgen. "Das war noch nicht richtig gepfeffert", sagte eine "tiefenentspannte" Schwanitz: "Jetzt wird geduscht, gegessen, geschlafen, noch einmal geduscht, und dann geht's los."

Solide präsentiert sich bisher das deutsche Siebenkampf-Trio um Carolin Schäfer. Die Nummer zwei der Welt aus Friedrichstein liegt nach einer starken Vorstellung über 100 m Hürden (13,40 Sekunden) und mäßigen 1,80 m im Hochsprung mit 2043 Punkten auf Rang zwölf. In guter Form zeigte sich Jennifer Oeser (13,67/1,83) knapp ein Jahr nach der Geburt von Sohn Jakob. Die frühere Vizeweltmeisterin aus Leverkusen liegt bei ihrem Comeback auf der großen Bühne derzeit einen Punkt hinter Schäfer auf Rang 13. Dahinter folgt die WM-Vierte von Moskau, Claudia Rath (2037).

Olympiasiegerin Jessica Ennis-Hill (Großbritannien) legte nach ihrer Babypause einen furiosen Start hin und führt das Feld nach zwei Disziplinen an (2192 Punkte).

Über 800 m blieb Robin Schembera (Leverkusen) unter seinen Möglichkeiten und verpasste nach Platz vier in seinem Vorlauf (1:48,04 Minuten) den Einzug ins Halbfinale.

In den Vorläufen über 1500 m gab sich Weltrekordlerin Genzebe Dibaba keine Blöße. Die Äthiopierin erreichte in 4:02,59 Minuten das Halbfinale ebenso so locker wie Titelverteidiger Pawel Fajdek (78,38 m) aus Polen das Finale im Hammerwurf (Sonntag, 12.30 Uhr). Über 3000 m Hindernis erreichten die Kenianer angeführt von Titelverteidiger Ezekiel Kemboi geschlossen den Endlauf - der Titel wird nur über sie vergeben. Seit 1991 ging WM-Gold immer an einen gebürtigen Kenianer. Stephen Cherono gewann 2003 und 2007 allerdings als Saif Saeed Shaheen für Katar.

Im Marathon erlebten die so hoch gehandelten Kenianer dagegen ein wahres Debakel - sowohl Weltrekordler Dennis Kimetto als auch Ex-Weltrekordler Wilson Kipsang gaben sogar auf. Mark Korir erreichte als einziger Kenianer als 22. das Ziel. Nach den jüngsten Doping-Vorwürfen ein weiterer herber Rückschlag für die stolze Läufernation.

Silber sicherte sich Yemane Tsegay aus Äthiopien (2:13:29) vor Munyo Solomon Mutai aus Uganda (2:13:29). Als bester Europäer wurde der Italiener Ruggero Pertile Vierter (2:14:22). Olympiasieger und Titelverteidiger Stephen Kiprotich (Uganda) kam auf Platz sechs (2:14:42).