Äußerung über Marzahn

Sportmoderator Poschmann verweigert Entschuldigung

Zwei Tage nach der umstrittenen Äußerung von Sportmoderator Wolf-Dieter Poschmann über den Berliner Stadtteil Marzahn wächst die Welle der Empörung weiter. Eine Entschuldigung seitens des ZDF bleibt jedoch weiter aus. Der Senatssprecher Richard Meng versucht zu beschwichtigen.

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Nach seiner abfälligen Äußerung über Marzahn ist trotz der großen Empörung in Berlin eine Entschuldigung von ZDF-Sportmoderator Wolf-Dieter Poschmann bislang ausgeblieben. Er hatte am Sonnabend während der Übertragung des Hammerwurf-Finales der Damen mit der Berlinerin Betty Heidler gesagt: „Wenn man in Marzahn aufgewachsen ist und das unbeschadet überlebt hat, ist man zu allem fähig.“

Die Bürgermeisterin von Marzahn-Hellersdorf, Barbara Pohl (Die Linke), lud Poschmann daraufhin in ihren Bezirk ein. „Ich bedaure es sehr, dass Journalisten der Öffentlich-Rechtlichen sich diskreditierend über die Bewohner hier äußern.“ Auch der CDU-Abgeordnete Mario Czaja aus Marzahn-Hellersdorf bot eine Stadtführung an. Er schrieb Poschmann: „Sie haben sich ein grobes Foul erlaubt.“ Er sei Vorurteilen aufgesessen. „Marzahn-Hellersdorf ist ein grüner, friedlicher, aufstrebender Bezirk.“

ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz verteidigte Poschmann: „Die Formulierung sollte in keiner Weise den Bewohnern zu nahe treten.“ Im Gespräch zwischen den Moderatoren Poschmann und Peter Leisel sei sie „eine humoristische Randnotiz“ gewesen. Gruschwitz sagte weiter: „Wir bedauern, wenn es sich als solche nicht erschlossen hat.“ Bei der Pressestelle hieß es, es werde keine weitere Stellungnahme von Poschmann geben. Er werde auch nicht nach Marzahn fahren.

„Was wir nicht brauchen, ist arrogantes Herabsehen aus dem Westen“, sagte Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau (Die Linke). Die CDU-Bundestagsabgeordnete Monika Grütters sagte, Poschmann solle sich schämen. „Solche Äußerungen helfen nicht beim Zusammenwachsen“, sagte Grütters. „Marzahn-Hellersdorf rangiert bei vielen Sozialdaten vor den Westbezirken Charlottenburg-Wilmersdorf, Spandau und Reinickendorf.“ Poschmann sollte die Einladung von Czaja nach Marzahn annehmen“, rät Markus Pauzenberger, sportpolitischer Sprecher der SPD.

Der Sprecher des Kinder- und Jugendzentrums „Die Arche“, Wolfgang Büscher, sagte, der Bezirk habe durchaus Probleme, die gelöst werden müssten. In manchen Straßenzügen müssten bis zu 70 Prozent der Familien mit Hartz IV auskommen. Es lebten hier „viele Menschen, die sich aufgegeben haben“. Der Stadtteil dürfe aber nicht verteufelt werden. Was Poschmann gesagt habe, sei „Quatsch“. Senatssprecher Richard Meng warnte davor, die Poschmann-Äußerung zu ernst zu nehmen. „In so einer Reportage rutscht einmal manchmal ein Satz heraus, den man hinterher bedauert.“