Leichtathletik-WM

Usain Bolt kann mit Mauerstück nichts anfangen

Der jamaikanische Sprinter Usain Bolt hat in Berlin erlebt, was es heißt ein Star zu sein. Der dreifache Goldmedaillen-Gewinner der gerade zu Ende gegangenen Leichtathletik-WM wurde in Berlin von Kameras und Fans verfolgt. Und dann schenkte Klaus Wowereit ihm auch noch etwas, mit dem Bolt nichts anzufangen weiß.

Das Video konnte nicht gefunden werden.

Der jamaikanische Sprinter Usain Bolt hat in Berlin erlebt, was es heißt ein Star zu sein. Der dreifache Goldmedaillen-Gewinner der gerade zu Ende gegangenen Leichtathletik-WM wurde in Berlin von Kameras und Fans verfolgt. Und dann schenkte Klaus Wowereit ihm auch noch ein Stück Berliner Mauer.

Video: SID
Beschreibung anzeigen

Man tut Usain Bolt wohl nicht Unrecht, wenn man davon ausgeht, dass seine Kenntnisse der deutschen Geschichte allenfalls rudimentär sind. Insofern ist nicht verwunderlich, dass er zunächst etwas irritiert reagiert, als er das überdimensionierte Gastgeschenk erblickt, das Berlin für ihn ersonnen hat. Erst recht, als er näher kommt und ihm die Dimensionen des Mauerstücks gewahr werden. 3,60 Meter hoch, 1,20 Meter breit, Gewicht: 2,7 Tonnen.

"Ich weiß jetzt noch nicht, was ich damit machen soll", gibt er ehrlich zu. Um wenig später bei der offiziellen Übergabe durch Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit im Champions Club artig zu verkünden: "Ich danke Berlin für dieses einmalige Geschenk." Seine Augen leuchten allerdings mehr, als ihm Wowereit zusätzlich eine Miniatur-Ausgabe von Berlino übergibt, dem Weltmeisterschafts-Maskottchen, mit dem Bolt offiziell und medienwirksam eine Freundschaft eingegangen ist.

Überhaupt hat Bolt in Berlin viele neue Freunde gewonnen. In Peking wurde er zum Star, in Berlin musste er erstmals eine Woche und öffentlich mit dieser Rolle leben. Er hat es auf die Art getan, auf die er sich am besten versteht: Extrovertiert, exzentrisch, extrem. "Ich werde Berlin nie vergessen", sagt er, wohl auch deswegen. Noch weniger wird das die deutsche Hauptstadt mit ihm tun. Wo immer der schnellste Mensch der Welt seinen Fuß hinsetzte, war er umringt von Fotografen, Fans und Autogrammjägern. Für mehr als eine Woche war Berlin im Ausnahmezustand, sein nächtlicher Abstecher zu McDonalds ist deswegen ebenso dokumentiert, wie seine Spritztour mit einem Ferrari über die Stadtautobahn und seine ausgelassene Feier im Adagio am Potsdamer Platz. Keine Frage, Bolt hat in Berlin Spuren hinterlassen und nicht nur das Olympiastadion sondern die ganze Stadt zu seiner ganz persönlichen Bühne gemacht.

Am Sonntag tat er das ein letztes Mal. Um 12.30 Uhr hat die Jamaika-Lounge geladen, die WM-Repräsentanz seines Landes. Der schnellste Mann der Welt kommt eine halbe Stunde zu spät. Ob es an den Straßensperren wegen des Marathons liegt, oder daran, dass der Jamaikaner die ganze Nacht durchgefeiert hat - er behält es für sich. Bolt kaut Kaugummi und sagt: "Ich bin todmüde". Dann muss er zur Bühne, der Tourismusminister seines Landes wartet. Oben angekommen muss er das sagen, was er immer sagt: Dass die WM in Berlin toll war, dass er leider zu wenig von der Stadt gesehen habe und dass er sehr glücklich sei.

Bolt zieht es weiter, zum nächsten Termin. Am Hintereingang wartet schon der Fahrer, im Abgang lassen sich Journalisten, die ihn eben noch interviewt haben, Autogramme geben. Bolt hat eine knappe Stunde bis zur nächsten Verabredung, der Bürgermeister wartet ja schon mit dem Mauerstück. Gut zehn Minuten bekommt Wowereit. Und noch etwas. Bolt lässt nicht nur zwei Weltrekorde in Berlin, als "Dankeschön für wunderbare Tage" drückt er dem Politiker seine signierten Laufschuhe in die Hand und sagt drei Mal und auf Deutsch, dass er ein Berlino sei. "Die kommen ins Sportmuseum", kann Wowereit gerade noch sagen, dann muss Bolt weiter. Ein letztes Mal ins Stadion, Siegerehrung für das Gold mit der Staffel.

Vor dem Warteraum auf dem Außengelände am Olympiastadion warten schon mehrere hundert Menschen. Sie drängen sich um die Absperrungen, hektisch schauen sie sich um. Irgendwann muss er ja hier durch. Vor dem Marathon-Tor macht Bolt-Kumpel Berlino Faxen, ein Fanklub grölt Lieder. Niemand nimmt von der großen Gestalt Notiz, die plötzlich über den Vorplatz huscht. Der Sprinterkönig höchstselbst. Bolt hat sich am Parkplatz absetzen lassen und springt über das Absperrgitter. "Hi", grüßt er seine verdutzen Fans und schreibt schnell noch ein paar Autogramme, bevor im Olympiastadion ein drittes Mal die Hymne Jamaikas für ihn erklingt.

Als der 23-Jährige wenig später mit der Goldmedaille um den Hals von der Siegerehrung zurückkommt nimmt er sich mehr Zeit für seine Fans. "Usaaaaaiiiiiiin", Mädchen kreischen. Unzählige T-Shirts, Mützen, Poster und Plakate werden mit seinem Namenszug versehen. Knapp zehn Minuten dauert die letzte Audienz, dann verliert der König die Lust. Wieder klettert er über die Absperrung. Ein letztes Foto, ein letztes Lächeln, dann schließt sich die Wagentür und Bolt verschwindet in den Berliner Abend. Um 22.30 Uhr betrat Bolt dann noch den Yaam Club am Spreeufer, wo er auch als DJ glänzte.