Leichtathletik

400.000 Tickets für WM in Berlin wurden verkauft

Am letzten Abend der Leichtathletik-WM in Berlin haben Politiker, Organisatoren und Funktionäre eine positive Bilanz gezogen. Daran ändert auch nichts, dass der Ticketverkauf unter den erhofften 500.000 Karten blieb. Berlin ist mit 20 Millionen Euro am Gesamtetat beteiligt. Unklar ist, ob die Stadt noch nachfinanzieren muss.

Clemens Prokop sprach den großen Satz gelassen aus: „Die WM hatte nur Gewinner“, sagte der Geschäftsführende Präsident des Organisationskomitees der Leichtathletik-WM. Und alle auf dem Podium bei der Bilanz-Pressekonferenz Sonntagnachmittag nickten beifällig. Ob nun die beiden OK-Geschäftsführer Heinrich Clausen und Frank Hensel oder der für Ticketing und Marketing zuständige Michael Mronz. Und auch Klaus Wowereit. Der Regierende Bürgermeister, in Personalunion auch OK-Präsident, sprach von einem „riesigen Erfolg für die Leichtathletik“ und hob vor allem den Imagegewinn sowie den mittel- und langfristigen Nutzen für die Stadt hervor.

In dieser Hinsicht hat sich sicherlich als Volltreffer erwiesen, dass erstmals in der WM-Geschichte die Geher-Wettbewerbe und die Marathonläufe mit Start und Ziel mitten in der Stadt ausgetragen wurden. Insgesamt etwa 1,3 Millionen Menschen standen an den Straßen und feuerten die Athleten an. Und in über 170 Ländern flimmerten Bilder von der Sightseeing-Tour durch die deutsche Hauptstadt über die Bildschirme.

Schon Stunden zuvor hatte Lamine Diack, der Präsident des Weltverbandes IAAF, Berlin und die Organisatoren in den höchsten Tönen gelobt. „Es war ein fantastisches Event.“ Besonders hatte es ihm das Publikum angetan: „Die Zuschauer waren außergewöhnlich fair, sie haben jeden angefeuert.“ Keine Kritikpunkte? „Nein, und wenn, dann sind es kleine Dinge.“ Es sei ihm klar, dass es schwer gewesen sei, über die gesamte Zeit das Stadion füllen zu können. Aber die Situation sei ja am Ende „besser und besser geworden“. Er hoffe natürlich, dass Berlin kein Defizit bleibe.

Diese Frage wird allerdings noch nicht so schnell beantwortet werden können. Erst Ende September, Anfang Oktober werde man, so Geschäftsführer Clausen, Genaues wissen. Etliche Dinge wie Doppelbesteuerung der Siegprämien oder Verteilung der Reisekosten sind noch nicht abschließend geklärt. Dann muss man sehen, ob das dicke Ende noch nachkommt, ob es bei der Lücke im sechsstelligen Bereich bleibt, die sich derzeit wohl auftut.

Ticketverkauf war unbefriedigend

Mit 20 Millionen Euro ist Berlin am Gesamtetat von 44 Millionen Euro beteiligt. Schießt man im Falle eines Falles noch etwas nach oder muss dann der Deutsche Leichtathletik-Verband bluten? „Dann werden wir uns an einen Tisch setzen“, kündigte Wowereit an. „Wir bleiben ein fairer Partner des DLV.“

Vermarktung, Werbung, Tickets, das alles wird im Nachklang der WM sicher noch diskutiert werden. „Man kann immer etwas anders machen“, sagte Mronz auf die Frage, ob er aus heutiger Sicht manches anders angegangen wäre. Wowereit gab ehrlich zu: „Was die Tickets betrifft, hatten wir uns eigentlich etwas Ambitionierteres vorgenommen.“ Vor allem an den ersten Tagen gab es zum Teil gewaltige Lücken im Stadion. Aber bei einer WM neun Tagen lang an einem Ort sei das Ziel vielleicht auch ein „zu hochgestochenes“ gewesen, meinte Wowereit.

Im Etat hatten die Verantwortlichen aber sowieso weniger als die erhofften 500.000 verkauften Karten angesetzt. Am Ende wurden es 400.000.