Immer Hertha

USA-Reise: Hertha-Profis beeindrucken Kinder

Hertha in Amerika

Hertha in Amerika

Foto: dpa, BM

Die Reise wirkt noch nach, zumindest bei mir. Anderthalb Wochen war Hertha BSC in den Vereinigten Staaten unterwegs – netzwerken, Kontakte knüpfen, Fans gewinnen. Was der Fußball-Bundesligist in den USA erlebte, war ein Trip voller spannender Eindrücke und interessanter Reaktionen, abwechslungsreich und unterhaltsam, gespickt mit unterschiedlichsten Facetten.

Als Morgenpost-Reporter durfte ich Herthas Amerika-Abenteuer hautnah miterleben. Im Mittleren Westen trafen die Berliner auf bodenständige Aufgeschlossenheit, in Los Angeles tauchten sie in die Anonymität der Freakshow zwischen Hollywood und Venice Beach ein. An Klischees mangelte es dort nicht. Von maßlosem Luxus über übertriebenen Körperkult bis zu alternden Rockstar-Typen mit blutjungen Damen im Arm – die USA, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Ausgerechnet dort, wo alles eine Nummer größer sein muss, haben sich bei mir allerdings nicht zuletzt die kleinen Dinge eingebrannt. Zeit für ein persönliches Best-of.

1. Bei einer Führung durchs Baseball-Stadion der Minnesota Twins ließen sich Salomon Kalou, Ondrej Duda und Javairo Dilrosun nicht zweimal bitten. Kleines Schlagtraining in den Katakomben gefällig? Aber klar, sofort war der sportliche Ehrgeiz geweckt. Weil sich Dilrosun dabei nur halbherzig hinter einem Sicherheitsnetz versteckte und Duda den Ball in unorthodoxem Winkel in seine Richtung drosch, wäre die Kugel um Haaresbreite am Kopf des Niederländers gelandet. Fazit: Fußballer sollten die Handarbeit anderen überlassen.

2. Während die einen eine Stippvisite ins Baseballstadion machten, besichtigten Kollegen den American-Football-Tempel der Minnesota Vikings. Mittelfeldspieler Per Skjelbred konnte nur staunen. „So etwas werden wir in Berlin niemals haben“, meinte der Norweger, wobei man fairerweise anmerken muss, dass sich „Berlin“ in diesem Fall durch „Deutschland“ oder „Europa“ ersetzen ließe. Sportlich eingeweiht wurde der 1,1 Milliarden Dollar teure Prachtbau übrigens mit einem Fußballspiel: 2016 bezwang Chelsea den AC Mailand mit 3:1.

3. Auch Hertha durfte eine Einweihung vornehmen, zumindest mit etwas Wohlwollen. Im neuen Allianz Field von Minnesota United trugen die Berliner immerhin das erste internationale Freundschaftsspiel aus. Das 1:0 der Gäste war wenig spektakulär, stärker beeindruckt war ich von der Alkoholpolitik im Stadion. Während in Deutschland bei einigen Spielen nur noch Light-Bier ausgeschenkt wird, präsentiert sich die Arena in Minneapolis als gigantische Bar mit Live-Sport-Option. Von der hauseigenen Brauerei bis zu mobilen Spirituosen-Ständen – alles da! Wer möchte, kann die nächste vergebene Hundertprozentige seines Klubs also gleich mit Hochprozentigem kontern, sollte dabei aber nicht vergessen: Alkohol ist keine Lösung. Sondern ein Destillat.

4. Inwieweit die Fans von Forward Madison dem Alkohol zugetan sind, kann ich Ihnen nicht genau sagen, aber stimmungstechnisch machen die Anhänger des Drittligisten ein Fass auf. Die kleine Gemeinschaft aus Fußball-Verrückten sang bei Herthas Gastspiel in Madison (Wisconsin), was die Lungen hergaben, dabei wurde ihr Verein gerade erst gegründet. Etwas schmunzeln musste ich, als ausgerechnet die Melodie des „Mattuschka-Liedes“ erklang, jahrelang Gassenhauer bei Herthas Stadtrivalen 1. FC Union, basierend auf Frank Sinatras „I love you baby“. Natürlich reiner Zufall.

5. Wer als Kind eine Begegnung mit einem Fußballprofi hatte, vergisst sie in der Regel nicht. Für manche mag sie zwar nur eine Fußnote in der eigenen Biografie bleiben, für viele wird sie jedoch zur Initialzündung einer lebenslangen Fan-Leidenschaft. Bei den zwei Schulbesuchen, die Hertha in den USA unternommen hat, habe ich etliche strahlende Kinderaugen gesehen, und jene lügen bekanntlich nicht. Ob aus den Kids eines Tages zahlende Konsumenten werden, sei dahingestellt. Die pure, unverfälschte Begeisterung zu sehen, war aber schlicht und einfach: schön.