Pal Dardai: "Wir haben höchstens Kopfprobleme"

(jl)Pal Dardai besann sich auf jene Abläufe, die ihm schon seine ganze Karriere über gutgetan haben. „Ich gehe erstmal laufen und ein bisschen schwitzen“, sagte der Ungar am Sonntagvormittag, „danach gehe ich nach Hause und verbringe Zeit mit meiner Familie.“ Ablenkung suchen vom frustrierenden 1:2 in Mönchengladbach, das auch am Tag danach noch „schmerzhaft“ war.

Am Samstagabend in Gladbach wollte Dardai „nichts schönreden“. Eine Nacht später und mit etwas Abstand nahm er dann aber doch ein paar positive Aspekte vom Niederrhein mit. Die „Gier auf Tore“ zum Beispiel. Die brauchbaren „letzten Pässe“. Die Zielstrebigkeit bei Kontergelegenheiten. Nur müssen diese guten Ansätze eben auch veredelt werden.

Dardai vs. Gattuso

Um bei erfreulichen Punkten zu bleiben: Alle Berliner Profis sind unbeschadet von der Dienstreise zurückgekehrt. Einzig Fabian Lustenberger klagte über leichte Knieprobleme, nix dramatisches. Ansonsten blieben „höchstens Kopfprobleme“, wie Dardai sagte – „jeder ist ein bisschen traurig“. Wobei er genau das zuvor relativiert hatte.

Angesprochen auf die Stimmung auf der Heimreise meinte er: „Das ist heute eine andere Generation. Am Ende der Fahrt hat sich der Frust schon gelöst. Und das ist auch gut so.“

Ich musste dabei an ein Statement von Milan-Vorkämpfer Gennaro Gattuso denken. Der hatte sich unlängst darüber beschwert, dass die Profis von heute sogar nach Niederlagen Selfies aus der Kabine posten. Er selbst sei hingegen nach verlorenen Spielen drei Tage lang mit gesenktem Haupt durch die Stadt geschlichen. Wie sich die Dinge ändern …

„Die Schiedsrichter warten lieber ab“

Dardai jedenfalls akzeptiert den Wandel – übrigens auch in Sachen Videobeweis. In Gladbach kam gleich zweimal eine Korrektur aus Köln. Einmal zu Herthas Gunsten (als Herrmann vermeintlicher Ausgleichstreffer aberkannt wurde), und einmal zum Nachteil der Berliner (als nachträglich auf Elfmeter für die Borussia entschieden wurde).

Dardai: „Das Gegentor hatte ich schon akzeptiert. Früher hätte der Linienrichter vielleicht die Fahne gehoben. Heute lässt er das, weil er weiß, dass er Hilfe aus Köln hat. Beim Elfmeter war das genauso. Ich habe aus 100 Metern Entfernung gesehen, dass es ein Elfmeter war.“

Dass die Emotionen durch die Möglichkeit der nachträglichen Korrektur nicht mehr freien Lauf haben, sei „nicht schön“, sagte Dardai, aber er habe sich inzwischen daran gewöhnt. Auch, weil er vom vierten Offiziellen gut informiert werde. Ein Punkt, den der Trainer Pal Dardai dem Stadion-Zuschauer voraushat.

Dur oder Moll?

Nun also geht’s in den Schlussspurt. Fünf Spiele noch. Die Gegner heißen Köln (zu Hause), Frankfurt (auswärts), Augsburg (h), Hannover (a) und Leipzig (h). Was meint ihr, wie ertönt der Berliner Schlussakkord? In Dur, also mit Punkten, Toren und mutmachenden Auftritten? Oder in Moll, weil die Saison mit mäßigen Ergebnissen und biederem Fußball dahinplätschert?

Am Montag dürfen die Hertha-Profis durchatmen. Nächstes Training: Dienstag, 15 Uhr, Schenckendorffplatz.